Rheinpfalz Sprudelndes Selbstwertgefühl
Wasser marsch: Am Freitag wird in Contwig (Kreis Südwestpfalz) der wohl berühmteste Wasserpark der (West-)Pfalz eröffnet. Zugegeben, die Badesaison ist auch in Contwig schon seit ein paar Wochen vorbei. Eigentlich hätte der ans Freibad angeschlossene Wasserspielplatz ja auch schon früher fertig sein sollen. Aber zwischendurch war das Wetter zu feucht – und das ist für Wasserspielplatz-Baustellen ebenso schlecht wie für andere Baustellen. Doch nun ist der Platz fertig, das Wasser soll sprudeln – und nicht nur das. Die Erwartungen an den Wasserspielplatz sind hoch – er soll nicht nur Spaß machen, sondern auch etwas verändern im Leben der Contwiger und aller anderen im Zweibrücker Land. Es soll kein einfacher Matschplatz sein, vielmehr ein Symbol: dafür, dass Zweibrücken und sein Umland nicht hinten runter fallen, wenn’s dort schon keinen Flugbetrieb mehr gibt, seit die EU im November 2014 den Zweibrücker Flughafen dichtgemacht hat. Denn der Wasserspielplatz ist ein Punkt im 25-Punkte-Programm der Landesregierung. Mit dem Programm – kritisch betrachtet eine Auflistung von Vorhaben, die größtenteils wohl auch ohne die Flughafen-Schließung umgesetzt worden wären − will die Landesregierung der Region unter die Arme greifen. Und so ein Wasserspielplatz, hatte Innenminister Roger Lewentz (SPD) im März in Zweibrücken erklärt, könne durchaus das Selbstwertgefühl der Menschen in der Region steigern. Was garantiert steigen wird, ist der Wasserverbrauch der Verbandsgemeinde. Deshalb hat sie für den Wasserpark eigens einen 23 Meter tiefen Brunnen gebohrt, mit dem sie den Spielplatz speist. Und der braucht viel Wasser: 4000 bis 5000 Liter pro Stunde in Spitzenzeiten. Doch das muss einem so ein Symbol schon wert sein. Damit neben dem Contwiger Freibad alle Brünnlein fließen, floss Geld: Rund 200.000 Euro steckt das Land in den rund 330.000 Euro teuren Platz. „Champagner statt Wasser“, erklärte prompt die FDP in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, deren größter Ort Contwig ist. Die FDP sieht in dem Wasserpark eine Geldverschwendung und stimmte im Verbandsgemeinderat dagegen. Es werde Wasser gepredigt und den Gemeinden landauf landab Geld abgenommen, dann aber auf einmal Champagner getrunken. Bei der FDP hatte sich da einiges aufgestaut – kein Wasser, sondern Ärger, andere Dörfer in der Verbandsgemeinde würden benachteiligt. Außerdem, sprudelte es aus den Gegnern heraus, werde auch so ein Wasserspielplatz nicht dafür sorgen, dass das Freibad nebenan aus den roten Zahlen kommt. Es plätscherte viel Wasser den Schwarzbach hinunter, an dem Contwig liegt, und im Kreisausschuss Südwestpfalz ging die Schlammschlacht um den Matschplatz samt Bach und „Wasserwald“ weiter: Zu teuer, meckerte erneut die FDP. Es gebe doch wahrlich Wichtigeres im Zweibrücker Land anzugehen als einen Wasserspielplatz, fand die CDU. Dörfer sollten doch „erst mal lebensfähig sein und dann attraktiver werden“, gab die FWG als Ratschlag aus – nicht gerade ein Kompliment an Contwig. Doch vergeblich. Zuschüsse flossen, der Platz wurde gebaut. Am Freitag wird er eingeweiht. Er soll künftig von Frühjahr bis Spätherbst offen sein, unabhängig vom Contwiger Freibad nebenan. Vielleicht ist an der Wunderquelle Wasserspielplatz gar mit Westpfälzer Wallfahrern zu rechnen: Wo sonst gibt’s Selbstwertgefühl zu zapfen?