Speyer
Stadt: Auftakt für die Speyerer Wärmewende
Die kommunale Wärmeplanung sei „eine Gemeinschaftsaufgabe“, sagte Georg Weyrich. Der Geschäftsführer nannte seine Stadtwerke Speyer (SWS) einen wesentlichen Treiber des Vorhabens, das „uns allen Orientierung geben soll, wie wir zukünftig heizen können“. Alle Kommunen sind zu einer Wärmeplanung gesetzlich verpflichtet. Speyer hat bis Mitte 2028 Zeit und startet im Juni 2026 in den Prozess. Dabei gelte es, viele Fragen zu beantworten, und am Ende werde auch „keine Einheitslösung“ herauskommen, sagte Weyrich bei einer Informationsveranstaltung in der Stadthalle. Die Stadtwerke hätten sich vorgenommen, grob 45 Prozent Speyers mit ihrem Fernwärmenetz zu erschließen, für 55 Prozent brauche es andere Lösungen – zum Beispiel Wärmepumpen. Schon derzeit bauen die Stadtwerke ihr Fernwärmenetz aus: „Wir schaffen zwei Kilometer im Jahr“, so Weyrich. Derzeit arbeiten die SWS an der Südachse. Im nächsten Schritt werde die Seilerbahn zwischen der Winternheimer Straße und der Rheinhäuser Straße ab Montag, 8. Juni, für voraussichtlich acht Wochen gesperrt. Eine Zufahrt zur Seilerbahn sei in dieser Zeit nicht möglich, und die Rheinhäuser Straße werde zur Sackgasse. In den kommenden Jahren werde es noch die eine oder andere Baustelle geben, so Weyrich. Neue Fernwärmeleitungen bieten sich allerdings nur dort an, wo beispielsweise genug Potenzial für neue Hausanschlüsse ist.
Auch darüber soll die kommunale Wärmeplanung Aufschluss geben. Unter anderem maßgebend: das Gebäudeenergiegesetz (GEG). Es regelt beispielsweise, dass ab dem 1. Juli 2028 neu eingebaute Heizungen mit mindestens 65 Prozent Erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. „Das ist natürlich eine Hausnummer“, sagte Lisa Tischmann vom Ingenieurbüro „plan[neo]“. Die Stadt hat sich die Kieler Fachplaner zur externen Unterstützung geholt. Für Tischmann und ihre Kollegen heißt es zunächst: Daten sammeln. Der erste von mehreren Schritten der Wärmeplanung sei eine Bestandsanalyse. Damit haben die Fachleute schon begonnen. Aktuell würden nach Daten des Zensus rund 75 Prozent der Gebäude in der Stadt mit Gas beheizt und zehn Prozent mit Öl, hinzu komme das Wärmenetz der Stadtwerke. Es wird heute aus dem Mannheimer Kraftwerk und zwei Nahwärmeinseln versorgt. Künftig soll das eine Geothermieanlage übernehmen, die die Stadtwerke Speyer und Schifferstadt mit ihrer Tochter Geopfalz errichten wollen.
Etwa 50 Prozent der Gebäude in der Stadt seien vor 1970 gebaut, es gebe also durchaus Sanierungsbedarf, so Tischmann. Speyer sei zudem durch Einfamilienhäuser geprägt, die knapp 60 Prozent der Gebäude ausmachten. Rund 35 Prozent der Häuser seien freistehend, die Mehrheit also dicht bebaut. „Das ist der Datenbestand, auf dem wir aufsetzen“, erläuterte Tischmann. In den kommenden Wochen würden nun noch zahlreiche weitere Informationen gesammelt. Dafür stünden viele Gespräche an – beispielsweise mit den Stadtwerken als Netzbetreiber, aber auch mit weiteren Experten vor Ort wie Schornsteinfegern. Diese Informationen sollen in den Prozess eingearbeitet werden, erklärte Tischmanns Kollegin Kerstin Komander. Bei alldem haben die Planer auch die gesetzliche Grundlage im Blick. So soll das GEG beispielsweise noch einmal umfassend überarbeitet werden.
Die Wärmeplanung sei „kein Zwang zum Heizungstausch“, betonten die Projektleiter. Am Ende des rund zweijährigen Prozesses soll ein Konzept stehen: Wo lohnt sich der Ausbau der Fernwärme? Wo braucht es dezentrale Lösungen? Wo liegen Potenziale für Solarthermie in Speyer? Der Prozess solle möglichst konkrete und qualitative Maßnahmen aufzeigen: „Das ist unser Ziel.“
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