Eisenberg Vier Mal pro Woche gepaukt
17 Teilnehmer des Integrationskurses der Kreisvolkshochschule Donnerberg (KVHS) haben gestern Vormittag im Rathaus ihre Zertifikate erhalten. Nach 660 Stunden und mehreren Prüfungen – mündlich und schriftlich – schlossen zwei Schüler den Kurs „Deutsch-Test für Zuwanderer“ sogar mit Bestleistung ab. Unter der Leitung von Natalija Peisch mussten die Teilnehmer neben der Sprache auch Grundwissen in Geschichte, Politik, Kultur und Rechtsordnung erwerben.
Das fleißige Lernen hat sich wahrlich gelohnt, denn 13 Teilnehmer haben den Abschluss B1 erreicht. Damit besteht die Möglichkeit, sich für die weiterführenden Kurse B2 und danach C1 anzumelden. „Ein wirklich tolles Ergebnis haben alle geschafft“, freute sich Peisch. Vier weitere Teilnehmer haben die Prüfung mit A2 abgeschlossen. Diese könnten den Kurs mit 300 Stunden wiederholen und nochmals die Prüfung machen, erklärte die Kursleiterin. Die Teilnehmer aus Armenien, Bosnien, Albanien, Griechenland, Kasachstan, Russland, Syrien, Iran, Türkei, Polen und Eritrea haben von Juni 2016 bis Mai 2017 vier Mal pro Woche gepaukt. 60 Stunden behandelte das Thema „Leben in Deutschland“. „Das ist ein sehr wichtiger Block in den Unterrichtseinheiten, denn nicht nur die Sprache, sondern auch das Wissen über Politik, Kultur, Geschichte, Religion und Gesellschaft gehören zur Integration dazu. Für die nächsten Kurse, die im August und November beginnen, sind sogar 100 Stunden dafür vorgesehen“, sagte Peisch, die eine Aufstockung der Stundenzahl begrüßt. Sichtlich stolz war die Lehrerin, als sie mit der Leiterin der Kreisvolkshochschule, Evangeline Beyer, die Zeugnisse an ihre Schützlinge verteilte. „Ihre Grundlagen für ein Leben in Deutschland haben Sie nun geschaffen“, sagte Beyer, die die Teilnehmer ermunterte, weiterführende Kurse zu besuchen, um ihre Sprache zu verbessern. Und genau das haben viele auch vor. So wie Alaa Ibrahim, der neben Haidari Kamran aus dem Iran die volle Punktzahl erreicht hat. Der syrische Flüchtling möchte nun schnellstmöglich weiterführende Kurse besuchen, um studieren zu können. „Ich brauche für die Zulassung an der Universität den Abschluss C2“, erzählte der 25-Jährige, der seit 18 Monaten in Deutschland lebt. In seinem Heimatland hat er bereits ein abgeschlossenes Studium in französischer Literatur absolviert. Leider werde dieses hier in Deutschland nicht anerkannt. In welchem Bereich er später arbeiten möchte, wisse er allerdings noch nicht, so Ibrahim. Ein abgeschlossenes Management- und Ökonomie-Studium hat auch der 41-jährige Arsen Avetisyan aus Armenien in der Tasche. Jetzt will er seine Sprache verbessern, um bald eine feste Anstellung zu bekommen: „In diesem Kurs habe ich die Grundlagen gelernt. Wir haben viel miteinander gesprochen.“ Sogar enge Freundschaften seien entstanden, erzählten mehrere Teilnehmer. Wenn auch die Sprache zu Beginn oft im Weg stand, so hätten sie sich mit Händen und Füßen unterhalten. Jetzt sei eine gemeinsame Basis der Kommunikation geschaffen worden. Seit zwei Jahren ist die Türkin Nuray Akgük hier. „Deutschland hat mir schon immer sehr gut gefallen. Ich habe zuvor in London und in der Türkei als Textilingenieurin gearbeitet und musste beruflich öfter nach Düsseldorf“, so die 38-Jährige, die bald ihr erstes Kind erwartet. Der Liebe wegen sei sie nach Deutschland gekommen, deshalb möchte sie die Sprache auch perfekt können. Die Nachfrage an Integrationskursen sei da, stellte Peisch fest. Je nach finanzieller Situation werde die Gebühr übernommen oder müsse selbst bezahlt werden, wobei das Bundesamt für Migration 50 Prozent der Kosten erstattet, falls die Prüfung auf B1-Niveau abgeschlossen wird.