Offenbach
Stationen-Schauspiel von Chawwerusch im Wald
„Das grüne Herz“ soll die Keimzelle der Kulturtage der Südlichen Weinstraße bilden und bei einem „Spaziergang zwischen Bäumen und Träumen“ den Puls kleiner und großer Teilnehmer höher schlagen lassen. Beim Stationen-Schauspiel des Chawwerusch-Theaters aus Herxheim soll der Offenbacher Wald sinnlich erlebbar werden.Wer dieser Tage durch den Offenbacher Auwald wandert, radelt oder joggt, muss mit ungewöhnlichen Begegnungen rechnen. Urige Gestalten, verkappte Wegelagerer, und gefesselte Umweltaktivisten, obendrein auffallend viele „Förster“ in Warnwesten – was mag da los sein? Ist der Wald in Gefahr? Treiben Geister ihr Unwesen? Oder ist das ein inszenierter Sommernachtstraum? Von allem Etwas, wird sich herausstellen, wenn am 20. Juni genau hier, neben dem Queichtalstadion, die Kulturtage der Südlichen Weinstraße eingeläutet werden. Die Proben für das Spektakel unter freiem Himmel laufen auf Hochtouren und sie sind besonders aufwändig, weil die Wege lang sind und neben Susanne Schmelcher und Danilo Fioriti auch die Natur Regie führt. Unter dem Motto „Das grüne Herz“ – einer Symbiose aus dem alten Hauff-Märchens „Das kalte Herz“ und der heutzutage städteplanerisch wichtigen „Grünen Lunge“, soll der Wald in all seinen Facetten bei einem „Theaterspaziergang für die ganze Familie“ erfahrbar werden.
Vom Mythos bis zum aktuellen Zustandsbericht
Auf zwei Kilometern Wegstrecke werden an sieben Stationen acht Szenen gespielt, die den Bogen vom Mythos bis zum aktuellen Zustandsbericht spannen und den Wald auf seine mannigfaltigen Namen hin genauer betrachten. Stichworte wie Forst, Fichtenmonokultur, Habitat, CO2-Speicher oder Wildnis werden auf ihre Bedeutung hin abgeklopft, das satte Grün in seiner Gesamtheit bestaunt und solitäre Pflanzen in ihrer Singularität gewürdigt. Und zwischen Windhauch und Vogelgezwitscher werden all die Geschichten gesponnen, die sich Felix S. Felix und Danilo Fioriti ausgedacht und in ein Drehbuch gepackt haben. Damit flitzt nun Regieassistentin Selina Ilschner kreuz und quer durch den Wald, um sich Notizen über die Anordnung der Szenen, die vom Gemeindeforst freigegebenen Naturbühnen, die optimale Verteilung des Publikums oder kniffligen Zeitabläufe zwischen den einzelnen Stationen zu machen. Und natürlich auch, um den Überblick über die Einsätze der vielen Akteure zu wahren, denn bei diesem Sommerstück werden fünf Chawwerusch-Profis von 15 AmateurschauspielerInnen unterstützt.
Viel achtsamer unterwegs sein
Eine davon ist Petra Wünschel aus Offenbach, die als Wegbegleiterin viele Infos zum Zustand des Waldes streuen soll und das Revier, das sie normalerweise mit dem Fahrrad durchkreuzt, nun auf eine ganz neue Weise kennenlernt. Dabei hat sie festgestellt: „Seit den Probearbeiten bin ich viel achtsamer unterwegs, und habe zu Fuß viele Dinge entdeckt, die ich vorher nicht wahrgenommen habe. Zum Beispiel, dass der Wald ziemlich kaputt und krank ist, weil die Bäume nicht tief genug wurzeln und absterben. Deshalb gibt es hier viel Totholz“. Tatsache sei aber auch, dass junge Pflanzen nachwachsen, die tiefer wurzeln und sich besser an die immer trockener werdenden besonderen Bodenbedingungen nahe der Queich anpassen können, haben die Akteure bei einer Forstbegehung gelernt.
Dreiklang von Gier, Geiz und Gold
Sssssss… genug Feuchtigkeit für Stechmücken scheint es allerdings noch zu geben, denn die haben es gerade auf Petra Wünschels Tochter Loreen abgesehen, die in der Rolle des armen Kohle-Peter aus dem Märchen „Das kalte Herz“ durch dichtes Dickicht irrt, um das Glasmännlein zu finden. Dort aber haust der böse Holländer-Michel, dem Ausstatterin Katharina Müller mit Hilfe ihres fünfköpfigen Kostümteams eine so schaurig-schöne Gestalt verpasst hat, dass es ihm gelingt, den Peter in seinem Bann zu ziehen und sein Herz gegen einen Stein zu tauschen. Es braucht schon eine große List, um das schreckliche Geschehen rückgängig zu machen, aber der Dreiklang von Gier, Geiz und Gold klingt weiter durch das Grün und wird von rivalisierenden Räuberbanden mit zeitgemäß zertifizierter Wegelagerei und bargeldlosen Abrechnungsmechanismen ins Hier und Heute übertragen.
Die Beute ist reichlich, denn bei 14 Vorstellungsterminen sollen jeweils 150 Teilnehmer (in zwei Gruppen) durch den Wald geführt werden. Startpunkt des 130 minütigen Abenteuers ist die Grillhütte am Conrad-Rauh-Weg. Von dort geht es zum Pro- und Epilog-Platz über die Queichbrücke, an der Schüler der Integrierten Gesamtschule Landau mit ihrer „LandArt“ überraschen, die sie in den letzten Monaten bei Workshops mit der Künstlerin Sophie Casado erschaffen haben.
Info
„Das grüne Herz - Ein Theaterspaziergang zwischen Bäumen und Träumen“ Inszenierung des Chawwerusch-Theaters mit Amateurschauspielern als Auftragsproduktion des Landkreises Südliche Weinstraße in Kooperation mit der Ortsgemeinde Offenbach und dem Forstamt Haardt. Premiere, Samstag, 20. Juni, 11 Uhr. Weiterer Infos und Termine unter https://www.chawwerusch.de/das-gruene-herz/