Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Städtische Galerie stellt das von der EU geförderte Projekt „Hydromedia“ vor

„Trinkwasserbehälter“, eine Installation von Alina Schmuch.
»Trinkwasserbehälter«, eine Installation von Alina Schmuch.

„Wasser ist zum Waschen da“ trällerten 1956 die Peheiros – da war das Kunstschaffen mit und über die Ressource Wasser, aber auch das Bewusstsein dafür, welche Rolle sie in Bezug auf den Klimawandel spielen würde, noch nicht geboren. Inzwischen mehren sich die Ausstellungen, die sich mit den globalen geologischen Problemen und den dadurch ausgelösten Schwierigkeiten auseinandersetzen.

Die Ausstellung „Hydromedia – Seeing with Water“ in der Städtischen Galerie reiht sich hier ein, in der Künstlerinnen und Künstler der Hochschule für Gestaltung (HfG) sowie der Kunstakademien im belgischen Antwerpen und im niederländischen Utrecht ihre Ergebnisse eines von der EU geförderten Projekts präsentieren. Die Antwerpener und die Utrechter waren auf Karlsruhe zugekommen, weil sie hier eine Gemengelage aus Ingenieurstechnik, ökologischen Auswirkungen von Tullas Rheinbegradigung und kultureller Nutzung des Wassers in den Heilbädern im Nordschwarzwald als interessanten Ansatzpunkt erkannt hatten.

Zu sehen sind nun vier installative Arbeiten; alle 13 an dem Projekt beteiligten Künstler werden anschließend in Dresden zu sehen sein. In Karlsruhe ist das Projekt zudem Teil der Ornamenta 2024 und deren virtueller Themengemeinde „Bad Databrunn“, die sich ausgehend von der vielfältigen Bäderlandschaft des Nordschwarzwaldes mit dem Thema Wasser auseinandersetzt.

Die historische Therme in Bad Wildbad

So verwundert nicht, dass in der aus drei Monitoren mit verschiedenen Videoarbeiten bestehenden Installation von Alina Schmuch die historische Therme in Bad Wildbad in Szene gesetzt wird mit Bildmaterial, das durchaus Werbefilmtauglichkeit beweist. Auf den beiden anderen Monitoren laufen parallel dazu Filme, die die Bandbreite dessen zeigen, was notwendig ist, um sauberes Wasser schonend aufzubereiten, vom Bademeister, der den Hallenboden sauber hält, bis zu Robotern, die Leitungsrohre auf Leckagen überprüfen. Die Monitore sind zwar nicht gekoppelt, dennoch entstehen immer wieder Momente, bei denen die Bäderlandschaft zur Kulisse wird, der Betrachter mitgenommen wird in die technoide Welt dahinter, die dafür sorgt, dass das Wasser auch tatsächlich sauber und damit gesund oder gesundheitsfördernd ist.

Sauberes Wasser und wie es entsteht, aber auch der Umstand, dass der menschliche Körper zu 60 Prozent aus Wasser besteht, wir die ersten Monate unserer Existenz im Fruchtwasser schwimmen, war auch Ausgangspunkt der Künstlerin Jiajia Qi, die ursprünglich aus Japan stammt, aber derzeit in den Niederlanden lebt. Ihre Installation ist von hoher ästhetischer Qualität, die ihren Forschungsansatz rund um die Frage, welche Rolle Kalziumkarbonat (CaCO3) bei der Aufbereitung von Wasser spielt, überlagert. Es kommt in Alltagsprodukten wie Backpulver vor, wird aber auch zur Reinigung eingesetzt, damit sauberes Leitungswasser aus unseren Wasserhähnen kommt. Qi verwendet im Karlsruher Wasserwerk recyceltes CaCO3, das sie in wochenlanger Arbeit zu kleinen Kristallbergen aufgetürmt hat, deren Form an Zellstrukturen erinnert.

Eine hochpoetische Arbeit

Was bei Qi leicht und fluide wirkt, visualisiert Luiz Zanotello mit seiner hochpoetischen Arbeit. Er kombiniert dabei das Gedicht „Abend am Rhein“ von Adelheid von Stolterfoth (1800-1875) mit Unterwasserbildern des Stroms. Den damals noch unbegradigten Fluss bringt Zanotello mit der Einbindung in Versmaß und Rhythmus zusammen, die den Sprachfluss so „zähmt“, wie dies anschließend Tulla am Rhein vornahm. Ziel der Arbeit war es, den Rhein durch Bild und Vers aus seinem Korsett zu befreien, ihn als Körper aus Wasser zu begreifen – dass dabei das Smartphone ins Wasser fiel und damit seine letzten Bilder zur Verbindung zwischen technischem und poetischem Bild wurden, scheint das große Glück des Künstlers zu sein.

Auch das Künstlerduo Arja Hop und Peter Svenson war von der Rheinbegradigung durch Tulla fasziniert, deren Auswirkungen durch das Schaffen von Retentionsflächen derzeit wieder vorsichtig zurückgenommen wird. Das Gewann Kastenwört ist ein solcher Bereich, den das in Amsterdam ansässige Duo für seine künstlerische Forschung in Planquadrate unterteilte. Diese spiegeln sich in den im Ausstellungsraum aufgehängten Farbtafeln wider, die anhand von aus einem Ahorn bzw. einer Eiche gewonnenen Farbpigmente den Gesundheitszustand des jeweiligen Baumes anzeigen. Die zugehörigen Fotos, die zu einer installativen Wandarbeit zusammengefügt wurden, illustrieren in ihrer verhaltenen Farbigkeit die fragile Schönheit der Auenlandschaft rund um Karlsruhe.

Forschung und Kunst gehen Hand in Hand

Forschung und Kunst können, das zeigt auch diese Ausstellung, Hand in Hand gehen und einen höchst ästhetischen Mehrwert liefern zu den sonst nackten Zahlen. Sie führen mit der künstlerischen Herangehensweise eindrücklich die eigentlich banalen Grundannahmen vor Augen, dass der Mensch sauberes Wasser und eine stabile Umwelt benötigt, um gut leben zu können.

Die Ausstellung

„Hydromedia – Seeing with Water“ bis 8. September in der Städtischen Galerie Karlsruhe, Lorenzstraße 27: Mi-Fr 10-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr.

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