Rheinpfalz Treffen der Generationen

Basteln, backen, reden, lachen – Hauptsache gemeinsam. Der Besuch der Lauterecker Fachoberschüler in der Seniorenresidenz kam be
Basteln, backen, reden, lachen – Hauptsache gemeinsam. Der Besuch der Lauterecker Fachoberschüler in der Seniorenresidenz kam bei Senioren und Schülern gleichermaßen gut an.

Junge Menschen für Pflegeberufe gewinnen - dies ist ein Ziel der Initiative „Care for Future“ der Contec-Unternehmensberatung. Mit von der Partie sind das Altenheim Pro Seniore in Lauterecken sowie die Fachoberschule Lauterecken. Beim Besuch in der Seniorenresidenz am Freitag konnten rund 25 Elftklässler direkte Erfahrungen mit dem Altenpflegeberuf sammeln – und boten den alten Leutchen zugleich allerhand Abwechslung.

Nach einem musikalischen Einstieg mit „O Tannenbaum“ teilte sich die elfte Klasse der Fachoberschule in eine Bastel- und eine Backgruppe auf. „Wir sind richtig produktiv, und Spaß macht es auch“, kommentiert Elfriede Hessentaler, die gerade aus Frankfurt zu Besuch im Altenheim ist. Zusammen mit der 92-Jährigen verziert Jonas Paulus aus Meisenheim Orangen mit Nelken und Wollfäden. Der 17-jährige Schüler ist einer der wenigen Jungen in der Klasse. Wohin seine berufliche Reise genau gehen wird, ist noch unklar. „Aber ein sozialer Beruf soll es schon sein“, erzählt er. Auch Leonhard Hammann hat eine Orange dekoriert. Ihm zur Seite steht heute die 18-jährige Regina aus Wolfstein. „Ich möchte Altenpflegerin werden“, ist sie sich bereits sicher. „Ich mag ältere Menschen, und was sie erzählen. Ich interessiere mich auch sehr für Pflege“, fügt die Schülerin hinzu. Einige Schüler hatten zuvor jedoch ein anderes Bild der Altenpflege. „Man muss viel über Gesundheit wissen“, hat die 17-jährige Leah Beisiegel aus Otterbach gelernt. Für sie ist allerdings schon klar, dass sie nicht in die Altenpflege möchte. Genauso wie Alissa Tutas (16), ebenfalls aus Otterbach. Sie erwägt eine Ausbildung zur Hebamme. Auch wenn nur einer aus der Klasse in diesen Beruf strebt: „Das wäre klasse!“, sagt der Pressesprecher von Pro Seniore, Peter Müller. „Es ist ganz klar, dass es nicht jeder wird. Das kann ja auch nicht jeder“, meint Müller und fügt voller Respekt hinzu: „Jeder ist ein echter Schatz.“ Wenn eine ganze Schulklasse im Altenheim zu Besuch ist, kommt richtig Lebens ins Haus. „Man müsste das öfter machen“, sagt Pflegedienstleiterin Melanie Bischoff. Auch den Bewohnern gefällt die Aktion: „Es ist überhaupt sehr gut, mit jungen Menschen umzugehen“, findet eine Seniorin. Sie freue sich immer, junge Leute zu sehen – „vor allem, wenn sie so nett und so lieb sind!“ Die 92-Jährige malt Nudeln in unterschiedlichen Formen in Gold und Silber an. „Nudeln sind mein Leibericht“, verrät sie am Rande. Bei der Herstellung der Nudel-Engel hilft auch Sophie Schneider aus Rammelsbach. „Die Leute hier sind froh, wenn selbst etwas tun können und freuen sich über den Kontakt“, bemerkt die Schülerin. „Das Projekt passt besonders in die Weihnachtszeit“, lobt Christina Bageritz, Vorsitzende des Heimbeirats. Sie bastelt zusammen mit anderen Bewohnern Wohnungsdekorationen aus getrockneten Früchten und Holzstückchen. Mechthild Emmesberger, Koordinatorin der Fachoberschule an der Realschule Plus Lauterecken-Wolfstein, lobt die Selbstständigkeit ihrer Schüler im Umgang mit den Senioren. Das Projekt begann Anfang September und läuft noch bis Ende des Schuljahres. Auf dem Stundenplan sehen Unterrichts- und Praktika-Einheiten. Dabei werden unter anderem Infos zur Gesundheitsberufen sowie Grundlagen in Gesundheit und Pflege vermittelt. Die Lauterecker Schüler arbeiten mit einer Klasse der Nikolaus-von-Weis-Schule (Landstuhl) zusammen. Die Initiative der Kooperation geht auf den Lauterecker Pro Seniore-Leiter Joachim Becker zurück. Aktuell kümmern sich um die rund 160 Bewohner etwa 70 Mitarbeiter aus dem Pflegebereich. In der Branche werden motivierte Nachwuchskräfte händeringend gesucht. Hier will „Care for Future“ ansetzen. Laut Müller unterhält Pro Seniore zwei Altenpflegeschulen - im Saarland sowie im Schwarzwald. Fachkräfte seien dringend gesucht, weiß auch er und fügt hinzu: „Altenpflege ist mehr als Waschen, Legen, ins Bettbringen.“ Auch Kontakt zu jungen Leuten sei wichtig, denn nicht jeder erhalte Besuch von Enkeln. Den Schülern bescheinigt er höchstes Lob: „Es ist schön, mit wie viel Empathie sie mitmachen. Sie sind sehr motiviert und aufmerksam.“ Zwei Etagen tiefer, wo es verführerisch nach Weihnachtsplätzen duftet, kommt das Lob ausnahmsweise von der anderen Seite. Denn Flöckchen und Pfeffernüsse haben die Seniorinnen alle selbst gemacht, berichten die Praktikantinnen. Nach getaner Arbeit schauen sich die Bewohnerinnen ihr Tagwerk zufrieden an: „Ach, was hab ich schon Plätzchen gebacken …“, kommt eine Frau ins Erzählen.

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