Rülzheim
Terzinfarkt mit Martin Kupper im Centrum für Kunst und Kultur
Hubert Seelinger, der Kulturbeauftragte der Gemeinde Rülzheim, strahlt zufrieden. „Mit Terzinfarkt ist es uns gelungen, einen dicken Fisch an Land zu ziehen.“ Möglich war das, weil einer der Sänger, Martin Kupper, ein waschechter Rülzheimer ist. Obwohl es ihn schon vor 30 Jahren nach München verschlagen hat, ist der Kontakt in die alte Heimat nicht abgerissen. Es war das zweite Gastspiel für Terzinfarkt nach 1997. Die Gruppe ist es eigentlich gewohnt, in größeren Musentempeln aufzutreten. Sie seien der Gemeinde aber finanziell so großzügig entgegengekommen, dass ihre Verpflichtung möglich wurde, sagt Seelinger.
A-cappella-Musiker seien entweder zu geizig, um sich Instrumente zu kaufen, oder so sehr von ihrem Können überzeugt, dass sie meinen, auf diese verzichten zu können, erzählt Seelinger mit einem Augenzwinkern in der Begrüßung. Welcher dieser Kategorien Terzinfarkt zuzurechnen ist, wird schnell klar. Mit seinem Programm „Chromdioxid Super II“ bietet das Quintett fast zwei Stunden lang Unterhaltung vom Feinsten, die – trotz des fehlenden Instrumentariums – an keiner Stelle Langeweile aufkommen lässt.
Moderation sorgt für gute Stimmung
Wasyl Bil, Harald Gabl, Martin Kupper, Thomas Übel und Christian Wolf sind herausragende Sänger und Arrangeure, die selbst Liedern eine ganz spezielle Note verleihen, die man sonst nicht im Programm einer reinen Gesangstruppe vermuten würde. „Highway to Hell“ von AC/DC beispielsweise oder „Sign your Name“ von Terence Trent d’Arby. Dazu sorgt die bayerisch-pfälzische Formation mit jeder Menge humoriger Moderation für gute Stimmung.
Warum die Sangesknaben ihr Programm, das in Rülzheim übrigens seine Premiere feiert, „Chromdioxid Super II“ getauft haben, erklärt der Kopf der Band, Harald Gabl, so: „Wir verstehen das als Hommage an die Zeit, als Musik noch mehr war als Streaming, als man noch mit dem Kassettenrekorder vor dem Radio hockte und seine Lieblingshits aufnahm. Meistens benutzte man dafür eine Chromdioxid-Kassette, noch lieber aber eine Chromdioxid Super II. Wenn man schließlich jemandem eine fertig bespielte Kassette zum Geschenk machte, hat man damit eine sehr wertvolle Sache weitergegeben, denn man musste zuvor ziemlich viel Zeit investieren, um die gewünschten Lieder aufs Band zu bringen“.
Erinnerungen an die „gute alte Zeit“
Nostalgie zieht sich also wie ein roter Faden durch den Abend. Musikalisch mit Stücken wie „Major Tom“ von Peter Schilling und „Mama Loo“ von den Les Humphreys Singers. Aber auch in ihren Ansagen lassen Gabl und seine Mitstreiter die „gute, alte Zeit“ wieder aufleben. Ein Bonmot: „Wir hatten ja nichts damals. Da gab es keine Smoothies, wir mussten unser Obst und Gemüse noch selber kauen.“
Den Leadgesang teilen sich die Terzinfarktler zu gleichen Teilen auf. Gabl überzeugt unter anderem mit Adeles „Rolling in the Deep“, der Ukrainer Wasyl Bil gibt – im Statement-T-Shirt mit der Aufschrift „F – K P – N“ (Fuck Putin) – den John Farnham mit „You’re The Voice“. Christian Wolf begeistert unter anderem mit einer viel umjubelten Version von Bill Withers’ „Ain’t No Sunshine“. Und Thomas Übel übernimmt zu Queens „Crazy Little Thing Called Love“ den Leadgesang. Der Lokalmatador, Martin Kupper, überzeugt unter dem Jubel seiner pfälzischen Fans zum Rubettes-Hit „Sugar Baby Love“ und bei „Major Tom“ von Peter Schilling als Solist.
Ein Höhepunkt des Konzerts wird die Zugabe „I fahr’ mit da Tram“, eine alte ukrainische Weise, versehen mit einem neuen Text von Harald Gabl. Der Münchener beschreibt darin einen Ausflug durch seine geliebte Bayernmetropole.