Kultur Südpfalz Unterschiedliche Temperamente

Rosemarie Trockel: ohne Titel.
Rosemarie Trockel: ohne Titel.

Der Weitblick und das Gespür für Qualität des Kölner Sammlerehepaares Garnatz, das die Arbeiten aus den 1980er- und 1990er-Jahren erwarb, als die beiden Künstlerinnen Marlene Dumas und Rosemarie Trockel international noch nicht arriviert waren, ist beachtenswert. Dabei zeigt die Gegenüberstellung der beiden künstlerisch so unterschiedlichen Temperamente während der „Europäischen Kulturtage“ kuratierten Ausstellung immer wieder zumindest unterschwellige Parallelen. Während die aus Südafrika stammende, seit 1976 in den Niederlanden lebende Marlene Dumas einen Schwerpunkt auf der Malerei hat, wurde Trockel vor allem als Konzeptkünstlerin bekannt. Wobei die Städtische Galerie auch drei ihrer seltenen Gemälde präsentieren kann, sehr dunkel gehalten, von anthropologischen Themen beeinflusste Arbeiten. Trockels Kunst erschließt sich nicht einfach, ist oft mehrdeutig. Berühmt sind ihre Strickbilder, bei dem sie die vermeintlich typisch reproduktive Frauenarbeit wie bei „Ohne Titel (Toroni)“ mit der minimalistischen Kunst des Schweizer Künstlers Niele Toroni in Beziehung setzt. Wobei die Wahl-Kölnerin betont, selbst nie „Hand an Wolle gelegt zu haben“. Ihre Arbeiten werden nach Computervorlagen von Maschinen gestrickt. Vieldeutig ist ihr Objekt „Löffelmuscheln“, wobei in einem Glaskasten sieben Schöpfkellen hängen, die in Muscheln enden. Hier verbindet sie das Symbol weiblicher Sexualität und Fruchtbarkeit mit der sich alltäglich banal wiederholender Hausarbeit. Direkter, provokanter, oft ist der nackte, ungeschützte Körper das Objekt ihrer Kunst, teilweise aber auch sehr artistisch sind die Zeichnungen und Bilder von Marlene Dumas. Häufig arbeitet sie wie beispielsweise in der Serie der 211 „Females“ von 1992/93 nach Fotos. Nichts lenkt den Betrachter von den Gesichtern ab, keine weitere Informationen auf soziale Stellung oder die Identität der Person findet man in diesen Bildwelten. Ihr großformatiges Gemälde „Hell (The people of the Artworld in Monets Lake of the Searoses)“ hing lange in der Wohnung der Sammler in Köln. Packend in seiner Farbigkeit wirkt das Gruppen-Bild, mit seinen Anklängen an Edvard Munch, zugleich bedrückend. Der angedeutete Kontext lässt zumindest Deutungen zu, welche Probleme Dumas in den späten 1970er-Jahren mit dem männlich dominierten Kunstbetrieb hatte. Verstörend ist ihr überdimensionales Baby mit Warhol-Kopf („Warhol`s child“), das mit seinem aufgequollenen Bauch fernab jeglichen Mutterschaft-Klischees angesiedelt ist. Archaische Wucht, hier kommt auch, wie in vielen anderen Arbeiten der Künstlerin, zumindest unterschwellig die Auseinandersetzung mit der Apartheid zum Tragen, prägt das fast drei Meter hohe Gemälde „Magdalena (Patron Saint of Hairdresser)“, das auf die biblische Maria Magdalena anspielt, die als erste dem auferstandenen Jesus begegnete und von ihm einen Verkündigungsauftrag erhielt. Info Die Ausstellung ist bis zum 24. Juni zu sehen. www.staedtische-galerie.de

Marlene Dumas: „Female“.
Marlene Dumas: »Female«.
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