Kultur Südpfalz Vom Auslaufmodell zum Kult

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In Zeiten, da nicht jeder einen Fernsehapparat besaß, waren Hörspiele zuweilen Straßenfeger. Und sie haben bis heute eine gar nicht so kleine treue Gemeinde behalten. Das zeigt sich bei den ARD-Hörspieltagen, die nach dem Start 2004 in Köln seit 13 Jahren in Karlsruhe stattfinden. Vom 7. bis 11. November ist es im ZKM wieder soweit.

Zu Unrecht war das gute alte Radio vor gar nicht allzu langer Zeit zum medialen Auslaufmodell erklärt worden, allenfalls geduldet als dudelnder Begleiter mit aktuellen Informationen zwischendurch. Das war etwas vorschnell, wie man inzwischen weiß. Zumal die Radiomacher sowohl in der Unterhaltung als auch in der so genannten „ernsten“ Kultursparte dazugelernt haben – einschließlich der Vernetzung mit den medialen Vermittlungsmöglichkeiten von Internet & Co. Mit einem Programm, das sich zumindest schon mal sehr attraktiv liest, soll der Hörspielgemeinde wieder ordentlich was für die Ohren mitgegeben werden. Ein Schwerpunkt wird „Der nasse Fisch“ sein, eine vierstündige, starbesetzte Hörspieladaption des gleichnamigen Romans von Volker Kutscher, der unlängst unter dem Titel „Babylon Berlin“ als TV-Produktion im Ersten für Aufsehen sorgte. Die Hörspielfassung ist am Freitag, 9. November, ab 22 Uhr bei einer langen Kriminacht zu hören. Bereits am heutigen Samstag zeigt das Karlsruher Schauburg-Kino dazu vorab die gesamte Fernsehserie in einer Nacht. Und das Live-Hörspiel „Moabit“ (Freitag, 9. November, 21 Uhr) behandelt, ebenfalls nach einem Text Volker Kutschers, die Vorgeschichte des „Babylon“-Projekts. Für den Deutschen Hörspielpreis der ARD wurden zwölf Produktionen der ARD-Landesanstalten sowie von ORF, SRF und Deutschlandradio eingereicht. Publikum und hochrangig besetzte Jury hören gemeinsam zu und die Diskussion der Jury wird öffentlich zu verfolgen sein. Anregungen und Fragen der Zuhörer sind möglich. Ihre Entscheidung verkündet die Jury am Samstagnachmittag. Die Beiträge des Wettbewerbs behandeln laut Festivalleiter Ekkehard Skoruppa in sehr verschiedener Weise vor allem aktuelle Themen. So erlangt in „Die Maschine steht still“ von Felix Kubin, eine bereits 1909 veröffentlichte gleichnamige Erzählung von E. M. Forster über Vernetzung und Verselbstständigung maschineller Prozesse, erstaunliche Aktualität. Und es gibt sogar einige experimentelle Beiträge. Das Gesamtprogramm, das am Mittwoch, 7. November, um 18 Uhr durch eine Performance von Martin Daske eröffnet wird, bietet insgesamt mehr als 50 Veranstaltungen: auch ein Symposium, Diskussionsforen, Konzerte, Klang-Installationen, einen Fachtag „Hört, hört! Hörspiel macht Schule“ und wieder einen abschließenden Kinderhörspieltag. Zu den ARD-Hörspieltagen des vergangenen Jahres kamen rund 12.000 Besucher ins ZKM. Überhaupt ist Audio wieder in: Bei der ARD sind die Macher sehr stolz auf ihre Audiothek. Allein die „Babylon Berlin“-Hörspielvariante „Der nasse Fisch“ sei dort bereits über 150.000-mal abgerufen worden. Und auch die erst im vergangenen Jahr eingeführte Audiothek-App sei sehr erfolgreich, so Gerold Hug, Kulturwellenchef beim SWR. Termin ARD-Hörspieltage vom 7. bis 11. November im ZKM Karlsruhe. Weitere Informationen im Internet unter www.ard.de/home/radio/ARD_Hoerspieltage_2018 .

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