Heuchelheim-Klingen RHEINPFALZ Plus Artikel Tag der Architektur: Holzmassivhaus von Felix Burkhard

Garage und Saunahaus sind mit dem Haupthaus in einem Guss gestaltet.
Garage und Saunahaus sind mit dem Haupthaus in einem Guss gestaltet.

Felix Burkhard hat nach dem Architekturstudium in Österreich noch zwei Jahre Holzbau studiert. Sein Eigenheim in Klingen ist gewissermaßen sein Meisterstück.

„Es ist mein erster Selbstversuch im Holzmassivbau“, erzählt Felix Burkhard über das Haus in Massivholzbauweise, an dem er nun seit zwei Jahren mit viel Eigenleistung gearbeitet hat. Dabei habe er wichtige Erfahrungen gesammelt, erzählt er im Gespräch. Denn die Feinheiten einer solchen Konstruktion bis hinein in die Gestaltung der Fugen zeigen sich erst in der Praxis. Burkhard hat viele Details bis hin zu versetzten Deckenhöhen geplant, damit am Ende alles einfach aussieht.

 Die Alu-Holz-Fenster sind unbehandelt.
Die Alu-Holz-Fenster sind unbehandelt.

Vor zehn Jahren ist der heute 38-Jährige nach seinem Architekturstudium in Kaiserslautern in das Büro des Vaters eingestiegen und ist damit von Bad Bergzabern nach Landau umgezogen, wo mit ihm nun vier weitere Architekten und ein Werkstudent arbeiten. Weil natürliche Materialien im Trend liegen, wollte er sich noch eine besondere Spezialisierung zulegen: Zwei Jahre hat er deshalb an der Uni in Linz berufsbegleitend Holzbau studiert. Österreich, besonders die Region Vorarlberg, sei da führend.

Massivholzwände werden vorgefertigt

Burkhard glaubt, dass Rheinland-Pfalz das dritte Land mit einer Vorreiterstellung wird, nach Baden-Württemberg und Bayern. Er wolle nicht missionieren, betont der Architekt. Er baut auch konventionelle Häuser. „Doch für die Nachhaltigkeit ist Holz die ehrlichste Variante im Hausbau. Ich gehe davon aus, dass es in Zukunft auch vom Bund stärker gefördert wird.“ Auch Wohnungsbau im größeren Stil hält er für möglich mit der Technik.

Eine Auskragung schützt die großen Fenster auf der Südseite vor direkter Sonne.
Eine Auskragung schützt die großen Fenster auf der Südseite vor direkter Sonne.

Ein Haus aus Massivholz entsteht nicht erst vor Ort. Die vielen Beziehungen, die er während des Studiums in Linz geknüpft habe, könne er nun nutzen. Etwa für die Vorfertigung der Wandelemente, die ein befreundeter Zimmerer übernommen hat. Anders als bei der Holzständer-Bauweise, die mit einer Zwischendämmung funktioniert, sind die Wände seines Hauses massiv. Hergestellt wird der 10 Zentimeter dicke Kern, so erklärt der Bauherr, aus fünf Schichten querverleimter Bretter. Als sie 2019 angeliefert und mit einem Kran an ihren Bestimmungsort gehievt wurden, habe der Rohbau innerhalb von drei Tagen gestanden. Insgesamt sind Burkhards Außenwände 50 Zentimeter dick. Zum Massivkern kommen Zellulosedämmung und eine hinterlüftete Außenhaut. Tanne hat er dafür gewählt und mit Vorvergrauungslasur behandelt. Lärche, so sagt Burkhard, habe mehr Harz und dunkle daher viel stärker nach.

Terrasse thront über dem Bach

Wer beim Stichwort ökologisches Bauen an klobige Blockhäuser denkt, wird sich die Augen reiben angesichts des sachlichen, geradlinigen Stils, der durch das Schwarz von Türen und Wasserarmaturen unterstrichen wird. Die Garage, ein Saunahaus und ein Durchgang mit Sommerküche sind in das Gebäude integriert. Nach hinten öffnet sich die Terrasse wie ein Holzsteg zum Neubach mit Blick auf die Wiesen und Baumreihen eines Naturschutzgebiets. Ein Rasenstück als Garten findet sich vorne auf der Südseite des Hauses. Das Gelände war einmal das große Gartengrundstück des Nachbarhauses, das abgetrennt wurde für den Neubau.

Nach hinten geht der Blick in ein Naturschutzgebiet.
Nach hinten geht der Blick in ein Naturschutzgebiet.

Auf einen Keller hat Burkhard wegen des hohen Grundwasserstands verzichtet. Bis auf die beiden Sichtbetonwände, die als Blickfang, nicht aus statischer Notwendigkeit eingezogen sind, hat er in beiden Wohngeschossen konsequent auf natürliche und „wohngesunde“ Materialien wie Holz und Lehmputz gesetzt. Die Holz-Aluminium-Fenster und die Türlaibungen sind unbehandelt, genauso die Holzverkleidung. Wichtig seien ihm die großen Fensterflächen gewesen, deretwegen er auf höhere Fördergelder verzichtet habe. Neben Raffstores schützt eine Auskragung der Fassade vor zu viel direkter Sonne.

Die Decke besteht aus hellen Heraklithplatten.
Die Decke besteht aus hellen Heraklithplatten.

Ungewöhnlich ist die Deckenverschalung von Wohn- und Esszimmer mit Heraklith-Holzwolleplatten, die normalerweise zur akustischen Isolierung verwendet werden. Ursprünglich entwickelt wurden sie, wie Burkhard sagt, zur Dämmung von Dachschrägen. Sie können praktischerweise einzeln abgeschraubt werden, wenn es Probleme gibt mit den dahinter versteckten Rohren der Lüftungsanlage.

Termin

Zum Tag der Architektur kann das Haus in Heuchelheim-Klingen, Am Münsterweg 10a, am Samstag 14 bis 18 Uhr und am Sonntag 11 bis 18 Uhr besichtigt werden. Ein Überblick über alle Angebote findet sich im Internet unter www.diearchitekten.org.

Die hinterlüftete Fassade ist mit Tanne eingekleidet.
Die hinterlüftete Fassade ist mit Tanne eingekleidet.
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