Rheinpfalz TU-Präsident Helmut Schmidt will Esa-Wohnheim in Kaiserslautern retten
In die Diskussion um die Zukunft des alternativen Studentenwohnheims Esa auf dem Campus der Universität kommt Bewegung. Vor ein paar Wochen wurde das Gebäude, das vom Abriss bedroht ist, unter Denkmalschutz gestellt. Jetzt plädiert TU-Präsident Helmut Schmidt dafür, die Kündigung der Mietverträge auszusetzen.
„Eigentlich sollte das Esa abgerissen werden. Das geht jetzt wegen des verfügten Denkmalschutzes nicht mehr. Und das ist vielleicht auch gut so“, schreibt Schmidt an Wissenschaftsminister Konrad Wolf. Er kündigt in dem Brief an, dass er für die TU mit Hilfe der TU-Stiftung ausloten will, ob sich das besondere Wohnheim nicht mit Blick auf das 50. Uni-Jubiläum im kommenden Jahr als Leuchtturmprojekt präsentieren ließe, unter dem Titel „Esa 2.0“. Doch dazu sollte das Esa bewohnt bleiben. Schmidt bittet deshalb den Minister, dem Vorhaben eine Sondierungschance zu geben und die Kündigungen an die Studenten erst einmal auszusetzen.
Zur RHEINPFALZ sagte der TU-Präsident: „Für eine Prüfung, was im Esa möglich ist, brauchen wir Zeit. Da sollte nichts überstürzt werden.“ Er könne sich definitiv vorstellen, dass ein renoviertes Esa ein vorzeigbarer Baustein der Universitätsgeschichte sein könnte.
Roswitha Kaiser, Leiterin der Direktion Landesdenkmalpflege der Generaldirektion Kulturelles Erbe, findet den Vorstoß gut. Aus ihrer Sicht ist es geradezu unumgänglich, dass die Studenten im Esa wohnen bleiben, obwohl ihnen das Studierendenwerk bereits zum 30. September gekündigt hat. „Ein leeres Haus wäre kontraproduktiv“, sagt sie. Das Esa lasse sich als Kulturdenkmal nur mit den Bewohnern weiterdenken. Baudenkmäler seien immer auf eine sinnvolle Nutzung gepolt. „Das Haus jetzt zu räumen, ergibt überhaupt keinen Sinn, zudem gibt es eine Nutzungsverpflichtung, wenn ein Objekt unter Denkmalschutz steht“, erklärt sie. Die Landesdenkmalpflegerin führt aus, das alternative Wohnheim passe aus ihrer Sicht hervorragend zur aktuellen Diskussion der Jugend über die Frage, wie es mit der Erde weitergehen soll. „Es eignet sich bestens dazu, Ideen zu entwickeln, wie sich eine energieautarke Architektur gestalten lässt“, findet sie. Leerstand würde sie auch deshalb besonders schlecht finden, weil er das Objekt an sich gefährden könnte. „Ein Leerstand würde uns sehr große Sorgen bereiten, gerade weil das Esa am Waldrand liegt.“
Bundesweit einmalig
Wenn die Landesdenkmalpflegerin über das Esa redet, gerät sie fast ins Schwärmen. Für sie ist es ein wichtiges Zeugnis der Architekturgeschichte, wenn es um experimentelles Bauen innerhalb der Hochschulen geht. In Rheinland-Pfalz gebe es nichts Vergleichbares. Einmalig, wahrscheinlich sogar bundesweit, sei am Esa, dass gerade durch die Art zu Bauen das soziale Miteinander gefördert wurde.
Das Wohnheim war Anfang der 1980er Jahre von Studenten für Studenten gebaut worden. Heute leben dort noch 20 junge Leute in einer Wohngemeinschaft, sie bewirtschaften kleine Gärten, halten Hühner und helfen mit, das Haus in Schuss zu halten. Das hat für Kaiser auch einen sozialgeschichtlichen Aspekt. Gebaut wurde das Esa seinerzeit als energieeffizientes Wohnheim nach dem Prinzip eines wärmespeichernden Massivhauses im Glashaus. An dem Projekt in Terrassenbauweise arbeiteten 100 Studenten und 20 wissenschaftliche Mitarbeiter mit. Alle Wohnräume und alle Gärten liegen unter einem Foliendach. Für die damalige Zeit war es ein ökologisches Vorzeigeobjekt, auch weil mit Glas, Lehm und Ziegel gearbeitet wurde.