Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Spielerisch leicht wirken die Stahlskulpturen von Stefan Forler

Der Bildhauer Stefan Forler im Garten seiner Landauer Werkstatt.
Der Bildhauer Stefan Forler im Garten seiner Landauer Werkstatt.

Der Landauer Bildhauer Stefan Forler hat in seinen 81 Lebensjahren schon viele Ausstellungen bestückt und manchen öffentlichen Platz bespielt. Aber daheim in Haus und Garten hat er vielleicht die umfangreichste Werkschau zu bieten. Ein Besuch.

Munteres Vogelgezwitscher und ein üppiger Garten, in dem sich Kunst und Natur durchdringen. Überrascht steht der Gast hinter dem kunstvoll geschmiedeten Tor in der Mozartstraße 21. Dass hier früher die Bau-Kunst-Schlosserei des Vaters Emil Forler war, die zwischen 1955 und 1971 fast zwei Dutzend Lehrlinge und Gesellen beschäftigte, sieht man dem Einfamilienhaus von außen nicht an. Auch der Sohn hat hier mitgearbeitet.

Das Betriebsgebäude, auf das noch immer das Firmenschild verweist, schließt sich tatsächlich an den Hinterhof an. Auch „die Werkstatt ist fast noch wie zu Vaters Zeiten“, erzählt Stefan Forler – durchaus mit Respekt, aber ohne zu verhehlen, dass diese Zeiten für den ebenfalls ambitionierten Sohn schwerer waren als das Gewicht des hier verarbeiteten Stahls.

An Münchener Meisterschule unterrichtet

„Mag sein, dass ich noch zu jung oder mein Vater noch nicht alt genug war“, um im alltäglichen Spannungsfeld von Kunst und Kunsthandwerk gemeinsamen an einem Strang zu ziehen, sagt Forler nachdenklich. Jedenfalls sei er „nach fünf gemeinsamen Jahren“ – um im Betrieb des Vaters nicht unterzugehen – „schweren Herzens“ zu neuen Ufern aufgebrochen. In München, der Heimat seiner Frau und bald auch der beiden Kinder, hat Forler seinen Meister im Metallbau gemacht und dann an der gleichen Meisterschule 30 Jahre lang als Lehrer für Gestaltung gewirkt.

Der Bildhauer Heinrich Kirchner, bei dem Forler 1968/69 die Sommerakademie in Salzburg besuchte, hat in ihm die Ambitionen im kunstvollen Bronzeguss und den damit verbundenen gestischen Möglichkeiten neu entfacht. So begann, als Emil Forler 1971 mit nur 61 Jahren starb und sein Betrieb in Landau eingestellt wurde, das Doppelleben des Stefan Forler als Lehrender in München und Kunstschaffender in Landau.

Bronzeguss ohne Umweg über Gipsabdruck

Die handwerkliche Kunstschmiede wurde nun zum Reich des Bildhauers und zum Gestaltungsraum für kühne, sich frei entwickelnde, keinem Zweck unterworfene Formen. Von Anfang an hat Stefan Forler seine Bronzefiguren ohne den Umweg des Gipsabdrucks in Wachs gearbeitet und die fertigen Modelle Kirchners Kunstgießerei in Ascholding anvertraut, nach dem Prinzip der verlorenen Form.

So schnörkellos und schlank die angedeuteten Köpfe, Säulen und formreduzierten Paar-Figuren auch aussehen, so schwer liegen sie doch in der Hand. Und obwohl sie vieldeutig interpretiert werden können, nehmen sie – je nachdem, wie man sie dreht und wendet, einander zuordnet oder entzweit – klare Position ein.

Der mit dem Stahl tanzt

Das gilt erst recht für Forlers Stahlarbeiten, die hinter Esse, Amboss und sonstigem Gerät ihren Platz haben. In sinnlich ästhetischer Anmutung drehen sie sich umeinander, verbinden oder entwinden sich. Beim Verformen des massiven Rundstahls geht es stets um das Austarieren von Beziehungen, das Ausloten von Form und Raum und darum, durch minimale Eingriffe eine maximale Wirkung zu erzielen – bei den kleineren Arbeiten wie bei den Großplastiken, die ihrer schieren Ausmaße wegen nicht in der Werkstatt, sondern im Garten geformt werden müssen.

Auch die ausladenden Skulpturen, die im Garten stehen, sind keine Störenfriede. Die hohen Türme mit ihren Ringen und Pendeln, die gebogenen Achterbahnsegmente mit ihrem trapezförmigen Aufbau, der rechteckige Rahmen für den Himmelsausschnitt – sie alle behaupten ihren Platz, ohne Wege zu versperren oder Blicke zu blockieren. Man kann durch sie hindurchgehen und sie durchschauen, ihre Impulse aufgreifen und sogar zurückgeben.

So schwergewichtig wie beschwingt

„Dass man bei meinen Skulpturen was bewegen kann und soll, ist wohl der Tatsache geschuldet, dass man in Museen meistens nichts bewegen darf. Wenn meine Arbeiten dazu verleiten, wäre ich angekommen“, meint Forler und tippt an einen Stahlring, der sanft in Schwingung gerät. Dass ein parallel hängender Ring den initialen Schwung bei abnehmender Amplitude übernimmt, hat der Künstler erst durch Zufall entdeckt und damit bei sich selbst jenen Moment des Sich-Berühren-Lassens geweckt, den er auch anderen mit seiner Kunst wünscht. Besser lässt sich die Intention und Faszination von Stefan Forlers schwergewichtiger, aber unaufdringlicher, so beschwingt wie geradliniger Fingerzeig-Kunst wohl kaum veranschaulichen.

Der Rundstahl scheint sich bei vielen von Stefan Forlers Arbeiten selbst zu umschlingen.
Der Rundstahl scheint sich bei vielen von Stefan Forlers Arbeiten selbst zu umschlingen.
Stefan Forler ist an der Landauer Plakataktion „Kunst bleibt“ beiteiligt.
Stefan Forler ist an der Landauer Plakataktion »Kunst bleibt« beiteiligt.
Gerade arbeitet er an seinem Projekt „Die 60 Stäbe“.
Gerade arbeitet er an seinem Projekt »Die 60 Stäbe«.
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