Rheinpfalz „Todesängste“ und neue Hoffnung

Michael Böhm, Direktor der Uniklinik für Innere Medizin III, Herzpatient Harald Ettinger und Hans-Joachim Schäfers, der Direktor
Michael Böhm, Direktor der Uniklinik für Innere Medizin III, Herzpatient Harald Ettinger und Hans-Joachim Schäfers, der Direktor der Uniklinik für Thorax- und Herz-Gefäßchirurgie (von links).

Als eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland besitzt das Homburger Uniklinikum seit Dezember 2016 das Zertifikat als anerkanntes Schwerpunkt-Zentrum für Herzschwäche („Heart Failure Unit, HFU“). Nun haben Homburger Uni-Chirurgen Anfang Juli erstmals bei zwei Patienten das neue Kunstherz-System LVAD eingesetzt. Ohne dieses wären die beiden Männer, die an Herzschwäche im Endstadium litten, heute nicht mehr am Leben.

Nach den Worten von Hans-Joachim Schäfers, Direktor der Homburger Uniklinik für Thorax- und Herz-Gefäßchirurgie, soll diese neue Technik künftig bei jährlich zehn bis 15 saarländischen Patienten zum Einsatz kommen. „Hinzu kommen die Menschen, die traditionell den Weg aus der nahen Pfalz zu uns finden“, skizzierte Schäfers gestern das Einzugsgebiet des neuen Herzschwäche-Zentrums auf einen Radius von etwa 80 Kilometern um die Karlsbergstadt. „Vor 22 Jahren haben wir hier zum ersten Mal eine Herztransplantation durchgeführt“, sagte Schäfers. Allerdings sei die Zahl der Kranken, die auf ein neues Herz warten, viel höher als die Anzahl der verfügbaren Spenderherzen. So seien voriges Jahr deutschlandweit weniger als 300 Herzen verpflanzt worden, während etwa 750 Kranke auf ein neues Organ warteten. „Zum Glück ist die Technik inzwischen so ausgereift, dass wir diese Lücke bei Schwerstkranken heute mit Kunstherzen schließen können“, macht der Direktor Betroffenen Mut. „Wenn von Kunstherz die Rede ist“, erklärte Schäfers, „meinen die Leute meist, dass das Herz des Patienten entfernt und ein komplett neues aus Kunststoff eingesetzt wird. Das gibt es zwar auch – aber das Sterblichkeitsrisiko ist dabei hoch. Bei dem Kunstherz, das wir im Juli in Homburg erstmals eingesetzt haben, handelt es sich hingegen um eine handtellergroße Pumpe, die wir in den Brustkorb implantieren. Über die Herzspitze und die Hauptschlagader (Aorta) wird sie ans Herz-Kreislaufsystem des Patienten angeschlossen.“ Dieser behalte also sein Herz – die neue Pumpe befördere das Blut aus der linken Herzkammer in die Aorta und stabilisiere den Kreislauf des Erkrankten. Mediziner bezeichnen die Kunstherz-Pumpe als Linksherz-Unterstützungssystem – auf Englisch „Left Ventricular Assist Device (LVAD)“. Dass diese Technik an der linken Herzkammer ansetzt, habe seinen Grund: „Die linke Kammer muss fünf- bis achtmal so viel Arbeit leisten wie die rechte. Sie ist die entscheidende.“ Der 74-jährige Harald Ettinger aus Marpingen-Urexweiler macht sich keine Illusionen: „Ohne diese OP wäre ich heute nicht mehr hier.“ Der Rentner berichtet von „Todesängsten“ und „fürchterlicher Luftnot“, die er als Herzpatient im Endstadium hatte; ans Treppensteigen sei schon lange nicht mehr zu denken gewesen: „Ich hatte schon fünf Stents, 2016 wurden mir Bypässe eingesetzt. Das hat aber alles nicht gereicht.“ Jetzt fasse er neuen Mut – sechs Wochen nach der Kunstherz-OP vom 3. Juli dürfe er Mitte August die Heimfahrt antreten. Hans-Joachim Schäfers beziffert die Behandlungskosten auf bis zu 150.000 Euro: „Trotzdem kann man damit auf lange Sicht Geld einsparen. Denn die Patienten brauchen jetzt bei Weitem nicht mehr so häufig und so lange im Krankenhaus zu liegen, wie dies bisher der Fall war.“ Gleichwohl sei die neue Technik nicht für jeden Herzkranken geeignet, schränkt Schäfers ein: „LVAD ist nicht sinnvoll, wenn der Patient an Versagen beider Herzkammern, an komplexen angeborenen Herzfehlern, an schweren Störungen von Leber, Niere und Lunge oder an Krebs, Demenz oder schwerer Fettleibigkeit leidet.“

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