Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Spider Murphy Gang kommt nach Karlsruhe: Ein bisschen Rückkehr in die Heimat

Wenn die Spider Murphy Gang unplugged spielt, ist noch ein Jugendfreund dabei.
Wenn die Spider Murphy Gang unplugged spielt, ist noch ein Jugendfreund dabei.

Wer hätte gedacht, dass Günther Sigl in ganz jungen Jahren in der Südpfalz aufgetreten ist? Gereon Hoffmann sprach mit dem Gründer und Frontmann der Spider Murphy Gang. Die NDW-Band aus Bayern spielt bei einem 80er-Revival-Wochenende vor dem Schloss.

Herr Sigl, Sie kommen mit der Spider Murphy Gang nach Karlsruhe. Zu der Stadt haben Sie eine besondere Verbindung?
Ja, ich habe dort meine Jugend verbracht im Alter von zehn bis 20 Jahren.

Das sind ja sehr wichtige Jahre?
Ja schon. Ich habe dort die Tulla-Volksschule besucht und dann die Handelsschule und später eine Lehre bei der Volksbank Karlsruhe gemacht.

Aber geboren sind Sie in Oberbayern?
Ja, da bin ich geboren und die ersten vier Jahre in Landsberg in die Schule gegangen. Als die Bundeswehr in den 50ern aufgemacht wurde, ist mein Vater dazu und nach Karlsruhe versetzt worden. Da ist die ganze Familie mit dahin gezogen, das war so 1958, bis ’67 war ich in Karlsruhe.

Und Sie haben dort schon Musik gemacht?
Ja, mit am Spez’l zusammen, erst zwei Gitarren, dann haben wir noch Schlagzeug und einen Bassisten dazu bekommen. Also die Beatles-Besetzung, da haben wir schon fleißig gespielt. Wavebreakers hieß die Band. Wir haben in einer Karlsruher Musikkneipe gespielt, die hieß „Bianca“ und war hinter der Hauptpost. Wir haben mittwochs gespielt und dann freitags, samstags, sonntags. Da hab ich mehr verdient als in der Bank (lacht). Und dann haben wir auch in der Pfalz gespielt, in einem Tanzcafé in Herxheim. Da war am Wochenende, da haben wir zum Tanztee gespielt.

Da war Beatmusik angesagt?
Ja, das war eine aufregende Zeit. Und in Karlsruhe haben wir ja den Star Club gehabt, in der Kaiserstraße. Da sind auch richtige Stars hingekommen. Die Remo Four, Casey Jones & The Governors, die German Bonds. Da waren wir als junge Band oft dort und haben uns Sachen abgeschaut. Wir waren ja Autodidakten und mussten uns alles selber beibringen.

Da war ja richtig was los in Karlsruhe, das ja ansonsten eher als recht ruhig gilt?
Ja, das heißt immer „Beamtenstadt“ und „nix los“. Gut, in Mannheim war mehr los, da sind wir öfter hingefahren, um Bands zu hören. Da gab’s ein Ring-Café, die anderen weiß ich nicht mehr. Aber in Karlsruhe mit dem Star Club, das war schon toll. Und damals ist in jeder Wirtschaft gespielt worden, da war ein Saal dabei und da wurde getanzt. In Weingarten war auch viel los. Ich glaube, dort haben die Flippers angefangen. Da war schon was geboten.

Haben Sie aus der Zeit in Karlsruhe noch Freunde da?
Ja klar, der Dieter Radig, der hat wie wir in der Hagsfelder Allee gegenüber gewohnt. Wir hatten einen Probenraum unterm Krokodil am Ludwigsplatz. Das gibt’s ja heute noch. Der Dieter war immer dabei und wenn unser Schlagzeuger nicht da war, hat er gespielt. Als ich dann in München war und wir in den 80ern Erfolg hatten, hat er sich wieder gemeldet. Und seither besteht der Kontakt wieder. Jetzt spielt er in der Günther Sigl Band und bei Spider Murphy, wenn wir akustisch auftreten. Er hat schon immer ein Talent als Sänger für die zweite Stimme gehabt, das find’ ich toll.

Wie ist es denn für Sie, mit den Spiders immer wieder die alten Hits spielen zu müssen?
Wir hatten ja zum Glück einige Hits und waren kein One-Hit-Wonder. Natürlich spielen wir die. Das war für viele, die heute kommen, die Jugendzeit. Ich bin auch schon an der Tankstelle angesprochen worden von fremden Leuten, die sich für die Musik ihrer Jugend bedankt haben. Die Songs tragen uns heute noch und wir haben dieses Jahr 70 Konzerte, im 46. Jahr der Band. Die Stücke haben immer noch Power. Wenn bei „Rosie“ die ersten Akkorde kommen und die Leute aufspringen, ist das schon toll. Unsere Sachen laufen auch immer noch im Radio, die Tantiemen sind immer noch sehr ansprechend (lacht).

Sie kommen zu einem 80er-Festival. Woran erinnern Sie sich ganz besonders aus dieser Zeit?
Vor allem, dass wir mit dabei waren! (lacht) Die Neue Deutsche Welle hat musikalisch einiges Neues gebracht, ein paar Sachen sind Evergreens geworden. „Major Tom“, „Skandal“, „99 Luftballons“ oder „Hurra, die Schule brennt“ - wenn die heute auf Parties laufen, geht das immer noch ab. Und sonst ... es gab die Friedensbewegung und die Anti-Atomkraft-, Wackersdorf, den Eisernen Vorhang gab es noch. Grausame Mode! (lacht) Karottenhosen und Jacketts mit Schulterpolstern und Ärmeln hochgestellt. Föhnfrisuren für Männer. (lacht) Die ganzen New Romantics. Viele Synthesizer in der Musik und Drumcomputer. Und die Spider Murphy Gang hat in der DDR gespielt, weil wir politisch unverdächtig waren. Wir haben da eine Tour gemacht mit einem riesigen Tross um uns rum von Journalisten. Drüben war ein Riesenauflauf von Leuten, wir kamen uns vor wie die Beatles. (lacht)

Haben Sie Kontakt zu den Stars von damals?
Ja, wir sehen uns ja immer mal bei so Festivals. Als wir unser eigenes Jubiläum hatten, kam der Peter Schilling („Major Tom“) und der Stefan Zauner von der Münchner Freiheit und der Friedel Geratsch von Geier Sturzflug waren da. Hubert Kah und Markus und Nena treffen wir auch öfter.

Und ihre Freunde und Verwandten aus Karlsruhe, werden Sie die wieder treffen?
Ja klar! Wir haben auch Klassentreffen von der Tulla-Schule und ich habe die Leute aus der Klasse mit Partnern zum Konzert eingeladen. Und danach treffen wir uns noch. Und natürlich besuche ich auch meine Schwester, die immer noch in Karlsruhe lebt. Karlsruhe ist für mich immer noch Heimat.

Termin

Spider Murphy Gang unplugged am Freitag, 16. Juni, 20 Uhr, vor dem Karlsruher Schloss. Karten gibt’s bei verschiedenen Ticketportalen im Internet.

Zur Person

Günther Sigl wurde am 8. Februar 1947 in Schongau geboren, lebte mit der Familie dann in Landsberg und ab 1958 in Karlsruhe. 1968 zog er nach München und arbeitete in einer Bank. 1971 wurde er Profimusiker, 1977 gründete er die Spider Murphy Gang. Mit der gelang der Durchbruch 1981 mit dem Album „Dolce Vita“ darauf sind Stücke wie „Skandal im Sperrbezirk“, „Schickeria“, „Zwoa Zigaretten“. Ungewöhnlich war der Rock’n’Roll mit deutschen und bayerischen Texten. Die Spider Murphy Band ist heute noch sehr aktiv. Zum Jubiläum 2017 spielte sie zweimal im ausverkauften Münchner Schlachthof und dann noch zweimal in der ausverkauften Olympiahalle.

Partywochenende vor dem Schloss

Rund um die Eröffnung der 80er-Jahre-Ausstellung am Samstag, 17. Juni, 11 Uhr, im Badischen Landesmuseum im Schloss gibt es in Karlsruhe ein großes Open-Air-Wochenende unter dem Motto „Skandal im Schlossbezirk“.Den Auftakt macht am Freitag, 16. Juni, der Auftritt der Spider Murphy Gang, die zur Speerspitze der Neuen Deutschen Welle gehörte und mit „Skandal im Sperrbezirk“ einen der Evergreens dieser Epoche veröffentlicht hat. Am Samstag erinnert sich das Kuratoren-Team Brigitte Heck und Martin Wacker mit dem Publikum an die 80er mit Vokuhila, Schwarzwaldklinik, Anti-Atomkraft und Mauerfall. Der Ausstellungsbesuch ist am Eröffnungstag bis 18 Uhr kostenlos.

Am Abend erklingen die Hits der 80er-Jahre, dazu Rock und Pop aus fünf Jahrzehnten, bei der SWR1-Disco vor dem Schloss mit DJ Corvin Tondera-Klein. Unter freiem Himmel können Jung und Alt vor der Schloss-Kulisse eine heiße Sohle aufs Parkett legen. Der Eintritt ist frei.

Am Sonntag, 18. Juni, 20 Uhr, spielt zu Show „SWR1 Pop & Poesie in Concert – Die 80er Show“ ein e neunköpfige Band Hits der 80er mit deutschen Texten und eigenen Variationen. Durch das Programm führt Moderator Jochen Stöckle, als Kind der 80er aufgewachsen mit der Musik von a-ha, AC/DC und Depeche Mode. An seiner Seite: Radio-Legende Matthias Holtmann, der mit Geschichten und Erinnerungen die 80er lebendig werden lässt.

Parallel zu den 80er-Events auf dem Schlossplatz finden zahlreiche weitere Open-Air-Veranstaltungen statt wie Akrobatik, Hip-Hop-Shows und Musik. Der Stadtjugendausschuss organisiert ein Jugendfestival auf dem Kronenplatz mit Mitmachaktionen und Street-Sport-Angeboten. Ebenfalls am Samstag beginnt das Wissenschaftsfestival namens Effekte mit einem Erlebnislabor.

Günther Sigl
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