Kultur Südpfalz Souveräne Darbietung

Nachdem Olga Scheps bereits 2013 mit einem Solo-Recital Gast bei den Karlsruher Meisterkonzerten war, präsentierte sie jetzt im Konzerthaus Mozarts d-moll-Konzert KV 466. Es begleitete die in Landau gegründete Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Leitung von Andreas Henning.
Die 1986 in Moskau geborene Olga Scheps ist Tochter zweier Pianisten – ihr riesiges Talent lag also von Anfang an in berufenen Händen. 1992 übersiedelte die Familie nach Deutschland, wo Scheps in Köln bei Pavel Gililov studierte. Seit ihrem 15. Lebensjahr erhielt sie Unterricht bei Alfred Brendel, prominenter Mentor der jungen russischen Pianistin. Ihre Karriere führte sie bereits zu zahlreichen Orchestern mit berühmten Dirigenten, sie ist Gast auf vielen Festivals, hat schon vier CDs herausgebracht. Die rasche Tempo der Einleitung des Kopfsatzes (Allegro), die akzentuierten Synkopen ebenso wie ein eher herber, fast barscher Tonfall, legten die angenehme Vermutung nahe, dass hier kein Mozart im Weichspielmodus erklingen werde. Olga Scheps reagierte beim ersten Solo-Eintritt mit erlesener Phrasierung, schuf damit gleichsam einen Ausgleich, ein Gegengewicht. Einerseits das mit Verve vorantreibende, Synkopen-gestützte Moment und andererseits verinnerlichte, hoch expressive lyrische Verhaltenheit – ein Konzept, das nicht allein den ersten Satz, sondern das gesamte Konzert prägen sollte. Olga Scheps pflegt einen kernigen Ton, nichts wird gefühlig verzärtelt. Sie spielt präzise, schwungvoll, ohne aufgesetzten äußerlichen Elan. Auch die Durchführung geht sie zupackend an, die heftigen Akzente sind überzeugend, ihr Spiel wirkt – ganz im Gegensatz zu ihrer Grazien gleichen Erscheinung – durchaus willensbetont.Tadellos, mit Anmut, phrasiert Scheps den Anfang der Romance. Auch hier gilt bereits Gesagtes: Scheps’ Stil ist geprägt durch kernige Tongebung – alles wird klar ausgeleuchtet. Im schnellen Teil dieses Satzes deutete sich indes – je nach Geschmack – ein leichtes Defizit an. Er wirkte nämlich etwas kantig, schien mit vielen, nach Takten geordneten Betonungen, keiner übergeordneten Formidee zu folgen. Der Finalsatz (Allegro assai) präsentierte Zugriff mit Attacke, federnde Technik, Dialog mit den Bläsern, beeindruckte ganz generell durch Vitalität wie Esprit. Ein nicht geringer Anteil an dem positiven Eindruck des Mozart-Konzerts entfiel auf die aufmerksam-anpassungsfähige Begleitung durch das Orchester unter dem Dirigenten Andreas Henning. Bereits in der Ouvertüre aus „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck hatte die Staatsphilharmonie mit sattem Streicher-Sound gepunktet. Mit imposanter Gestik, der – im positiven Sinn – ein kindlich-verspieltes Moment eignet, gelang es Andreas Henning, das Orchester nach der Pause zu einer eindrucksreichen Leistung zu inspirieren. Im ersten Satz der ersten Sinfonie „Winterträume“ op. 13 von Tschaikowsky erlebte man die verschiedenen Streichersektionen quasi im Wettstreit. Der pulsierende Charakter, die schneidenden Akzente waren gut herausgearbeitet. Auch die anderen Sätze zeugten nachdrücklich von der hohen Qualität des Orchesters wie seines Dirigenten. Am 21. Mai gibt Olga Scheps einen Klavierabend in der Landauer Festhalle. (misc)