Kultur Südpfalz Virtuose Dialoge im russischen Ton

Placeholder-Image

Der Verein für Volksbildung und Jugendpflege Landau setzt am Sonntag um 11 Uhr seine Veranstaltungsreihe mit einer Matinee zu dem Künstlerpaar Lisa Tetzner und Kurt Kläber fort. Gerade erst war der russische Pianist Andrej Ivanovitch bei dem engagierten Verein zu Gast.

Dieser gehört zu den Stammgästen in der Region. Zum Konzert im Landauer Haus am Westbahnhof, das der Verein Leben und Kultur mitveranstaltete, kam er erstmals mit seinem Landsmann, dem Klarinettisten Kyrill Rybakov. Beide nahmen die große Schar von Zuhörern mit auf eine spannende Entdeckungsreise in die Klangwelt ihrer russischen Heimat. Ivanovitch kennt man als technisch brillanten, enorm ausdrucksstarken und feinsinnig gestaltenden Solisten. Diesmal stellte er seine virtuosen Fähigkeiten zugunsten der Klarinette etwas zurück, was auch dem Programm geschuldet war, und präsentierte sich als genialer musikalischer Begleiter und exzellenter Partner. Aber auch in einigen Solostücken zeigte er sich als Meister seines Fachs. Der am Konservatorium Moskau lehrende Rybakov ist ein Klarinettist von bestechender Ausdruckskraft, technisch versiert und mit Sinn für sensible Klanggebung. Auch wenn der Wechsel von der tiefen in die hohe Lage des Instruments nicht immer einwandfrei gelang, überzeugten doch die Transparenz und Frische des Spiels, das perfekte Zusammenwirken mit dem Klavier, die Ausstrahlung und die musikalische Reife. Bis auf den letzten Programmpunkt spielten die Musiker ausschließlich Werke von Komponisten ihres Heimatlandes. Die musikalische Reise in die „Belle Epoque“ Russlands begann mit der Sonate für Geige und Klavier, transkribiert für Klarinette und Klavier, von Alexander Aljabjev. Kraftvoll zupackend gab das Duo den Kopfsatz wieder, die lyrischen Passagen ausdrucksstark geformt. Schön und gefühlvoll, mit weichem Anschlag im Klavier und eindrucksvoll schwingender Melodik in der Klarinette kam das Adagio cantabile daher. In virtuoser Pracht erklang das Rondo. Von Ausgewogenheit und vitaler musikalischer Kommunikation lebte die Canzone in f-Moll von Sergei Taneev. Diese Attribute fand man auch in der Darbietung des Allegro moderato aus der Sonate für Bratsche und Klavier („Unvollendete“), transkribiert für Klarinette und Klavier, von Michail Glinka. Besonders gefiel Ivanovitchs filigrane Begleitung zum leuchtenden Kolorit der Klarinette. Individuelle Akzente setzten beide in „Drei Stücken“ op. 42 von Tschaikowsky, die durch die Steigerungen im Ausdruck, die vielseitige Dynamik und die waghalsige Technik der Klarinette bestachen. Einen Hauch von Melancholie verströmte „Second snow on the stadium“ des 1970 geborenen Pavel Karmanov, in dem weite Melodiebögen in der Klarinette mit dezentem, farbenreichem Klavierklang verschmolzen. Ivanovitch begeisterte mit einer fein nuancierten Darbietung des Nocturnes f-Moll („Die Trennung“) und effektvollen Wiedergaben von vier Mazurken Glinkas. Exakte Stimmungsbilder zeichnete er mit „April“, „Oktober“ und „November“ aus Tschaikowskys „Jahreszeiten“. Vor den beiden Zugaben vereinigte das Duo alle Vorzüge seines Spiels und verband in dem von russischer Volksmusik geprägten Divertissement sur „Le Rossignol d`Alex Alabieff“ von Henri Vieuxtemps zarte Schönheit mit stürmischer Brisanz.

x