Rheinpfalz Trotz 35 000 Besuchern bleibt Teufelstisch Zuschussbetrieb
In der Einwohnerversammlung in Hinterweidenthal am Donnerstag holten sich rund 35 Zuhörer im Dorfgemeinschaftshaus Informationen aus erster Hand, beispielsweise über den aktuellen Sachstand zum Bau des Tiefbehälters mit Aufbereitungsanlage.
Nach Angaben des stellvertretenden Werkleiters Helge Schneider belaufen sich die Kosten hierfür auf rund 2,4 Millionen Euro, die durch die wiederkehrenden Beiträge der Bürger der Verbandsgemeinde finanziert werden. Es entstehen zwei Edelstahlbehälter, die jeweils 300 Kubikliter Wasser fassen, dazu eine Wasseraufbereitung, Elektrotechnik mit einer Photovoltaikanlage. Rund 700 Meter Wasserleitungen, 150 Meter Abwasserleitungen und schließlich 600 Meter Stromkabel werden verlegt. Auf eine entsprechende Frage stellte Schneider fest, die Beiträge seien bis 2018 stabil. Verbandsbürgermeister Werner Kölsch ergänzte aber: „Ab 2018 werden die Investitionen in die neue Anlage Auswirkungen auf die Beiträge haben.“ Wie hoch die Gebühren steigen werden, dazu könne er noch keine Auskunft geben, weil es „reine Spekulation“ sei. In den nächsten vier bis fünf Jahren soll auch eine umfassende Kanalisierung erfolgen. „Es ist ein Muss, man sieht nichts, und dafür kostet es viel“, brachte Schneider die Eckdaten auf den Punkt. Vom 16 Kilometer langen Kanalnetz seien nur fünf Kilometer Strecke ohne Schäden, der Rest sei mehr oder weniger schadhaft. Rund 3,6 Kilometer könnten im geschlossenen Verfahren, dem sogenannten Inlinerverfahren, saniert werden, rund 5,3 Kilometer würden mit Schlauchlinerverfahren erneuert, bei dem laienhaft ausgedrückt ein aus Kunstharz bestehender neuer Kanal in den alten, schadhaften Kanal eingezogen wird. Von den Gesamtkosten von etwa 3,2 Millionen Euro entfallen rund 2,3 Millionen auf das Schlauchlinerverfahren. Auf Nachfrage von Bürgern erklärte Kölsch, dass Rettungswege freigehalten werden müssten. Die Kanalsanierung „In den Birken“ bereite die größten verkehrstechnischen Probleme, das machte auch Ortsbürgermeisterin Barbara Schenk klar. Deren Ausbau beginne nicht vor 2018. „Wir brauchen für die Planung ein gutes Ingenieurbüro, im Moment wissen wir noch zu wenig“, so Schenk. Die Kosten sind mit etwa 1,8 Millionen Euro veranschlagt, abzüglich etwaiger Zuwendungen. Geplant sei, in drei Abschnitten auszubauen, beginnend vom Anschluss zum Neubaugebiet bis zur Steinhalderstraße, dann bis zu „Adolf Schenk“ und schließlich im dritten Abschnitt bis zum Bahnübergang. Die Bauzeit betrage bis zu drei Jahre. Die Kosten sind über die wiederkehrenden Beiträge für Verkehrsanlagen abgedeckt. Sukzessive werden die alten Straßenlaternen im Laufe des Jahres gegen neue stromsparende LED-Beleuchtung ausgetauscht. Nachdem sich Beschwerden von Anwohnern der Hauptstraße häufen, die über starke Lärmbelastung klagen, bedingt durch ein hohes Verkehrsaufkommen und vor allem durch Raserei, erläuterte Schenk die vom Rat gefassten Gegenmaßnahmen: Nach einem Ortstermin mit dem Landesbetrieb Mobilität im März sei am 11. April der Antrag gestellt worden, durchgängig die Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer zu reduzieren. Bis in den Herbst laufen Verkehrs- und Lärmmessungen. Danach erfolgt seitens des LBM eine Entscheidung. Ob die Anregung eines Anwohners, eine stationäre Geschwindigkeitsüberwachung zu installieren, ebenfalls umgesetzt wird, hänge auch von Wirtschaftlichkeitsüberlegungen ab. Das Thema Schulschließung war schnell vom Tisch: Bei einer etwaigen Schulschließung müsse die Gemeinde für die Schulkinder aus Hinterweidenthal, die dann andernorts in die Schule gingen, rund 55.000 Euro jährlich zahlen. „Wir behalten unsere Schule, damit unser Kinder im Ort in die Schule gehen können“, waren sich Bürgermeisterin und Verbandsbürgermeister einig. Die Nachmittagsbetreuung, auch in den Herbst- und Sommerferien, nannte Kölsch vorbildlich. Derzeit besuchen 15 Schüler die erste, acht Schüler die zweite, zwölf die dritte und sechs Schüler die vierte Klasse. Im neuen Schuljahr kommen 13 Erstklässler in die Schule. Die Kita ist mit 48 Kindern so gut wie ausgelastet. Neben den zwölf U3-Plätzen und den 24 Ganztagsplätzen werde die Betriebserlaubnis für die Ganztagsplätze auf 34 ausgeweitet. Dafür wird eine halbe Stelle im Erzieherteam neu ausgewiesen. Der Erlebnispark Teufelstisch fahre jährlich ein Defizit von um die 20.000 Euro ein und das, obwohl bis zu 35.000 Besucher jährlich kommen. Allein an Fronleichnam seien 800 Besucher gezählt worden. Wünschenswert sei eine Beteiligung der Verbandsgemeinde und des Kreises am Defizit. Kölsch informierte, dass derzeit 130 Flüchtlinge, vorwiegend in Hauenstein, der Verbandsgemeinde zugewiesen seien. Die Integration, vor allem der Sprachunterricht, gelinge gut. Das sei dem ehrenamtlichen Engagement vieler Bürger zu verdanken, ohne die diese Aufgabe nicht zu stemmen sei. Auch das schnelle Internet war ein Thema: Wie mehrfach berichtet, soll bis 2018 im gesamten Landkreis eine Übertragungsrate von 50 Megabit erreicht werden, mittelfristig sollen es 100 Megabit sein. Die Pro-Kopf-Verschuldung in der Verbandsgemeinde betrage 742 Euro. (elim)