Kultur Südpfalz Sieben Bilder zur Leidensgeschichte
Mit dem morgigen Palmsonntag beginnt die Karwoche und damit der Blick auf die Passion sowie Auferstehung Christi. Die hat in der Kunstgeschichte des Abendlandes prägende Spuren hinterlassen und zu den größten künstlerischen Schöpfungen der Menschheit geführt. Erwähnt seien nur in der Musik die Passionen von Johann Sebastian Bach (die nach Matthäus erklingt morgen um 16 Uhr in der Speyerer Gedächtniskirche mit der Dommusik) und in der Malerei die Altarbilder von Matthias Grünewald. Dessen berühmtestes Werk entstand mit dem Isenheimer Altar im elsässischen Colmar. Doch es gibt andere, kaum minder starke Darstellung des Gekreuzigten von dem Künstler, der ja wahrscheinlich ganz anders hieß und von dessen Leben vieles im Dunkeln liegt. Eine davon ist im Besitz der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und gehört zu den besonderen „Prunkstücken“ des Museums. Auch die aufwendig restaurierte „Kreuztragung“ als ein Hauptwerk der deutschen Kunstgeschichte ist in der Kunsthalle zu sehen. Überhaupt: Von den wenigen erhaltenen Werken des Meisters – bekannt sind lediglich rund 25 Einzelkompositionen und etwa 35 Zeichnungen – besitzt die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe allein vier Gemälde und darüber hinaus die Zeichnung eines gekreuzigten Christus. Damit verfügt sie über den bedeutendsten Bestand an Werken Grünewalds in einem deutschen Museum. Ein Besuch in diesen Tagen in der Karlsruher Hans-Thoma-Straße lohnt sich also. Und das noch aus einem weiteren Grund. In der diesjährigen Passionszeit wartet die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe nämlich mit zwei Höhepunkten rund um die Tafeln der sogenannten „Karlsruher Passion“ auf. Diese um 1450 gemalte Bildfolge wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt auseinandergerissen. Sieben Tafeln sind erhalten: Sechs Tafeln befinden sich im Besitz der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, die siebte Tafel gehört zur Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums & Fondation Corboud Köln. Nun ist es in enger Absprache mit den Kollegen in Köln gelungen, diese Tafel, die die Gefangennahme Christi zeigt, für zunächst zwei Jahre als Leihgabe nach Karlsruhe zu holen. Damit sind die sieben bekannten Tafeln erstmals langfristig in einem Museum vereint und für die Besucher an einem Ort zugänglich. Die Bilder der „Karlsruher Passion“ zählen zu den bedeutendsten Werken, die um die Mitte des 15. Jahrhunderts am Oberrhein geschaffen wurden. Durch ihre neuartige, sehr ausdrucksstarke und wirklichkeitsnahe Erzählweise grenzt sie sich von der früheren Malerei am Oberrhein ab. Der Name des vermutlich in Straßburg ansässigen Künstlers ist nicht bekannt. Den Direktoren der Kunsthalle war die Bedeutung der Tafeln bewusst. Generation für Generation bemühten sie sich, weitere Teile des Zyklus’ im Kunsthandel oder in öffentlichem wie privatem Besitz aufzuspüren und dauerhaft für die Kunsthalle zu gewinnen. Karl Ludwig Frommel erwarb 1858 die „Dornenkrönung Christi“, 1920 Willy Storck die „Kreuzaufnagelung Christi“. Lilly Fischel kaufte 1928 die „Entkleidung Christi“ und 1941 Kurt Martin die „Kreuztragung Christi“. Nach dem Krieg kam 1957 unter Jan Lauts „Christus am Ölberg“ nach Karlsruhe – und 1999 hat Klaus Schrenk die „Geißelung Christi“ erworben. Die Zusammenführung der sieben Tafeln ist für die Kunsthalle der Anlass, das traditionelle Passionsprogramm ganz der „Karlsruher Passion“ zu widmen. Vom Palmsonntag bis zum Ostersonntag, 1. April, steht täglich eine der Tafeln im Mittelpunkt einer Führung, die jeweils von einem Theologen und einem Kunsthistoriker gestaltet wird. Beginn ist an allen Tagen um 16.30 Uhr. Am Montag, 26. März, wird keine Führung angeboten, da die Kunsthalle an diesem Tag regulär geschlossen ist. Am Karfreitag ist um 18 Uhr im Feuerbachsaal der Kunsthalle zudem ein Konzert. Hier wird eine Verbindung zwischen den Werken der „Karlsruher Passion“ und Musik für Violine solo geschaffen. Es musiziert Christian Ostertag von der Hochschule für Musik Karlsruhe. Info Details zu den einzelnen Führungen sind im Kalender der Kunsthalle unter www.kunsthalle-karlsruhe.de abrufbar.