Rheinpfalz Viel mehr als nur Kaffee oder Tee
Was versteht man unter einem Krabbel-Café? Diese Frage stellt man sich wohl zu aller erst, wenn man den Namen hört. Das Krabbel-Café Lauterecken ist ein offener Treff für Eltern und Großeltern mit ihren Kindern und Enkeln bis 18 Monaten. Gegründet wurde das Projekt 2013 unter der Planung von Ute Dettweiler, die bei der Familienbildung in Kaiserslautern tätig ist. Mithilfe ihrer Angestellten Isabel Wittke konnte so durch Gelder vom Land Rheinland Pfalz das Netzwerk „Familien bilden und stärken“ ins Leben gerufen werden. Geöffnet ist das Krabbel-Café jeden Donnerstag von 10 bis 11.30 Uhr.
„Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, Kontakte zu knüpfen, Austausche stattfinden zu lassen sowie den Kindern, Eltern und Großeltern eine Auszeit zu gönnen. Dabei ist es völlig egal, ob im Café über den nächsten Schuhkauf geredet wird oder sich über Sorgen unterhalten wird, weil das Kind ständig schreit“, berichtet Wittke, die selbst in mehreren Projekten des Netzwerks tätig ist. „Gerne verwende ich das Zitat von Guy de Montpassant, um das Krabbel-Café zu beschreiben: ,Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen’“, erklärt sie zufrieden. Der Besuch im Café ist zwanglos, es stehen Kaffee und Tee bereit sowie Spielmatten und -sachen, auf beziehungsweise mit denen sich die Kinder die Zeit vertreiben können. Zur Begrüßung singt man ein Lied, worauf meist Gespräche am Tisch folgen, während die Kinder miteinander spielen. Des Weiteren will das Netzwerk den Leuten die Hemmschwelle nehmen, Fachkräfte für bestimmte Probleme anzusprechen. Bei monatlich stattfindenden Vorträgen wie zum Beispiel über „Zahnen und Zahnpflege“ am 9. November oder „Was tun bei Erkältung, Fieber, Bauchweh?“ am 7. Dezember stehen jeweils Fachkräfte zur Verfügung und erleichtern so den Kontakt zu den Eltern. Die Aufgabe des Netzwerks ist es, Familienbildungsangebote in Absprache mit dem Jugendamt im Kreis Kusel zu fördern. Dabei wird es vom Land finanziell unterstützt. „Es werden eigene Angebote kreiert oder es kommen Anstöße zum Beispiel von Kindertagesstätten, die gerne zu einem Thema einen Referenten hätten, und da versuchen wir, die Kontakte herzustellen und zu verbinden. Bedarfe erkennen und Lösungen suchen, das ist Netzwerkarbeit. Die Angebote werden mit Kooperationspartnern wie dem protestantischen Pfarramt der Gemeinde Lauterecken, der Diakonie Lauterecken und dem Netzwerk „Kindeswohl und Kindergesundheit im Landkreis Kusel“ umgesetzt. Diese sind enorm wichtig für uns, da ansonsten die Angebote nicht realisierbar wären“, informiert Wittke, die weitere Projekte wie die Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige in Altenglan oder das Elterncafé in Kusel mitkoordiniert. Netzwerkarbeit bringt aber auch ganz innovative Projekte zum Vorschein. So entstand nach einem Treffen des seit 2016 bestehenden Netzwerks „zur Unterstützung von Familien im Raum Wolfstein“ eine mobile Beratungsstelle für anerkannte Flüchtlinge, Migranten und Asylbewerber im Rathaus Wolfstein. Dort wird den Personen beim Ausfüllen von Verwaltungsunterlagen und Ähnlichem geholfen. Dadurch erreichte Netzwerkarbeit wieder einmal, ähnlich wie beim Krabbel-Café, die örtliche Nähe zu den Bürgern; auch dank Stadtbürgermeister Herwart Dilly, der den Raum im Wolfsteiner Rathaus bereitstellte. Das Elterncafé in der Grundschule Kusel wird einmal im Monat von 10 bis 12 Uhr angeboten und richtet sich vor allem an Eltern mit Migrationshintergrund. Die Grundschulkinder führen den Eltern etwas vor, zum Beispiel singen oder tanzen sie. Doch werden auch Themen angesprochen: So fragten Schüler der vierten Klasse syrische Eltern, wie Moslems heiraten; zuvor hatten sie das Thema Islam in der Schule durchgenommen. Momentan wird das Krabbel-Café von sechs bis acht Müttern mit Kindern besucht, welche die Auszeit in dem von der evangelischen Gemeinde Lauterecken zur Verfügung gestellten Raum gerne annehmen. Das protestantische Gemeindehaus in der Bahnhofsstraße 22 befindet sich schräg gegenüber des Bahnhofs. „Ein Vorteil des Standorts ist auf jeden Fall die Nähe zur Diakonie, die Schwangerenberatung anbietet oder auch soziale Lebensberatung. So haben auch unsere Besucher die Möglichkeit bei solcher Art von Problemen direkt Ansprechpartner zu haben“, erzählt Isabel Wittke im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Ab Herbst wird die beratende Fachkraft im Krabbel-Café Martina Zahn aus der Leitung aussteigen und Katja Hesch, Kinderkrankenschwester und Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin übernimmt das Amt. Zusätzlich ist sie im Projekt der Familien-Hebammen, die durch ihre Zusatzqualifikationen bei Bedarf Familien individuell kostenfrei bis zum vollendeten ersten Lebensjahr des Babys betreuen kann.