Rheinpfalz Stetes Leitmotiv: Kirche von unten stark machen
Nach 33 Jahren geht Ruprecht Beuter von der Regionalstelle Nordpfalz der Evangelischen Arbeitsstelle für Bildung und Gesellschaft in den Ruhestand. Der 30. April wird sein letzter Arbeitstag sein: „Am Tag der Arbeit arbeite ich nicht mehr“, illustriert der 65-Jährige. Weil die Regionalstelle in Rockenhausen aufgelöst wird, sind Bildungsangebote künftig nur noch auf Dekanatsebene möglich.
Wie viele Veranstaltungen Beuter in all den Jahren angeboten hat und wie viele Personen teilnahmen, kann der Referent für Erwachsenenbildung aus dem Stegreif nicht sagen. Von Ebernburg bis Trippstadt und von Lauterecken bis Albisheim war er für ehemals sechs Kirchenbezirke zuständig. Nach Dekanatsfusionen betreute Beuter zuletzt noch die Kirchenbezirke An Alsenz und Lauter sowie Donnersberg. Ob eine Wanderung zu den Riesen-Windrädern bei Gerbach oder auf den Spuren deutscher Kolonisierung in Namibia: „Jedes Mal waren es völlig andere Teilnehmer“, schildert Beuter. Die meisten seien zwischen Ende 20 und Mitte 70 gewesen, bei Fahrten waren die Gruppen meist auf 20 Personen begrenzt. Bei der Begleitung von Gemeinden in unterschiedlichsten Bereichen der Erwachsenenbildung setzte Beuter eigene Akzente. Zu seinen Schwerpunkten gehörten unter anderem die Fortbildung von Ehrenamtlichen wie etwa Presbyter, Bildungsarbeit in den Kirchengemeinden und die Aufarbeitung der Nazi-Zeit. Besonders wichtig war ihm die Gedenkstättenarbeit, er engagiert sich etwa für Stolpersteine und ist Mitglied im Förderverein der ehemaligen Synagoge Odenbach. Ebenfalls am Herzen liegen ihm der Arbeitskreis „Aktiv gegen Rechts“ sowie Flüchtlingsarbeit: „Wir dürfen Konflikte der Gegenwart nicht losgelöst von unserer Verantwortung aus der Geschichte sehen“, sagt Beuter. Weitere Arbeitsfelder des Pädagogen waren Diakonie, Alphabetisierung und die Eine-Welt-Thematik. Zur Partnerkirche der pfälzischen Landeskirche in der indonesischen Provinz Papua bestehen intensive Kontakte. „Wir haben einen Arbeitskreis aufgebaut und darin einiges bewegen können“, so Beuter. Dreimal besuchte er das Land im Pazifik, in dem die Lage der Menschenrechte als äußerst kritisch eingestuft wird. „Die Begegnung mit den Leuten, ehrliche Begegnungen auf Augenhöhe, das war das Glückserlebnis meines Berufes“, bilanziert der 65-Jährige. Doch es gab auch „Flops“, wie etwa der Versuch des Aufbaus von Kontakten bald nach dem Mauerfall nach Polen. „Das war damals zu früh“, erinnert er sich. Mittlerweile hat Rockenhausen eine polnische Partnerstadt. Beuter stammt aus Winterberg im Sauerland. Dort wurde er durch eine reformiert-calvinistische Tradition geprägt. In Bethel hat er sich zum Diakon ausbilden lassen. Ein Lehramtsstudium in Bielefeld schloss sich an. Im Schuldienst blieb er nicht lange. „Ich bin bewusst in den kirchlichen Dienst gegangen“, berichtet Beuter – und fügt hinzu: „und bewusst nicht ins Pfarramt“. Denn außerhalb dessen sei man mitunter viel dichter an den Leuten dran als sonntags von der Kanzel, lautet seine Erfahrung. Ihm gehe es darum, das Evangelium in der Sprache zu bringen, die die Leute auch verstehen. Kirche von unten stark zu machen, ist ihm ein wichtiges Anliegen. Und sie haben verstanden, wie die vielen Besucher des Gottesdienstes zu Beuters Verabschiedung am Samstag in der Rockenhausener Kirche und dem Empfang im Gemeindehaus zeigten. Rund 300 Weggefährten aus Kirche und Kommunalpolitik, eine Trommelgruppe und ein Posaunenchor und viele Ehrenamtliche verabschiedeten sich von dem langjährigen Leiter der Regionalstelle Nordpfalz. Dass die Einrichtung nach 35 Jahren keine Zukunft hat, bedauert Beuter. Das Evangelium ziele auf mündige freie Menschen. „Aber Freiheit und Mündigkeit muss man lernen. Kirche bietet dazu Strukturen.“ Das von der Landessynode beschlossene Aus der Regionalstelle aus finanziellen Gründen sei „schon frustrierend“, sagt er: „Die Diskussion von Strukturen in der Kirche darf nicht verselbstständigt werden.“ Künftig gebe es nur noch eine Begleitung des Bildungsangebotes. Im Dekanat Donnersberg werde Gudrun Reller mit zehn Stunden beschäftigt, An Alsenz und Lauter sei Joachim Bäcker für gemeindebezogene Bildungsarbeit zuständig. Dem Thema Bildung will Beuter, der mit seiner Ehefrau in Rockenhausen lebt, treu bleiben, nunmehr aber ganz privat. „Ich werde schauen, was es an Bildungsangeboten für mich gibt.“ Bildungsarbeit sei die Sprachschule der Freiheit. Im Ruhestand möchte er an privaten Beziehungen anknüpfen, die wegen Verpflichtungen abends und an Wochenenden gelitten hätten. Besuche bei Kindern und Enkeln, Kreatives, Kulturelles und ab und an eine frische Nordsee-Brise wünscht sich Beuter für seinen nächsten Lebensabschnitt. Der Papua-Arbeit bleibe er treu, ebenso wie dem Synagogenverein. Und endlich hat er auch mehr Zeit für seine Bücher. „Ich möchte mir die Bibliothek vornehmen, einiges vertiefen, aber auch Bücher aussortieren“, verrät er.