Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Szabo und Fitzthum kehren zurück zum La.Meko-Filmfestival

Szene aus Kurzfilm „Die Schwingen des Geistes“ von Albert Meisl. Er selbst spielt Herrn Szabo (rechts), Rafael Haider mimt Herrn
Szene aus Kurzfilm »Die Schwingen des Geistes« von Albert Meisl. Er selbst spielt Herrn Szabo (rechts), Rafael Haider mimt Herrn Fitzthum.

„Die Reihe wird bei uns ziemlich gefeiert“, sagt Heike Koch vom Organisationsteam des La.Meko-Kurzfilmfestivals. Und das anscheinend nicht nur in Landau, wie man an den Filmpreisen sieht. Am Sonntag läuft im Universum der letzte Teil von Albert Meisls Trilogie um die Herren Szabo und Fitzthum: „Die Schwingen des Geistes“. Und der ist wieder haarsträubend komisch.

Mit unverkennbar österreichischem Zungenschlag meldet sich Albert Meisl, der mit seinem Handy gerade an der Supermarktkasse steht. Ist das Show für die anderen Kunden um ihn herum? Oder haben die 16 Jahre an der Filmakademie in Wien schon so abgefärbt? Meisl ist 1978 in München geboren, hat dort und in Berlin Germanistik, Filmwissenschaft und Schauspiel studiert, bevor er nach Österreich ging.

Später an einem ruhigeren Ort plaudert Meisl am Telefon über seine Filme und warum er sich als Humorist in Wien besser aufgehoben fühlt als in Deutschland. Er möge die Selbstironie der Menschen und auch den beißenden Witz und Spott, den man mit Wiener Schmäh umschreibt. Außerdem brauche Humor für seinen Geschmack Tiefgang: Eine Komödie müsse man immer auch als Drama erzählen können, sagt Meisl. Die Witze eines Otto Waalkes oder Karl Dall seien ja mehr Kalauer.

An den Schmuddelecken Wiens

Für schräge Typen am Rand der Gesellschaft, wie sie auch die Kultserie „Kottan ermittelt“ bevölkern, scheint die Alpenrepublik ein Faible zu haben. Die Assoziationen zu diesen Trashkrimis der 1970er-Jahre kommen nicht von ungefähr. Denn deren Regisseur Peter Patzak, der im März gestorben ist, war Albert Meisls Professor an der Filmakademie in Wien. „Da ist vielleicht sein Geist in meinen Filmen“, sagt Meisl.

Auch seine Trilogie spielt an Schmuddelecken Wiens wie der heruntergekommenen, zugemüllten Altbauwohnung von Herrn Szabo, den Meisl in der Reihe selbst spielt. Der Langzeitstudent arbeitet zwischen Stapeln aus Papier und Schallplatten seit zehn Jahren erfolglos an seiner Promotion über die österreichische Popularmusikkultur der 1960er Jahre. Die Schlager geben denn auch den Soundtrack der Trilogie ab.

Herr Szabo sucht das Pech

In dieses Chaos wird – wenn auch recht widerstrebend – der jüngere Kollege Fitzthum in klassischer Manier der Screwball-Komödie hineingesogen. Er hat die Stelle als Assistent am Institut für Musikwissenschaft bekommen, aus der Szabo gefeuert wurde. Entsprechend angespannt ist das Verhältnis der beiden. Mal ist ein Notenblatt zu suchen, mal jagen beide einem verlorenen Bühnenkostüm nach. Und immer schlittern sie umso tiefer in die Misere, je mehr sie sich bemühen, ihr zu entkommen.

Herr Szabo scheint das Pech geradezu zu suchen in seiner sorglos-dilettierenden Art, Siphons zu reparieren oder lose Käbelchen an Verstärkern zu löten. Im dritten Teil, der am Sonntag in Landau zu sehen ist, versucht Szabo, sich als Tierbetreuer für vermögende Privatleute finanziell über Wasser zu halten. Doch der seltene Papagei entfleucht, als Fitzthum gerade eine Platte abholen kommt.

Schmales Budget

Mit dem Bummelstudenten Szabo als sein Alter Ego mag sich Regisseur Albert Meisl nicht so ganz anfreunden. Ja, man könne an der Filmakademie lange studieren, räumt er ein. Aber vor allem, wenn man wie er zwischendurch immer wieder lange Strecken arbeitet, Filme dreht, um Praxis zu sammeln, und sich dabei nebenbei den Lebensunterhalt verdient.

Seine Kurzfilm-Trilogie – jeder Teil zwischen 20 und 30 Minuten lang – hat Meisl während des Studiums produziert. „Die Filme sind mit wirklich wenig Geld entstanden“, erzählt er. Die Ausrüstung stellt die Uni, und bei Schnitt, Ton, Licht, Kostüm helfen Kommilitonen. Meisl ist beim dritten Teil mit 2000 Euro ausgekommen. Dadurch sei man als Filmemacher unabhängig und könne auch mal was wagen, ohne auf die Quote zu schielen.

„Kurzfilme macht man für einen Saal voller Menschen“

Seine Erfahrung, die man an der Uni nicht bekommen könne, habe ihm geholfen, Kosten zu vermeiden. Ohne die hätte er vielleicht viel zu viel Aufwand betrieben und beispielsweise für eine Szene in einer Polizeistation versucht, eine echte anzumieten, was teuer und aufwendig sei. So hat er eine Portiersloge in seiner Nachbarschaft umfunktioniert. „Beim professionellen Dreh wird viel behauptet und Realität künstlich erschaffen. Und wenn’s keiner hinterfragt, kann das so stehen bleiben.“

Das Schöne an Kurzfilmen sei die Offenheit und Neugier des Publikums. Bei einem Langfilm prüfe jeder vorher, ob ihm Thema und Genre zusagen. Kurzfilme aber laufen auf Festivals in Blöcken. Und die Zuschauer gehen einfach hin und lassen sich überraschen, was sie zu sehen bekommen. Und weil auch die Titel oft nicht verraten, gebe es am Anfang immer eine Orientierungsphase, in der die Leute erst einmal herauszufinden versuchen, ob da gerade was Lustiges oder Ernstes läuft.

„Ich wäre sehr gerne wieder nach Landau gekommen“, sagt Meisl. Doch er steckt gerade wieder in den Dreharbeiten zu einem Film. Der Abschluss seiner Trilogie sei bislang fast nur auf Online-Festivals gelaufen. Doch auf Festivals im Stil von 2.0 habe Humor kaum eine Chance zu wirken. „Eine Komödie braucht das Publikum und die Reaktionen der anderen um einen herum. Kurzfilme macht man für einen Saal voll Menschen.“

Termin

La.Meko von 31. Oktober bis 5. November im Landauer Universum. Der erste Block startet jeweils 18 Uhr, der zweite 21 Uhr. Preisverleihung, bei der noch einmal die Siegerfilme zu sehen sind, ist am 6. November, 20 Uhr. Eintritt pro Block: 5 Euro (ermäßigt 3 Euro), für die Preisverleihung 10 Euro (ermäßigt 6 Euro), Festivalpässe 30 Euro (ermäßigt 15 Euro). Karten gibt’s an der Universum-Kinokasse, Infos im Netz unter www.filmfestival-landau.de.

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