Rheinpfalz „Unerhörte“ Freude an der Musik

91-71754571.jpg

Vollblut-Musiker und (ehemalige) Fußball-Profis mischen gerne mit, als Bandleader oder musikalische Gäste. Als die eigentlichen „Stars“ jedoch gelten jene, die normalerweise nicht im Rampenlicht stehen, weder in Sportarenen noch auf Konzertbühnen. Aber was heißt schon „normalerweise“: Wie schwer der Begriff „normal“ zu fassen ist, hat das Musik-Ensemble schon öfter bewiesen. Nun wird sich die Band „Carpe Diem Unerhört“ am Freitagabend, 19 Uhr, erstmals auch in Kusel präsentieren.

Als Kicker hat es Axel Roos zu Meister-Ehren gebracht. Dass der Ex-Profi des 1. FCK auch gern mal in die Tasten greift, ist weniger bekannt. Am Freitagabend wird er es tun – auf der Bühne der Fritz-Wunderlich-Halle steht ein hochwertiger Flügel. Roos wird, wenn die Band der Reha-Westpfalz am Freitagabend um 19 Uhr in Kusel gastiert, auch zur Gitarre greifen – und zum Duduk, einem armenischen Blas-Instrument, das der Klarinette ähnelt. Ein meisterlicher Musiker sei er nicht, betonte Roos gestern: „Ich muss üben, brauche Noten. Andere setzen sich ans Klavier und legen einfach los. Ich bewundere das.“ Was Axel Roos ebenfalls bewundert: Die Arbeit, die Achim Pauli leistet. Der hat auch mal vortrefflich gekickt, mit dem Wuppertaler SV immerhin in der zweiten Bundesliga gespielt. Pauli – Lehrer, Krankengymnast, Therapeut – arbeitet für das Gemeinschaftswerk, ist bei der Reha Westpfalz in Landstuhl tätig. Und hat dort die Formation „Carpe Diem“ aus der Taufe gehoben. Ein beispielhaftes Projekt, das seinem so engagierten, hartnäckigen Moto inzwischen reichlich Meriten eingebracht hat. So ist der Gründer, vor vier Jahren mit der Staatsmedaille des Landes ausgezeichnet worden. Bevor der Begriff „Inklusion“ in aller Munde geriet, habe Achim Pauli mit „Carpe Diem“ schon Vorbildliches geleistet. Denn die Band besteht aus behinderten und nichtbehinderten Musikerinnen und Musikern. Vor 21 Jahren gegründet, hat die Gruppe – zwischen 14 und 16 Mitstreitern stark – schon zahlreiche Auftritten bestritten. Hat es auf die Kammgarn-Bühne geschafft, hat beim Rheinland-Pfalz-Tag vor Aberhunderten Zuhörern gespielt. Auch mit Titeln aus Paulis Feder, mit eigenen Interpretationen von Stücken bekannter Musiker wie Wolfgang Niedeken wartet die Band auf, in deren Reihen behinderte Menschen mit so viel Freude bei der Sache sind. Axel Roos ist dank guter Kontakte zur Reha Westpfalz schon früh darauf aufmerksam geworden; sein erklärter Wunsch, mal mit dem Ensemble auf der Bühne zu stehen, hat sich bereits erfüllt, er ist in Kusel zum wiederholten Mal mit von der Partie. Mit dabei sind am Freitagabend auch musikalische Größen der Region: Sängerin Isabel Fuchs und Sänger Manuel Lothschütz. Das Bündnis gegen Depression Westpfalz tritt als Veranstalter auf, maßgeblicher Initiator ist Michael Volle, Kreisverwaltung Kusel. Info Zum Konzert von „Carpe Diem Unerhört“ gibt’s ermäßigte Karten im Vorverkauf. Für zehn Euro zu haben in der Buchhandlung Wolf, bei Augenoptik Drumm und im Bürgerbüro der Kreisverwaltung. (cha)

x