Landau
The Lords im Universum
Die, nach eigenen Angaben, dienstälteste Band der Musikgeschichte – es gibt sie bereits seit 1959 –, hatte ihre große Zeit in den 1960er-Jahren, wo sie in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien sehr populär und oft auf vorderen Hitparadenplätzen zu finden war. In den 1970er-Jahren verblasste ihr Stern allmählich, und die Band versuchte sich mit Auftritten bei Oldie-Konzerten über Wasser zu halten. Als 1999 ihr charismatischer Sänger Uli Günther unter tragischen Umständen starb, bedeutete dies einen schwierigen Wendepunkt für die Lords. Die verbliebenen Mitglieder, Gitarrist Leo Lietz, Bassist Bernd Zamulo, Rhythmusgitarrist Jupp Bauer und Schlagzeuger Charlie Terstappen, machten von nun an alleine weiter.
Das ging auch eine ganze Weile gut. Terstappen verließ die Band 2011 und wurde durch Philippe Seminara ersetzt, der schon vor der Jahrtausendwende ein Jahr lang als Lord im Einsatz war. Im Laufe der Zeit nahmen die Lords öfter Neueinspielungen ihrer alten Chartstürmer auf und spielten überall dort, wo eine Steckdose vorhanden war. 2019 jedoch gab zunächst Bernd Zamulo aus gesundheitlichen Gründen auf, 2024 musste Leo Lietz aufgrund von Hörproblemen die Gitarre an den Nagel hängen.
Mit Gründungsformation kaum mehr was zu tun
Jupp Bauer, seit 1977 an Bord, und Philippe Seminara führten die Lords ab da mit Sänger und Bassist Roger Schüller und Leadgitarrist Norbert Barton in die Jetztzeit. Die Lords, die nun im Universum auf der Bühne standen, sind darum eine Band, die sich zwar The Lords nennt und die großen Hits dieser Lords spielt, mit den vorherigen berühmten Lords oder gar der Gründungsformation fast gar nichts mehr zu tun hat. Jupp Bauer ist inzwischen zwar schon 46 Jahre dabei, gilt aber bei Kennern der Kapelle immer noch irgendwie als „der Neue“. Im Zentrum des Geschehens steht jetzt zweifellos Roger Schüller. Der Bassist und Sänger aus Monheim am Rhein war bis zu seinem Einstieg bei den Lords meist mit Coverbands unterwegs und nur wenigen Insidern bekannt. Schüller gibt in Landau sein Bestes, singt ansprechend und spielt einen gepflegten Bass. Was ihm fehlt, ist allerdings die besondere Ausstrahlung, die Uli Günther einst an den Tag legte und den Lords damit ihren besonderen Touch gab. Schüller erledigt seinen Job am Mikro ordentlich, es fällt ihm aber merklich schwer, Evergreens wie „Have A Drink On Me“, „And At Night“, „Shakin’ All Over“, „Gloryland“ oder „John Brown´s Body“ als seine eigenen auszugeben und ihnen seine persönliche Note zu verleihen. Ebenfalls fehlt ihm eine gewisse Schlagfertigkeit, die einen perfekten Frontmann ausmacht.
Songs neu aufgefrischt
„Greensleeves“, einen weiteren Lords-Klassiker, sagt er folgendermaßen an: „Wir haben diesen Song, ebenso wie unsere anderen, neu aufgefrischt“. Als ihm daraufhin Zuhörer im Saal ein derb-pfälzisches „Schunn widder?“ entgegenschleudert, reagiert er darauf gar nicht. Aber, das sei zu seiner Ehrenrettung gesagt, „Greensleeves“ kommt tatsächlich erstaunlich verjüngt rüber. Das liegt vor allem am Beitrag von Barton und Bauer, die ihre Gitarren hier im Wishbone-Ash-Stil synchron spielen, was dem Stück einen tollen Effekt verleiht. Ansonsten leistet Barton, ebenso wie Schüller bis dato ein recht unbeschriebenes Blatt, solide Arbeit, bleibt dafür aber die meiste Zeit stoisch auf seinem Platz zur Rechten Schüllers kleben. Eine kleine Choreografie, wie sie bei den früheren Lords gerne gezeigt wurde, gibt es heute leider nicht mehr zu sehen.
Viele neuere Titel
Erstaunlich ist aber, dass neben den unverzichtbaren Klassikern doch auffällig viele neuere Titel den Weg auf die Setliste gefunden haben. Unter anderem standen mit „If You Aint Got Love“, „Let’s Ride, Let’s Ride“, „Perfection“ oder „Waste It“ a sieben Titel aus der letzten Studioveröffentlichung „Now More Than Ever!“ von 2015 auf dem Programm, die allerdings den wenigsten im Publikum geläufig waren. Die meisten waren gekommen, um „Poor Boy“ zu hören, und durften sich über den gegen Ende auch herzlich freuen – jetzt sogar nicht mehr wie auf der Platte „she learned me to say“, sondern grammatikalisch richtig, „she taught me to say“ gesungen.