Rheinpfalz „Seit über einem Jahr Stillstand“

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Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler hat gestern beim Gespräch in der Kuseler RHEINPFALZ-Redaktion kritisiert, dass bei der „Zukunftswerkstatt“ für Gesundheit und Pflege der Verbandsgemeinden Kusel, Altenglan und Lauterecken-Wolfstein „seit mehr als einem Jahr Stillstand“ herrsche.

„Das ist schade für die Region“, sagte Bätzing-Lichtenthäler. Das Projekt „Zukunftswerkstatt“ sieht vor, dass Kommunalpolitik, Ärzte, Krankenhäuser, Pflegedienste und Kassenärztliche Vereinigung bei zumindest zwei Workshops sowie einer Abschlussveranstaltung gemeinsam überlegen, wie die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum sichergestellt werden kann. In der Zeit zwischen den Veranstaltungen soll an der Umsetzung der Ergebnisse gearbeitet werden. Wie berichtet, war Anfang 2015 der Kuseler Mittel- und Nordkreis als einer von mehr als 30 Bewerbern für die „Zukunftswerkstatt“ ausgewählt worden. Aber: „Getagt wurde nur ein einziges Mal, seither ist nichts mehr passiert“, kritisierte die Ministerin. Damit sei die Region eines von nur zwei Projekten, „bei denen es nicht läuft“. In den anderen 18 ausgewählten Kommunen im Land werde intensiv an der Umsetzung gearbeitet. Von den betroffenen Kommunen im Kreis Kusel heiße es, die Ärzte hätten kein Interesse, sich damit auseinanderzusetzen, berichtete die Ministerin. „Aber dann müssen die Kommunen die Initiative ergreifen und erneut auf die Ärzte zukommen“, forderte sie. Ihr Eindruck von der ärztlichen Versorgung in der Region: „Derzeit geht es gerade, aber in fünf bis zehn Jahren wird es wieder eng.“ Anfang 2017 will das beauftragte Institut aus Frankfurt erste Ergebnisse zur „Zukunftswerkstatt“ veröffentlichen. Ein Problem sei aber auch: Bei aller Unterstützung, die Förderprogramme des Landes bieten könnten, müssten sich erstmal Ärzte finden, die in strukturschwachen Regionen praktizieren wollen. Die Ansprüche an Vereinbarkeit von Familie und Beruf würden immer höher – vor allem bei den Frauen, die 70 Prozent der Medizinstudenten ausmachten. Da sei der Respekt groß vor einer Praxis auf dem Land, die Einsätze rund um die Uhr sowie viel Selbstorganisation verheiße. Allerdings weiß Bätzing-Lichtenthäler aus Gesprächen mit jungen Ärzten, dass sich die Schichten in großen Kliniken im Nachhinein oftmals als schwieriger vereinbar mit der Familie darstellten als das relativ freie Selbstmanagement eines Landarztes. Medizinische Unterversorgung sei im Kreis Kusel zumindest aktuell nicht gegeben. Bätzing-Lichtenthäler nahm gestern auch noch mal Bezug auf mehrere Artikel der „Westricher Rundschau“, die 2015 eine von ihrem Ministerium herangezogene Studie kritisiert hatten, in der von guter Versorgung im Nordkreis die Rede gewesen war. „Klar, es ist nur Statistik“, bekannte die Ministerin. „Das bringt mir alles nichts, wenn ich in einer Gemeinde wohne, die keinen Arzt mehr hat.“ Derzeit werde daher beispielsweise beim Bundesgesundheits- und -wirtschaftsministerium sowie den entsprechenden Stellen bei den Ländern auch die Möglichkeit diskutiert, Studenten finanziell zu unterstützen, die frühzeitig zusagen, später auf dem Land zu praktizieren. Einige Kommunen setzten auch schon die Idee um, langfristig Kontakte zu den Abiturienten aus ihrem Gebiet zu halten, um diese später als ausgebildete Mediziner zur Rückkehr zu bewegen. Sorge bereiten Bätzing-Lichtenthäler aber vor allem auch die Pflegeberufe. Die stünden nicht so sehr in der öffentlichen Diskussion – dort gebe es aber landesweit den nächsten großen Engpass. Für die Überlegungen bei der Berufsbildenden Schule Kusel, Pflegeberufe ins Ausbildungsprogramm aufzunehmen, würde es in jedem Fall offene Ohren geben, prognostizierte die Ministerin. |wop/tmü

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