Kultur Südpfalz Staubsauger verschlingt Mann

Rosa Tütü und Krönchen auf dem Kopf zum Spitzentanz waren gestern. Seit der Niederländer David Middendorp, mit 37 Jahren als aktiver Tänzer zu alt, modernen Tanz choreographiert, gehen ästhetisch kraftvolle Bewegungen der Tänzer in Jeans und unscheinbar grauen Kleidern mit präzise gesteuerter Technik und perfekt eingefügten Einspielungen von Bildern einher.
In der Landauer Festhalle erlebten die Zuschauer die Verschmelzung von Video- und Computeranimation mit modernem Tanz in höchster Perfektion. Die Geschichten, die Middendorp erzählt, sind ebenso kurios wie die Umsetzung grandios.
„Krümeldieb“ steht über einer von vier in Landau gezeigten Geschichten. Nach dem Verlust seiner Frau verliebt sich ein Mann in einen Roboter. Doch der Traum von der wahren Liebe platzt, als dieser mit dem Staubsauger anbandelt. Aus einem ferngesteuerten Auto hat Middendorp den Roboter gebaut und lange geübt, um ihn von seiner Position hinter der Bühne aus für den absolut synchronen Paartanz mit dem Tänzer aus Fleisch und Blut, Art Srisayam, zu steuern. Mit dem eingespielten Staubsauger integriert der Choreograph dann auch noch computergesteuerte Animation in die Szene.
Als sei diese Kombination nicht schon verrückt genug, endet die Geschichte mit einem, wenn auch sehr kuriosen glücklichen Ende: Der Staubsauger verschlingt den Mann, der vor den Augen des gebannten Publikums in eine scheinbar endlose Tiefe hinabsinkt, direkt in die ausgebreiteten Arme der geliebten Frau.
Nicht weniger spannend geriet die letzte der vier in Landau gezeigten Szenen. Auf ihrer Blauen Reise – „Blue Journey“ – bewegt sich eine junge Frau als Individuum gegen den Strom der Menschenmasse. Diese regnet auf der großen Leinwand vom Himmel und nur wenige haben das Glück, aufgefangen und gehalten zu werden. Blut spritzt und präzise eingespielte Schatten verselbstständigen sich, bevor am Ende das Konstrukt mit der umfallenden Leinwand zusammenbricht. Was wäre, wenn das Universum lediglich 25 Minuten dauern würde und seine Geschicke in den Händen, Füßen und Körpern zweier Tänzerinnen läge? Beeindruckend ausdauernd hielten Daniela Cruz und Dianne Steenbrink exakt diese Zeitspanne auf den Bühnenbrettern die animierten geometrischen Figuren am laufen. Die beiden Tänzerinnen rannten im Kreis, peitschten den Erdball wie einen Kreisel an oder versuchten das rasende Zeitkarussell zu bremsen. Dem atemlos zuschauenden Publikum wurde schwindelig beim Blick auf die Leinwand. Begonnen hatte das Bühnenspektakel mit der Beziehungskiste eines Paares als klassische Tanznummer: Ein Mann umwirbt eine Frau, die sich lange ziert, ehe sie sich auf eine Beziehung einlässt. Sie lieben sich, sie streiten sich und werden am Ende, Sie von männlichen und Er von weiblichen Händen in entgegengesetzte Welten gezogen werden. Wunderschön anmutig und ästhetisch gelangen Antonio Milazzo und Johanna Mielandt die Figuren aus dem klassischen Paartanz. Die zahlreichen Besucher in der Festhalle sparten am herzlichen Schlussbeifall nicht. (srs)