Rheinpfalz Tunnelratten oder Höhlenmenschen?

Clubhaus mit Logo: In „Cavemen Town“ stehen 2000 Quadratmeter Grundstücksfläche sowie innerhalb des Clubheims insgesamt 300 Quad
Clubhaus mit Logo: In »Cavemen Town« stehen 2000 Quadratmeter Grundstücksfläche sowie innerhalb des Clubheims insgesamt 300 Quadratmeter Nutzfläche auf zwei Etagen zur Verfügung.

Woher der Name Cavemen kommt, dazu gibt es zwei Geschichten. Die eine: Die US-Soldaten, die den Motorradclub 1968 in Zweibrücken gegründet haben, erfanden ihn in Anlehnung an die so genannten Tunnelratten, die in Vietnam die unterirdischen Bunkersysteme der feindlichen Vietcong infiltrierten. Variante zwei: Die Frau eines frühen Cavemen habe mal geschimpft, er und seine Motorradkumpels benähmen sich wie Höhlenmenschen. Ob nun Tunnelratte oder Höhlenmensch: Am Wochenende wird auf dem Clubgelände in Schönenberg-Kübelberg gefeiert. Drei Tage lang. Die Cavemen werden 50 Jahre alt.

Einer der ältesten deutschen Motorradclubs wird 50 – zudem einer, der immer wieder durch karitative Aktionen auf sich aufmerksam macht. Warum also nicht vorab Kontakt mit den Rockern aufnehmen, hingehen nach „Cavemen Town“ in der Bahnhofstraße und miteinander reden? Selbst wenn Rocker allgemein nicht immer das beste Image genießen. Es wurde ein ungewöhnlicher Termin. Die Begrüßung ist gleichermaßen herzlich wie kumpelhaft, auch wenn der Autor mit dem Auto statt dem Zweirad ankommt. „Was müsste ich denn fahren, um bei euch mitmachen zu dürfen“, werde ich später fragen. Antwort: ein Motorrad mit mindestens 500 Kubikzentimeter Hubraum, Marke egal, und keinesfalls ein Roller. Den Scherz, ob denn ein starkes E-Bike auch genüge, nimmt die Runde mit Gelächter auf. Und was muss ich tun, um Member, also Mitglied, zu werden? Nun: zuerst Hang-around werden, eine Art Lehrling, der seine charakterliche Eignung ebenso unter Beweis stellen muss wie seine Bereitschaft, sich voll einzubringen. Dazu gehört beispielsweise, bei mindestens 52 Meetings – jeden Freitag findet eines statt – anwesend gewesen zu sein. Dann, erst dann, wird der Aspirant zum „Prospect“, zum offiziellen Anwärter. Kutte darf er zwar tragen, aber noch ohne Logo der Cavemen. Bewährt er sich auch in dieser Zeit, dann befindet die Mitgliederversammlung, ob er vollwertiges Mitglied wird oder nicht. Das kann ein paar Monate dauern. Aber auch ein bis zwei Jahre. Wer Member ist, der darf im Clubheim auch ins Obergeschoss. In den Versammlungsraum mit fast 150 Quadratmetern Fläche. „Das ist schon eine Ehre, dass ein Fremder mal hier rein darf“, wird mir freundlich bedeutet. So ähnlich muss es an König Artus’ Tafelrunde ausgesehen haben: vorne sitzt die Führung, direkt unter dem riesigen Cavemen-Logo und einer Flagge der Konföderierten. Im eckigen Rund sitzen mehr als 30 Member, bereit zur Versammlung, die an diesem Abend später beginnt; bereit auch für den Journalisten, der mehr über die Cavemen erfahren möchte. Ein Pressegespräch gleichzeitig mit fast 40 Leuten – eine ganz neue Erfahrung. Zumal mir nur Vornamen genannt werden. Oder Spitznamen. Da ist beispielsweise „If“, der Vizepräsident. Da sind Dietmar und Willy, die „Road Captains“, die für die Ausfahrten verantwortlich sind. Oder Frank und Jörg, die Vorstandssekretäre. Mehr Infos gibt es nicht. Die Cavemen, so schreibt Günther Brecht in seinem Buch „Die Geschichte der Cavemen“, behalten das meiste für sich. Bilder von der Taufe neuer Mitglieder beispielsweise gibt es nicht. Auch die Frage nach Mitgliederzahl und Höhe des Beitrags bleibt unbeantwortet. Immerhin die Info: Der jüngste Cavemen ist 23 Jahre alt, der älteste 72 Es folgt eine gute Stunde Plauderei. Unter anderem über das karitative Wirken der harten Männer: Seit Jahrzehnten läuft die Aktion „Toys for Tots“, Spielzeug für Kleinkinder. Die Rocker sammeln auch bei befreundeten Vereinen Spielzeug und spenden es an Einrichtungen. Von den Einnahmen beim eigenen Fest fließt alljährlich ein vierstelliger Betrag in karitative Zwecke – zuletzt an die Kinderklinik in Homburg. Und: Wenn ein Kindergarten, mit dem die Cavemen verbunden sind, Hilfe braucht, stehen die Rocker auch mal samstags dort, roden ein Gelände oder helfen beim Aufbau. Einst gab es sogar die Blood-Rally – zum Blutspenden. Apropos Arbeitseinsätze. 1980 zogen die Cavemen nach Schönenberg-Kübelberg, kauften das 2000 Quadratmeter große Gelände neun Jahre später. In Eigenarbeit („Wir haben fast alles allein gemacht“) haben sie das marode Gebäude, das einst unter anderem als Lagerhalle am Bahnhof diente, umgebaut zu einem schmucken Clubhaus. Stehen geblieben vom Original ist fast gar nichts, wie Bilder im Eingangsbereich zeigen. Im Erdgeschoss ist ein großer Clubraum mit Bar und Tischfußball, aber auch Sesseln; wer dort sein Bierchen trinken will, muss nicht bei den Cavemen sein – jeder ist willkommen. Im Obergeschoss befindet sich der Versammlungsraum. Die Treppe zum Untergeschoss ist provisorisch, zeigt, dass auch nach fast 30 Jahren Umbaus immer noch arbeit bleibt. „Wir haben hier immer etwas zu tun.“ Im Versammlungsraum reden wir derweil zu vierzigst über Werte. Die mit Abstand umfangreichste Pressekonferenz meiner bisherigen Laufbahn. Wir reden darüber, dass die Cavemen die Familie und die Gemeinschaft wertschätzen. Dass sie die Tradition der Original US-Rocker hochhalten. Dass die ganz wilden Zeiten seit Anfang der 80er vorbei sind. Dass sie Dutzende von Touren im Jahr machen – meist zu Festen befreundeter Clubs. Dass sie sich nicht in einen Topf mit Rockern werfen lassen wollen, die immer mal wieder bundesweit für negative Schlagzeilen sorgen. „Jeder von uns hier hat einen Job, jeder von uns hier ist Steuerzahler“, betonen gleich mehrere. Dass sie zu den drei Großen der deutschen Rockerszene – Hell’s Angels, Bandidos und Gremium – gleichermaßen freundschaftliche Beziehungen unterhalten. Dass sie, auch wenn nicht davon betroffen, das Kuttenverbot für manche Rockerclubs nicht gutheißen. Am Ende geht’s um die Geburtstagsparty ab Freitag, 16 Uhr. Wie viele Leute kommen, um bis Sonntagnachtmittag vier Rockbands zu lauschen (darunter „Impact“) und eine Stripshow am Samstagabend zu erleben – dazu will keiner etwas sagen. Eine gute vierstellige Zahl dürfte es allerdings werden, darunter jede Menge frühere Cavemen aus den USA. „Wir haben die Hotels in der ganzen Umgebung dafür ausgebucht.“

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