Kultur Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Städtische Galerie Karlsruhe zeigt Ausstellung zu Folgen des Konsums

An „Atlas Futur“, einer elf Meter breiten und über zwei Meter hohen Wandinstallation, hat Nándor Angstenberger Anfang des Jahres
An »Atlas Futur«, einer elf Meter breiten und über zwei Meter hohen Wandinstallation, hat Nándor Angstenberger Anfang des Jahres als Stipendiat im Künstlerhaus Edenkoben gearbeitet.

Nándor Angstenberger, Stipendiat im Edenkobener Künstlerhaus, bevor die Corona-Krise ihn aus der Südpfalz vertrieb, hat ein wahres Wolkenkuckucksheim gebaut für die Ausstellung, mit der die Städtische Galerie Karlsruhe jetzt wieder öffnet: „(Un)endliche Ressourcen?“ Zu sehen sind „künstlerische Positionen seit 1980“ von 25 Künstlerinnen und Künstlern zum Verhältnis zwischen Mensch und Natur.

Es wäre ja kaum zu verstehen, wenn der massive Abbau und Verbrauch der keineswegs unendlichen Ressourcen nicht auch die Kunst beschäftigen würde. Schon in den 1970er- und 80er-Jahren, als es den Begriff Recycling noch gar nicht gab, haben sich Künstler vor allem mit natürlichen Ressourcen wie Kohle, Metallen oder Wasser auseinandergesetzt. So ist in der mit zahlreichen Leihgaben bestückten Schau jene Flasche zu sehen, die Joseph Beuys und Nicolás García Uriburu 1981 mit Rheinwasser füllten, das damals eine Giftbrühe war. Klaus Rinkes vergleichbare Meerwasser-Aktion von 1984 ist auf kunstvollen Farbfotografien dokumentiert. Und die dokumentarischen Fotografien von Bernd und Hilla Becher wirken wie ein Abgesang auf die Industriekultur.

Die multimedialen Entwicklungen und eine zunehmende Annäherung von Wissenschaft und Künsten erweiterten seither die Möglichkeiten. Die Müllberge und die Luftverschmutzung nahmen derweil weiter zu. Dem stellten sich auch Künstlerinnen und Künstler. Julian Charriére etwa untersucht in seinen Arbeiten die Folgen des Abbaus von Seltenen Erden. Alicja Kwade setzt mit ihren in Bronze gegossenen und dann vergoldeten Kohlebriketts schon einen ironischen Akzent. Und Tony Craggs „Axe Head“ (1981) aus orangefarbenen Plastikfragmenten ist ein bekanntes Beispiel für die frühe Beschäftigung mit einem Thema, das uns heute endlich umtreibt.

Auch die Mega Cities und deren wuchernde Slums sind ein Thema. Ein vor Details überquellendes, an den Rändern zerfaserndes Stadtmodell steht oder viel mehr liegt im Zentrum dieser Ausstellung. „Postnaturalia Drawings“ hat der tschechische Bildhauer und Installationskünstler Krištof Kintera seine ausschließlich aus Elektro- und Metallschrott sowie sonstigem Müll gestaltete Vision einer Stadtlandschaft in Zeiten von Klimawandel und ungehemmtem Konsum genannt.

Der Zivilisationsmüll wurde zum herausfordernden Material für die bildenden Künste. Während etwa Klara Lidén den simplen Abfalleimer für sich entdeckte und Kintera Elektroschrott in wuchernde Pflanzen verwandelte, schufen Markus Jäger und Bernhard Schmitt aus im Recyclinghof zusammengetragenen Materialien kunstvolle Fine-Print-Arbeiten, wofür Gegenstände einzeln fotografiert und am Computer zusammengesetzt wurden. Man kann und sollte bei all dem ins Grübeln kommen.

Termin

„(Un)endliche Ressourcen“ bis 13. September in der Städtischen Galerie Karlsruhe, Lorenzstraße 27: mittwochs bis freitags 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags 11 bis 18 Uhr.
Alicja Kwade zeigt „Kohle“ (2006): vergoldete Kohlebriketts.
Alicja Kwade zeigt »Kohle« (2006): vergoldete Kohlebriketts.
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