Rheinpfalz Sternsinger sammeln für Kinder in Not
In diesen Tagen ziehen wieder viele Kinder und Jugendliche als Sternsinger durch die Gemeinden, erinnern an die drei Weisen aus dem Morgenland, die dem Kind in der Krippe Geschenke bringen, wünschen Gottes Segen für das neue Jahr und bitten um eine Gabe für Kinder in der Dritten Welt. Eine ganz besondere Würdigung erfuhr die Aktion vor Weihnachten dadurch, dass das Sternsingen in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde.
1959 war das Sternsingen als gemeinsame und bundesweite Aktion des Kindermissionswerks und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ins Leben gerufen worden. „Mit der Aufnahme in das Verzeichnis dürfen sich die zahllosen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen geehrt fühlen, die bei den zurückliegenden 57 Aktionen zum Erhalt des Brauchtums beigetragen haben“, lobt Prälat Klaus Krämer, der Präsident des Kindermissionswerks, den Dienst der zahllosen Kinder und Jugendlichen, die in den vergangenen Jahrzehnten oft genug bei Eiseskälte, Schneetreiben oder nasskaltem Regen von Haus zu Haus gezogen sind. In Hauenstein sind die Sternsinger nicht erst seit 1959 unterwegs. In der Wasgaugemeinde wird der Brauch rund um den Dreikönigstag am 6. Januar schon länger gepflegt. Wohl Ende der Vierzigerjahre wurde hier das lange in Vergessenheit geratene „Sternsingen“ von den Pfadfindern um die verstorbenen Guido Morio und Fritz Meyer wieder eingeführt, seit spätestens 1950 war man von Haus zu Haus unterwegs, um als „Könige“ die Botschaft von der Geburt Jesu zu den Familien zu tragen. So lesen wir im Hauensteiner Bote aus dem Jahr 1951 folgende Notiz über eine „Zusammenkunft der über 75 Jahre alten Dorfältesten“: „Die katholische Jugend brachte durch ein Dreikönigssingen eine weihevolle Stimmung“. Und im Jahr danach vermeldet der „Bote“: „Der schöne alte Brauch, der ,Umzug der heiligen drei Könige’, wurde vom Bund katholischer Jugend um den Dreikönigstag weitergeführt... Fünf Gruppen waren auf dem Weg und besuchten in den Abendstunden die Häuser unserer Gemeinde.“ Schon damals sammelten die Sternsinger auf ihrem Weg Spenden für Kinder in Not. Das war nicht immer so: Im 19. Jahrhundert nämlich war es gang und gäbe, dass rund um den Dreikönigstag am 6. Januar Kinder als Sternsinger von Haus zu Haus zogen, um ein Zubrot für das karge Auskommen zuhause zu verdienen. So ist überliefert, dass beispielsweise aus Lug die Kinder der bettelarmen Waldbauern, Holzschnitzer und Besenbinder in die Nachbardörfer zogen, um dort als Sternbuben ein paar Groschen oder einen Kanten Brot zu erbetteln. Tagelang waren die Kinder oft unterwegs, manche Sternbuben führte der Weg bis in die reichen Dörfer der Haardt oder in der Rheinebene. Die Kinder trugen lange, spitz zulaufende Hüte aus Papier, lange Hemden überdeckten die ärmliche Kleidung. Als Stern diente oft ein Spinnrad, das an einer langen Stange angebracht war. Trugen die Buben dann ihr Lied „Wir kommen daher aus weiter Fern’, die Heiligen Drei König’ mit ihrem Stern…“ vor, wurde das Rad zum Drehen gebracht. Und anschließend um eine milde Gab’ gebettelt. In dem Aufsatz „Volkstum und Kirchenjahr“ aus einer Festschrift des Historischen Vereins der Pfalz, wird uns das Danklied der Kinder überliefert: „Habt ihr uns eine Gab’ gegeben, dann sollt ihr das Jahr in Freuden verleben!“ Der Autor berichtet weiter: „Unsagbar derb war dagegen ihr Undank, wenn sie einmal nichts erhielten.“ Und das sei auch ein Grund gewesen, „weswegen ihr Singen polizeilich verboten wurde“. Viktor Carl, der Sammler pfälzischen Sagenguts, hat eine Sage aufgespürt, in der die Sternbuben aus Lug die Hauptrolle spielen. Sie, Kinder eines Besenbinders, waren wochenlang unterwegs gewesen, hatten manchen Kreuzer in der Kasse gesammelt und wollten nun den Lohn ihrer Mühe in ihr Heimatdorf tragen. In der Dunkelheit kamen sie in der Nähe der Erlenmühle bei Klingenmünster vom Weg ab, versanken im Sumpf und hauchten dort ihr junges Leben aus. Den Sumpf, so erzählt die Sage weiter, legte der Erlenmüller trocken, pflanzte eine Wiese, die seitdem in Erinnerung an die Luger Sternbuben „Dreikönigswiese“ genannt wird. (ran)