Eisenberg
Steinmetz aus Ramsen beschafft in großem Stil Atemschutzmasken
Interview: Bruno Rörig, Inhaber eines Natursteinhandels, nutzt seine Kontakte nach China, um in der Corona-Krise den Mangel an Atemschutzmasken zu lindern. Der Ramser sprach mit Joerg Schifferstein über dieses Geschäft, in dem sich derzeit auch zahlreiche Anbieter tummeln, die nur darauf aus zu sein scheinen, schnell Geld zu machen.
Herr Rörig, wie kommen Sie als Steinmetz dazu jetzt Atemschutzmasken anzubieten?
Das ist einfach, ich kann meine guten Kontakte nach China nutzen. Seit mehr als 15 Jahren importiere ich Natursteine, Skulpturen und Materialien für Pflasterarbeiten aus der Volksrepublik. Eine meiner ersten und größten Projekte war der fast lebensgroße Elefant, der auf dem Kreisel in Enkenbach-Alsenborn steht und an den Einsatz der Zirkustiere nach dem Zweiten Weltkrieg im Ackerbau erinnert. Wegen der Masken habe ich meine Lieferanten angesprochen. Wenn ich selbst in China tätig bin, unterstützen mich Dolmetscher. Auch diese Beziehungen haben geholfen, mit den Herstellern von Atemschutzmasken in Kontakt zu kommen.
Wer fragt jetzt bei Ihnen nach?
Unter anderem werden 10.000 Masken für das Kreiskrankenhaus Grünstadt geliefert. Die Ware ist bereits auf dem Weg. Am Montag kamen die Zollpapiere. Auch das Vincentius-Krankenhaus in Landau wird beliefert. Selbst Fremdfirmen, die in der BASF tätig sind, haben mittlerweile geordert. Es hat sich herumgesprochen, dass wir die Masken beschaffen können. Auch Freunde und Bekannte haben kleinere Mengen bestellt, beispielsweise ein Taxifahrer aus Bad Dürkheim und ein Glas-Großhändler aus Hockenheim. Letzterer bekommt 150 Masken.
Da könnte man Ihnen jetzt unterstellen, mit der Krise gute Geschäfte zu machen oder nicht?
Sicher bin ich Geschäftsmann, aber auf die Idee, die Krise auszunutzen, bin ich noch nicht gekommen. Schon seit drei Monaten bekomme ich aus China keine Steine mehr, da die Krise dort zuerst massive Auswirkungen zeigte. Das hat sich eben so ergeben. Mein Gedanke war, in Zeiten der Corona-Pandemie zu helfen. Es geht für mich sicher auch darum, tätig zu bleiben, aber der Hauptgedanke ist die Hilfe. Klar, dass ich zur Kostendeckung eine gewisse Handelsmarge erreichen muss, aber dabei geht es nicht um Aufschläge von bis zu 3000 Prozent, wie sie derzeit von manchen anderen für wichtige Dinge verlangt werden. Das wird zu Recht in den Nachrichten kritisiert. Die Masken kommen frei Haus nach Ramsen per Flug zu einem Preis von etwas mehr als 1,70 Euro. Für 1,96 Euro kann ich sie dann weiterverkaufen, wobei in diesem Preis die Lieferung zum Verbraucher bereits integriert ist. Kleinere Mengen ab 50 Stück versende ich. Bei größeren Lieferungen fahre ich die Masken selbst zu den Kunden. Es ist ein kleines Geschäft dabei, sonst könnte ich das nicht machen. Bedenken muss man aber auch, dass das gesamte Risiko bei mir liegt, ich die Ware komplett vorfinanzieren muss. Alles, was geliefert wird, geht direkt wieder raus, die Lieferzeit beträgt derzeit rund zehn Tage aus China.
Wie klappt das mit der Kontrolle der Qualität? Auch hier haben Scharlatane in der vergangenen Tagen versucht, mit minderwertiger Ware Geld zu machen...
Alle Masken sind zertifiziert, jedem Karton liegen entsprechende Dokumente bei. Wichtig ist, darauf zu achten, dass das originale CE-Prüfsiegel verwendet wird, das sich die Hersteller vorher erworben haben. Gerade die chinesischen Produzenten stehen hier natürlich im Fokus der Überwachung. Außerdem habe ich bei den größeren Lieferungen den Endabnehmern die Zertifikate vorab schon vorgelegt. Daneben hat mir eine der Kontaktpersonen aus China Video-Material aus der Produktion zur Verfügung gestellt, auf dem die vollautomatische Herstellung dokumentiert ist. Alle Masken werden in Folie einzeln eingeschweißt geliefert, um die Übertragungsmöglichkeit von Viren so gering wie möglich zu halten.
Welche Mengen können Sie in welcher Zeit beschaffen?
100.000 Masken in einem Zeitraum von etwa 14 Tagen sind kein Problem, gibt mir gegenüber der Hersteller an. Auch OP-Schutz-Gesichtsmasken kann ich beschaffen, allerdings kommen diese von einem polnischen Hersteller. Der Produzent ist mein Schwager. Meine Frau vertreibt dieses medizinische Zubehör jetzt in Deutschland.
Kontakt
Bruno Rörig, E-Mail: info@natursteine-roerig.de, Telefon 06351/49000.