RHEINPFALZ-Sommergespräch RHEINPFALZ Plus Artikel Volker Sehy will nicht am Waldfischbacher Rosenberg in Rente gehen

Wallfahrtsdirektor Volker Sehy (links) und RHEINPFALZ-Redakteur Andreas Ganter unterhalten sich bei einem Spaziergang durch den
Wallfahrtsdirektor Volker Sehy (links) und RHEINPFALZ-Redakteur Andreas Ganter unterhalten sich bei einem Spaziergang durch den Pfälzerwald über Gott und die Welt.

Volker Sehy ist Direktor des Wallfahrtsorts Maria Rosenberg. Beim Spaziergang durch den Pfälzerwald erzählt der Geistliche von seiner Arbeit, den Herausforderungen als Seelsorger und warum er nicht auf dem Rosenberg in Rente gehen will.

Sehy ist ein waschechter Südwestpfälzer, aufgewachsen auf einem Bauernhof auf der Sickinger Höhe. Aus dem Bauernspross ist ein katholischer Pfarrer geworden, der weit über seine Wirkungsstätte bei Waldfischbach-Burgalben hinaus bekannt ist. Sehy gilt als guter und begeisternder Prediger. In Speyer unterrichtet er angehende Priester in der Predigtlehre. Er ist ein Mann des Wortes – nie um das passende und eindrucksvolle Wort verlegen.

Offene Worte findet Sehy auch beim Spaziergang mit der RHEINPFALZ durch den Pfälzerwald. Der Geistliche will dem Redakteur einen seiner Lieblingsplätze zeigen – auch wenn der nicht mehr ganz in der Südwestpfalz, sondern in der Südpfalz liegt. Vom Forsthaus Annweiler geht es rund eine halbe Stunde zum Kirschfelsen. Sehy hat vorab nicht übertrieben. Der Ausblick ist grandios. Ein Ort zum Genießen, zum Nachdenken, zum Seele baumeln lassen – oder auch zum Beten.

Auszeiten nimmt Sehy etwas vom Rosenberg entfernt

Sehy hat von diesem wunderbaren Fleckchen Natur selbst von einem Bekannten erfahren. Hier genießt er die Aussicht. In der Ferne ist der Trifels zu erkennen, sonst nur Wald – so weit das Auge blickt. Als Kind der Sickinger Höhe sei er es gewohnt, in die Weite zu schauen. In seiner Zeit als Seelsorger in Speyer sei er deshalb immer auf die Domtürme gestiegen, um den Blick schweifen zu lassen.

An den Kirschfelsen kommt Sehy mittlerweile mehrfach im Jahr. Er versuche, zu jeder Jahreszeit hier vorbeizuschauen. Jede Jahreszeit habe da ihren ganz eigenen Reiz. Der Kirschfelsen ist ein Ort, an dem Sehy seinen Gedanken freien Lauf lassen kann.

Das gelinge ihm in der Hektik des Alltags nicht immer, berichtet der katholische Priester. Aber er versuche, sich immer wieder bewusste Auszeiten zu nehmen. Dann zieht es ihn in den Pfälzerwald. Meistens sei er alleine unterwegs und „gerne etwas entfernt vom Rosenberg“ – wo er nicht direkt erkannt und angesprochen wird.

„Ich bin nicht der Messias“

Dabei gehört der Theologe wahrlich nicht zu den Geistlichen, die nur in sich gekehrt im Betstübchen sitzen. Er ist auf dem Rosenberg präsent, ansprechbar für jeden. Bei gutem Wetter arbeite er auch schon mal mit dem Laptop auf den Knien im Wallfahrtshof. Wenn ihn Gäste ansprechen, nehme er sich die Zeit für einen Plausch. Diese Gespräche könnten oberflächlich sein, aber durchaus auch in die Tiefe gehen, berichtet er. Es gehe oft um den Glauben und persönliche Dinge, die die Besucher des Rosenbergs belasten. „Das fordert mich“, gesteht Sehy. Wie er das verarbeitet? „Im Gebet.“ Da sage er auch immer wieder: „Ich bin nicht der Messias. Das ist ein anderer. Ich bin nur sein Werkzeug.“ Über manche Angelegenheiten tausche er sich zudem mit einer Gruppe von anderen Geistlichen aus. „Das brauche ich.“ Wer andere begleite, müsse sich auch selbst begleiten lassen, ist Sehy überzeugt. Sein Glaube helfe ihm dabei, nicht alle Last auf den eigenen Schultern tragen zu müssen.

In Menschen anstatt in Gebäude investieren

Als Direktor ist Sehy aber nicht nur für die Seelsorge am Wallfahrtsort zuständig. Nach wie vor ist offen, wie es dort einmal weitergehen soll. Es gab schon viele Überlegungen, leerstehende Gebäude wiederherzurichten, umzubauen oder zu sanieren. Passiert ist nichts. Was aber weniger an Sehy liegt, als an den Verantwortlichen des Bistums in Speyer. Sehy spricht jetzt davon, lieber „in die Menschen anstatt in die Gebäude zu investieren.“

Es müsse nicht immer alles perfekt sein. Sehy fordert, einen „Mut zur Vorläufigkeit“. Gebäude seien für die Kirche auch eine Last, der Rosenberg werde seine Gebäude wohl auch reduzieren müssen. Aber das solle auf eine Art und Weise geschehen, dass der Ort weiterhin schön und ansprechend sei und die Gäste gerne kommen. Er freue sich, dass der Rosenberg mittlerweile ein Ort für allle Christen und Suchenden sei. Das sei ihm ein Anliegen gewesen. „Gott schaut nicht auf Konfessionen.“

Sehy ist jetzt seit neun Jahren an dem Wallfahrtsort tätig. In den Ruhestand wolle er dort jedoch nicht gehen, betont er. „Ich bin dort in der zweiten Halbzeit“, sagt er, ohne jedoch genau zu wissen, wann und ob ihn das Bistum an eine andere Stelle versetzt. Er halte es für vernünftig, dass Priester regelmäßig ihren Einsatzort wechseln. Ein Nachfolger könnte neue Akzente setzen. Für Sehy ist es ein Problem, wenn ein Ort zwangsläufig mit einer Person verbunden wäre. Der Rosenberg müsse auch ohne Volker Sehy denkbar sein. Der Direktor ist 51 Jahre alt. „Vor meinem 60. Geburtstag will ich noch einmal die Stelle wechseln.“

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