Rheinpfalz Spirale dreht sich weiter
SPEYER. Steigende Preise und kein Ende in Sicht: Der Immobilienmarkt in Speyer bleibt erhitzt. Für Hauskäufer und -mieter ist das keine gute Nachricht, Makler gehen naturgemäß entspannter damit um.
In den vergangenen drei Jahren seien die Preise für Immobilien in Speyer jährlich um vier bis fünf Prozent gestiegen. Dies ist die Einschätzung von Gerhard Schönfelder, der als Chef der Immobilienvermittlung der Sparkasse Vorderpfalz den Markt im Blick hat. Auf 20 Prozent in der Summe für die drei Jahre kommt Heribert Hofmann, Abteilungsdirektor Immobilienvertrieb bei der Volksbank Kur- und Rheinpfalz in Speyer. Und mit Manfred Riegel, Inhaber eines Maklerbüros in Speyer und Harthausen, sagt ein Selbstständiger klipp und klar: Der Aufwärtstrend der Immobilienpreise und -mieten werde hier über das Jahr 2016 hinaus anhalten. Die hohen Preise sind für Volksbank-Experte Hofmann damit zu erklären, dass Speyer als Mittelzentrum mit guter Infrastruktur ein attraktiver Lebensraum ist. Kliniken, Schulen, Kinderbetreuung, Arbeitsplätze, Einkaufsgelegenheiten, die Anbindung an größere Städte sowie umfassende Kultur- und Freizeitangebote – vieles sei rund um den Dom im Sinne der Kunden. Zudem habe Speyer als eine der ältesten Städte Deutschlands ein besonderes Flair. „Viele Leute wollen hier leben und sind gerne bereit, sehr hohe Preise für Wohnraum zu bezahlen“, sagt Makler Riegel. Besonders begehrt seien die direkte Innenstadt und das Oberkämmerer-Gebiet, was als Folge habe, dass auch in umliegenden Gebieten die Preise steigen. „Die Anzahl der Kaufinteressenten übersteigt in der Summe das Angebot an Immobilien deutlich“, betont er. Aufgrund des historisch niedrigen Zinsniveaus, das unter anderem Baukredite günstig macht, und den vergleichsweise hohen Löhnen, ist aktuell Wohneigentum, trotz gestiegener Immobilienpreise, so erschwinglich wie noch nie zuvor. Dies ergab eine Studie des Branchenverbandes IVD. Sparkassen-Mann Schönfelder bestätigt diesen Trend für Speyer. Er habe derzeit vor allem zwei Erscheinungsformen: junge Familien auf der Suche nach einem Einfamilienhaus mit Garten und Senioren, die altersgerechte Eigentumswohnungen nachfragten. Speyer habe schon länger mit einer Knappheit von Baugrundstücken und Immobilien zu kämpfen, sagt Immobilienmaklerin Elke Miesel-Franke. Die Nachfrage steige indes – und die Preisspirale drehe sich. Dies betreffe bestehende Immobilien und Neubauten in ähnlicher Weise, wenn auch Letztere noch etwas mehr, so Schönfelder. Heribert Hofmann rechnet vor: Habe man in einem Fall 2013 noch 2800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche bezahlt, seien es 2016 schon 3300 Euro. Zur Knappheit an Immobilien und Baugrundstücken kommen laut Hofmann immer kostspieliger werdende Auflagen für Energieversorgung und Brandschutz sowie gestiegene Material- und Lohnkosten. „Der Immobilienmarkt in Speyer ist sehr stark von Bestandsimmobilien geprägt“, erläutert Schönfelder. Da machten sich die Kaufnebenkosten vor allem bei Umbauten und Sanierungen bemerkbar. Eine wichtige Rolle bei Immobiliengeschäften spielt immer der Vergleich: Das Speyerer Umland ist noch überwiegend günstiger als die Stadt selbst, verzeichnet aber auch steigende Preise. Hofmann erkennt in Landau, Neustadt, Schwetzingen sowie Bad Dürkheim grundsätzlich keine andere Tendenz. „Kleinere Orte um die Mittelzentren herum, wie im Speyerer Fall Schifferstadt, werden von dieser Entwicklung mitgezogen und gewinnen ebenfalls an Beliebtheit“, sagt er. Riegel erwartet 2016 eine weitere Rekordjagd: Die Immobilienpreise bundesweit seien 2016 so stark gestiegen wie schon seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr – wobei Metropolen noch stärker betroffen seien als Mittelzentren wie Speyer. „Der Aufwärtstrend wird auch im Jahr 2017 anhalten.“