Rheinpfalz Tisch auf Polizisten geworfen
«Mannheim.» Der SV Waldhof steht gerade vor der langersehnten Meisterschaft in der Regionalliga, die Planungen der Aufstiegsfeierlichkeiten laufen bereits. Gestern hat es vor dem Mannheimer Amtsgericht aber noch eine Rückschau auf den 27. Mai 2018 gegeben, als der SVW zum dritten Mal in den Aufstiegsplayoffs scheiterte und es danach zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Anhängern der Blau-Schwarzen kam.
Wegen eines besonders schweren Falls von Landfriedensbruch und schwerer Körperverletzung hat das Gericht einen Fan aus Ludwigshafen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. „Ich glaube ihnen, dass es ihnen aufrichtig leid tut“, sagte die Richterin zu dem Angeklagten, nachdem das Urteil gesprochen war. Eine mildere Strafe gegen den Familienvater war aus Sicht des Gerichts aber nicht vertretbar, weil die Tat schwer war und die Folgen weit dramatischer hätten sein können. Nach dem verlorenen Aufstiegsspiel gegen den KFC Uerdingen hatte sich der 45-Jährige in der Theodor-Heuss-Anlage beim Soccercenter aufgehalten. Er sei enttäuscht und traurig wegen des verpassten Aufstiegs der Blau-Schwarzen gewesen, erklärte er vor Gericht. Deshalb habe er mit Freunden darauf gewartet, weiter in Richtung des parallel stattfindenden Mannheimer Stadtfestes zu gehen. Über den Tag verteilt hatte er bereits erhebliche Mengen Alkohol konsumiert, ehe die Stimmung vor dem Soccercenter aggressiver wurde und es zu Festnahmen durch die Polizei kam. Die Beamten wurden von Fußballfans dabei behindert und drängten die Menschenmenge in Richtung des Soccercenters zurück. Auf der Treppe des Eingangs stand der Angeklagte und warf die Platte eines Stehtischs mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern in Richtung der Beamten. Zwei Polizisten wurden am Kopf getroffen, ein weiterer in Höhe der Kniescheibe. „Das war eine absolute Kurzschlussreaktion“, sagte der Angeklagte. Er wirkte glaubhaft reuig und unterstrich das unter anderem damit, dass er sich nach dem Vorfall in psychologische Behandlung begab. Erst viel später am Tattag sei ihm bewusst geworden, dass er einen Tisch in Richtung der Polizei geworfen habe, davor habe er sich „wie in Trance“ befunden. „Sie sollten dankbar sein, dass nichts Schlimmeres passiert ist“, sagte die Richterin. Nur den Helmen der Beamten und der Schutzkleidung sei es zu verdanken, dass die Verletzungen nicht schwerer waren. Beim Polizeimeister, der die Tischplatte an den Kopf bekam, wurde eine schwere Gehirnerschütterung diagnostiziert. An ihn muss der Angeklagte zudem 3250 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der Angeklagte war bis dahin noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten, was bei der Findung des Strafmaßes berücksichtigt wurde. Nach Informationen dieser Zeitung gilt er in Fankreisen nicht als gewaltbereit und war bis zu dem Vorfall im vergangenen Mai bei Auseinandersetzungen im Umfeld des Fußballs nicht auffällig geworden. Der verheiratete Familienvater, der einen siebenjährigen Sohn hat, kämpfte bei seiner Erklärung zu den Vorkommnissen immer wieder mit den Tränen, auch seine Frau und seine Mutter litten im Gerichtssaal mit. Die Verhandlung musste wegen des großen Interesses kurzfristig in einen größeren Saal verlegt werden. Neben Vertretern der Polizei waren viele Personen aus dem Umfeld des Angeklagten da. Ob der Fußballfan gegen das Urteil Revision einlegt, ließ seine Verteidigerin offen.