Rheinpfalz Spürnasen mit immensem Spieltrieb

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Sie arbeiten effizienter als jedes Röntgengerät, finden Drogen, wo niemand sie vermutet und dabei wollen sie eigentlich nur spielen: Rauschgiftsuchhunde. Die Diensthundestaffel des Polizeipräsidiums Westpfalz, dem auch die Inspektionen Kusel und Lauterecken angehören, verfügt über fünf solcher Superspürnasen.

„Kendy“ fiept vor Freude, springt wie ein Gummiball an Hundeführer und Polizist Marco Jung hoch. Dann legt sie los. Wie ein Staubsauger gleitet die feuchte Schnauze der vierjährigen schwarzen Schäferhündin über alles hinweg und inhaliert das Geschehen der Vergangenheit. Hin und her. Bis die Hündin plötzlich verharrt. „Hey Kollege, hier liegt Rauschgift!“, zeigt sie ihrem zweibeinigen Partner mit diesem Verhalten an. Jung reagiert prompt, lobt und wirft als Belohnung den gelben Spielball, dem „Kendy“ begeistert hinterher saust. Was auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei in Enkenbach-Alsenborn leicht und spielerisch aussieht, ist in Realität stahlharte Arbeit für die Hunde: „Wir sind mit 15 Tieren die kleinste Staffel in Rheinland-Pfalz“, berichtet Volker Marhofer, Leiter der Diensthundestaffel am Präsidium Westpfalz. Sandra Schmidt ist die erste und bislang einzige Hundeführerin in der Staffel. Für sie geht „Spike“, ein Herder, auf die Suche. Dem holländischen Schäferhund geht es dabei wie „Kendy“: Er will einfach nur spielen! Und das ist genau richtig: Denn ohne Spieltrieb geht gar nichts. Schon beim Aussuchen zukünftiger Polizeihunde fällt ein Tier, das keinen Spieltrieb zeigt, durchs Raster. Einen Beutetrieb, den brauchen sie auch, schließlich sind alle Suchhunde im Alltag auch Schutzhunde. Gehen auf Streife, schieben Nachtdienste und patrouillieren bei Fußballspielen. Drei der Diensthunde sind zusätzlich als Sprengstoffhunde ausgebildet, einer findet Leichen und eine der Supernasen filtert Brandmittel heraus. Fünf der insgesamt 15 Hunde wurden nach der rund dreimonatigen Schutzhundeausbildung als Rauschgiftsuchhunde qualifiziert. Ein weiteres Tier durchläuft gerade diese zehnwöchige Fortbildung. Anschließend kennt seine Nase die Basisgerüche aller Drogen. Wie seine Kollegen kann der Hund dann Heroin, Kokain, Haschisch, Marihuana, Amphetamin, Opium und Crystal Meth finden. Aber im Grunde sucht er keineswegs nach den Drogen, sondern vielmehr nach seinem Spielzeug. Denn in der Ausbildung hat er gelernt, dass das Spielzeug nach Rauschgift riecht. Und daher ist der verspielte Geselle begeistert bei der Sache, wenn es gilt, Drogen aufzuspüren. „Damit die Gerüche eingeübt werden können, stellt uns das Land Rauschgift zur Verfügung“, erläutert Marhofer das Prozedere. „Alle zwei Jahre wird es ausgetauscht, damit unsere Hunde immer die neueste Ware kennenlernen.“ „Henk“ kann niemand mehr etwas vormachen. Der elfjährige Malinois ist ein absoluter Profi in Sachen Drogensuche. An der Seite von Udo Zimmermann findet der belgische Schäferhund das Rauschgift, egal wie gut es versteckt ist. Seinen Riecher hat er in mehr als 300 Einsätzen bewiesen. „Dabei spielt es keine Rolle, ob wir in eine Wohnung kommen, in der es verführerisch nach Hündin, Katze oder Hundefutter riecht“, sagt Hundeführer Zimmermann. 30 bis 40 Mal suchen die Hunde im Jahr nach Drogen. Eine Knochenarbeit. Beim Sucheinsatz kommt das Tier derart auf Touren, dass die Körpertemperatur in den Fieberbereich ansteigt. Und auch der Alltag als Schutzhund im Nachtdienst oder im Getümmel einer Demo ist für die Tiere alles andere als leicht. Solange die Hunde eine jährliche Prüfung bestehen und Freude an der Arbeit zeigen, sind sie dabei. Scheiden sie aus dem Polizeidienst aus, werden sie meist dem Hundeführer geschenkt. Zuvor sind sie „Einsatzmittel“ der Polizei und gehören dem Land. Dieses zahlt sogar eine kleine Rente für den Vierbeiner. Die reicht laut Marhofer aber nicht aus, um ein alterndes Tier zu versorgen. Eine Rentenerhöhung für Kollege Hund wäre wünschenswert. Immerhin geht es ohne ihn nicht. Denn kein technisches Gerät kann seine Nase ersetzen und der Mensch schon gar nicht.

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