Herxheim
Timo Gross und Frankfurt City Blues Band bei Verein Interkunst
Sich mit der Rolle des Anheizers zu begnügen, das fiel Timo Gross gar nicht ein. Zumal das Trio des Gitarristen mit dem Schlagzeuger Tommy Baldu (Xavier Naidoo, Annett Louisan, Gregor Meyle) aus Jockgrim und dem Mannheimer Bassisten Sebastian Flach (Ringsgwandl, Guildo Horn, Gregor Meyle) hochkarätig besetzt war. Der 57-jährige, der 2012 für seine Platte „Fallen from Grace“ den Preis der Deutschen Schallplattenkritik erhalten hat, lieferte anderthalb Stunden lang ein Konzert ab, das ein Leckerbissen für Freunde des hart rockenden Blues war.
Was Gross als Sänger und Gitarrist drauf hat, das zeigte sich, als er für eine Unplugged-Einlage ganz alleine mit einer Dobro-Gitarre auf der Bühne saß und ohne Mikrofon sang. Mit seinem Trio bediente er alle Klischees, die den Blues ausmachen: lässige Melancholie im „Driftin’ Blues“, die große Euphorie der Liebe mit „I’ll Make Love to you Any Old Time“ und tiefen Seelenkummer mit „Lovesick“. Und wenn Gross Wah-Wah-Effekte einsetzte, rief er Erinnerungen an Jimi Hendrix wach. Höhepunkt war die vom Publikum gefeierte Zugabe, eine Eigenkomposition von Gross mit dem Titel „One of a Kind“.
Vor 30 Jahre schon mal in Herxheim
Mit dieser Nummer, die noch einmal so richtig aufrüttelte, übergab das Trio an die Frankfurt City Blues Band. 1993, also vor fast 30 Jahren, ist diese Gruppe erstmals beim Verein Interkunst in Herxheimer aufgetreten, der sich erst wenige Monate zuvor gegründet hatte. Von damals ist bei den Hessen nur noch Sänger Andreas Scheufler dabei. Der Saxofonist und Harpspieler Achim Farr war zwar schon 1979 dazugestoßen, ist dann aber für ein paar Jahre zu den Rodgau Monotones gewechselt und erst 2005 wieder zurückgekehrt.
Seit 1995 sorgt Bassist Klaus Bussalb für die tiefen Töne, er hatte bis dahin mit Jennifer Rush und Die Bärbel im Rock Musik gemacht. Tilmann Höhn, einst Gitarrist von Allanah Myles, kam 1999 dazu. Sein erstes Konzert mit den Hessen absolvierte an diesem Abend Neuzugang Andreas Neubauer am Schlagzeug, bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Tango Transit und dem Jean Philippe Bordier Quartett.
Vom puristischen Blues verabschiedet
Das Quintett zeigte sich gut gelaunt und vor Spielfreude schäumend. Andreas August tänzelte wie Mick Jagger über das Podium und stand nur selten still. Nur einmal: erstaunlicherweise gerade dann, als er mit „Ruby Tuesday“ ein Stück von eben diesem Mick Jagger zu Gehör brachte. Komplett neu arrangiert, war der Song ein Höhepunkt der Show.
2002 hat sich die Frankfurt City Blues Band mit dem Album „One Two Go-Go“ vom puristischen Blues in Richtung Mainstream verabschiedet. Die Band hat ihr Genre zwar nicht neu erfunden, es aber geschafft, dem herkömmlichen Zwölftaktschema neue Impulse zu geben. Durch den Kurswechsel wird Bob Dylans „Don’t Think Twice, it’s All Right“ zur gefühlvollen Popballade, und mit „Woke up this Morning“ findet sogar Tex-Mex-Tanzmusik Eingang ins Repertoire. Auch sphärische Klänge spielen jetzt eine wichtige Rolle. Dennoch wirkt die gerne gewählte Bezeichnung Psychedelic Blues recht übertrieben.
Bei den meisten Zuhörern scheint der veränderte Sound gut anzukommen. Mit „Danger Zone“ hat die Gruppe sogar einen Beinahe-Hit im Gepäck, der ihr rauschenden Beifall einbrachte. Feierabend machen durften die fünf aber erst nach zwei Zugaben: „I Gotta Eat You“ und „Georgia on my Mind“.