Rheinpfalz Stress in der Narren-Werkstatt

«Mannheim.» Sechs tolle Tage? Bei Michael Baake ist das ganze Jahr über Fasnacht. Der „Technikminister“ von Mannheims größtem Fasnachtsverein Feuerio bastelt, repariert und baut die Dekorationen für alle Veranstaltungen des Vereins. Vor dem 67. gemeinsamen Fasnachtsumzug der Städte Ludwigshafen und Mannheim, der am 3. März durch die Quadrate führt, ist er aber ganz besonders gefordert. Warum? Für den gesamten Wagenbau ist nur vier Tage Zeit. Wenn die Elferräte und Senatoren Bonbons, Taschentücher oder kleine Geschenke ins närrische Volk an der Zugstrecke werfen, kann Michael Baake durchatmen. „Ich bin zwar ein Fasnachter, aber ich arbeite lieber im Hintergrund“, sagt der 58-Jährige. Während der Kampagne vergeht kein Tag, an dem er nicht im Feuerio-Hauptquartier in einem Käfertaler Industriegebiet vorbeischaut. Hier, in einer Büro- und Gewerbehalle, hat er sich auf rund 500 Quadratmetern sein Reich mit Werkstatt und Lagerräumen geschaffen. „Vor acht Jahren wurde hier für den Ludwigshafener Tatort gedreht“, erzählt Baake. Jeder Quadratzentimeter der Halle wird genutzt. „Da rechts steht die komplette Dekoration für den Weißen Ball. Links der Wasserturm und die Bütt sind für unsere Prunksitzung.“ Auch Räume für die Gardekostüme, inklusive der ertanzten Pokale, oder ein kleines Archiv mit alten Orden und den Kostümen ehemaliger Prinzen finden sich hier. Herzstück ist aber die Werkstatt, in der der Handwerker die meiste Zeit verbringt. Natürlich ganz besonders während der Tage vor dem großen Umzug. Die Vorbereitungen für die Ausstattung des großen Elferratswagens haben schon begonnen. „Das Fahrzeug selbst bekommen wir frühestens am Donnerstag.“ Eine Zweibrücker Spedition stellt es zur Verfügung. Thomas Dörner, einst Stadtprinz und aktueller Präsident der Karnevalskommission, hat den Kontakt zwischen West- und Kurpfalz hergestellt. Bis in den späten Samstagabend vor dem Umzug wird aus dem Sattelschlepper ein kunterbunter Personentransporter, der in den Feuerio-Farben leuchten wird. Ab Montag ist er dann wieder als schmuckloser Warentransporter auf Deutschlands Straßen unterwegs. „Natürlich kennen wir in etwa die Maße des Transporters. Die Breite ist immer gleich, aber Kleinigkeiten müssen wir dann doch wieder jedes Jahr anpassen“, erzählt Baake, während er mit seinem Mitarbeiter gerade an den runden Stehplätzen arbeitet, von denen aus die Elferräte während des Umzugs die Bonbons unters Volk bringen. Große Motivwagen wie beim sehr politischen Karneval in Düsseldorf, Köln oder Mainz sucht man wegen der Kürze der Vorbereitungszeit in Mannheim vergebens. „Die wenigsten Mannheimer Vereine haben einen eigenen Lastwagen. Die meisten bekommen ihren Wagen so kurzfristig wie wir.“ In Köln und Düsseldorf kümmern sich beispielsweise eigene Gesellschaften ein ganzes Jahr lang nur um den Bau der beliebten Motivwagen. „Das sind spezialisierte Profis“, sagt er. Ein Aufwand, der in Mannheim so nicht zu leisten sei. Baake muss schließlich als selbstständiger Handwerker seine Brötchen verdienen. Fasnachts-Profi ist Michael Baake dennoch. Er weiß, worauf es beim Wagen ankommt. „Es ist auch eine Toilette auf dem Wagen“, sagt er und schmunzelt. Auch die wird samstags eingebaut, wenn er mit „bis zu sechs Leuten“ dem Wagen des großen Feuerio den letzten Schliff gibt. Wichtig dabei: Alle Sicherheits-Vorschriften müssen eingehalten werden. „Ja, das werden jedes Jahr mehr. Aber es sind an diesem Tag auch sehr viele Leute unterwegs. Da kann es schon gefährlich werden.“ Bevor er in den karnevalistischen Ruhestand geht, hat Baake noch viel vor: „Bis dahin soll alles fertig sein, was ich mir so vorstelle.“ Und das ist eine Menge. Schließlich kommen ihm die meisten Ideen, wenn er in der Werkstatt steht. „Wenn ich herkomme, habe ich meistens nur eine grobe Vorstellung von dem, was ich machen will.“ Die neue Zierleiste am Feuerio-Wagen soll aber spätestens nächstes Jahr kommen – wenn der Umzug wieder in Ludwigshafen stattfindet. „So eine Leiste muss man nur ab und zu mal neu streichen. Den Flitterkram muss man jedes Jahr neu befestigen und anschließend wieder entfernen.“ Diese Gedanken gehen Michael Baake so durch den Kopf, während alle anderen sich auf einen kunterbunten Fasnachtsumzug durch die Mannheimer Quadrate freuen.