Rheinpfalz Sich die Ernte teilen
Die Solidarische Landwirtschaft (Solawi) segelt auf Erfolgskurs. Im vierten Jahr ihrer Umsetzung auf dem Wahlbacherhof in Contwig zieht Mit-Initiatorin Marlene Herzog eine positive Bilanz: Über 100 „Mitmacher“-Familien unterstützen das Projekt bäuerlicher Produktvielfalt – mit festen Monatsbeiträgen und mit gelegentlich tatkräftiger Hilfe. Im Gegenzug erhalten sie wöchentlich frische Lebensmittel, Einblicke in die Produktion und Beteiligungsmöglichkeiten am Hofprogramm.
„Derzeit sind 142 Anteile ausgegeben. Weiter wollen wir nicht wachsen“, erläutert Herzog, dass Überschaubarkeit zu den Prinzipien ihrer Philosophie gehört. Der zentrale Punkt dieser Philosophie: Nicht der Markt oder ökonomische Zwänge bestimmen Produktpalette und Anbauverfahren, sondern die erwähnten „Mitmacher“. Durchweg Menschen aus einem Umkreis von 30 Kilometern, viele mit Kindern, die das breite Angebot schätzen und zugleich traditionelle Strukturen in der Landwirtschaft erhalten wollen. Ihr Beitrag: Um die 110 Euro für einen vegetarischen Anteil; etwa fünf Euro mehr kostet es für Personen, die Fleisch essen. Für Kinder unter fünf gibt’s einen kostenlosen Kleinkind-Anteil. Was jedem dann an Gemüse, Obst, Fleisch oder Kartoffeln zusteht, ist auf Kärtchen festgehalten; abgeholt wird in Selbstbedienung. Zu kleineren Problemen kam es dabei nur am Anfang. „Das Prinzip der Solidarität greift durchaus, und es war einfach Unwissen, wenn mal ein Urlaubsvertreter das falsche Sortiment für die Nachbarn zusammengestellt hat“, bekräftigt Herzog. Beschwerden und Anregungen nimmt auch in solchen Fällen das zwölfköpfige Hofkomitee entgegen. Der Umstand, dass 80 Prozent der „Mitmacher“ ihre jeweiligen Jahres-Anteile verlängern, spreche aber für sich. Tatsächlich steht Solidarität als zentraler Begriff im Hof-Alltag. „Das haben wir nicht zuletzt nach dem Brand unserer Scheune erlebt“, berichtet Marlene Herzog. Auch die Organisation von Stroh-Kino, Hoffest, Vorträgen oder Drachenbau im Herbst erfolgt ehrenamtlich, und ein Finanz-Fachmann kümmert sich um den Einzug der Anteils-Beiträge. Zur Sozial-Utopie ist die Solidarische Landwirtschaft dadurch nicht geworden, denn Investitionen und Löhne bedeuten klare Vorgaben, und fünf Prozent der Einnahmen fließen in eine Rücklage. Ähnlich wie bei konventionellen Bauern, die – nach Herzogs Wahrnehmung – anfangs skeptisch waren, was das Funktionieren der Solawi angeht. Begonnen hat das Projekt im Mai 2015, als Landwirt Manfred Nafziger seinen 65 Hektar-Hof in eine Kommanditgesellschaft einbrachte. Als deren Geschäftsführer fungiert Herzogs Ehemann Marc Grawitschky, als weitere Mitarbeiter sind übers Jahr fünf Personen beschäftigt. Seit dem Übergang ist vor allem die Gemüse-Anbaufläche auf dem seit 1981 ökologisch bewirtschafteten Betrieb gewachsen. „Wir bauen zwei weitere große Gewächshäuser“, erläutert Marlene Herzog aktuelle Pläne. Die abgebrannte Scheune werde wieder aufgebaut, Getreidereinigung und Werkstatt wieder hergestellt. Bei den an die 20 Glan-Rindern und -Kühen soll ein traditionelles Herdenmanagement umgesetzt und hierzu der Stall umgebaut werden; die Schweine fallen – weil Stall-Investitionen zu hoch wären – vorerst ganz weg. Das kleine Dutzend Schafe der alten Rasse Skudde und die 400 Hühner stehen für einen typischen Gemischtbetrieb; im Gemüse- und Salat-Anbauplan haben sich etwa 40 Sorten etabliert. Einschließlich der neu eingeführten Linsen, die laut Herzog bei den Kunden sehr gut ankommen.