Rheinpfalz »THE FAREWELL«: Eine wahre Lüge

Perfektes Familienglück: Oma Nai Nai (Mitte, Zhao Shuzhen) sorgt mit ihrem Schicksal für Unstimmigkeiten.
Perfektes Familienglück: Oma Nai Nai (Mitte, Zhao Shuzhen) sorgt mit ihrem Schicksal für Unstimmigkeiten.

Im beginnenden Kampf um die begehrten Oscar-Auszeichnungen herrscht in Hollywood gerade Trubelstimmung. Das von der Kritik viel gefeierte Gesellschaftsdrama „Parasite“ aus Südkorea scheint das Rennen bereits für sich entschieden zu haben – doch mit „The Farewell“ taucht kurz vor Weihnachten ein weiterer starker Film mit asiatischem Thema auf der Bildfläche auf, der zur Konkurrenz werden könnte. „Bie gaosu ta“, „Sag es ihr nicht“, lautet der chinesische Titel der berührenden Familien-Dramödie von Lulu Wang (2014, „Posthumous“). Die Geschichte basiert „auf einer wahren Lüge“, und auf einer Episode aus dem Leben der Regisseurin. Wie ihre Protagonistin im Film, Billi (gespielt von Komikerin und Musikerin Awkwafina, 2018 in „Crazy Rich Asians“), ist Lulu Wang in China geboren und aufgewachsen in den USA. Billis Traum ist es, Schriftstellerin zu werden, doch im Moment kämpft sie sich mit Gelegenheitsjobs durch, zur großen Sorge ihrer Oma (Zhao Shuzhen). Nai Nai, wie sie von allen genannt wird, lebt auf der anderen Seite des Pazifiks, telefoniert aber jeden Tag mit ihrer Enkelin. Als Billi erfährt, dass ihre wichtigste Bezugsperson bald an Lungenkrebs sterben wird, reisen Billi und ihre Eltern in die alte Heimat, um sich zu verabschieden. Doch während Mutter (Diana Lin) und Vater (Tzi Ma) die Hochzeitspläne des Cousins (Chen Han) als Vorwand nehmen, fällt es Billi zunehmend schwer, Nai Nai die Diagnose auf Dauer zu verschweigen ... Mit „Searching“ (2018) und der Rom-Com „Crazy Rich Asians“ erlebten asiatische Filme eine Renaissance. Lange hatten es diese schwer in der Traumfabrik. Der Oscar-Anwärter „The Farewell“ zeigt, was Fernost zu bieten hat. Laut Pressekritik wartet das Independent-Werk mit fantastischen chinesischstämmigen Schauspielern auf. Ruhig und dennoch eindringlich widmet sich Lulu Wang darin nicht nur dem unterschiedlichen Umgang mit Trauer, sondern auch den kulturellen Kontrasten zwischen Ost und West. Die Inszenierung der Geschichte komme dank einiger Wendungen schwungvoll daher und verfalle trotz Schwermut und Drama nicht in Melancholie und gar Kitsch. Es bleibt also spannend an Hollywoods Oscar-Front. | Carolin Keller

Zerrissen: Billi (Awkwafina) kämpft mit dem Für und Wider einer großen Lüge.
Zerrissen: Billi (Awkwafina) kämpft mit dem Für und Wider einer großen Lüge.
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