Rheinpfalz Schwerer Stand für Platzhirsche

Um auch in Zukunft bestehen zu können, brauchen Unternehmen Mitarbeiter, die Leidenschaft, Kreativität und Initiative mitbringen
Um auch in Zukunft bestehen zu können, brauchen Unternehmen Mitarbeiter, die Leidenschaft, Kreativität und Initiative mitbringen. Die werden auch zunehmend gesucht. Aber noch sind Unternehmen viel zu selten bereit, für diese Eigenschaften auch zu zahlen. Sie zahlen für Eigenschaften wie Intelligenz Sorgfalt oder Fleiß. Die sind wichtig, aber zukunftsorietiert gedacht nicht mehr ausreichend, sagt Fachmann Peter Kreutz.

Einen Perspektivwechsel, einen Blick über den Tellerrand versprach Landrätin Susanne Ganster am Donnerstag beim fünften gemeinsamen Unternehmertag der Wirtschaftsförderungen des Landkreises Südwestpfalz und der Stadt Zweibrücken den 250 Gästen im Bürgerhaus „Schuhfabrik“ in Waldfischbach-Burgalben.

Diesen Perspektivwechsel ermöglichte Peter Kreutz mit seinem Vortrag „Zündstoff für Andersdenkende“, der Unternehmern und Führungskräften die Chance eröffnete, sich selbst als Führungskraft und das eigene Unternehmen mit Blick auf die Zukunftsperspektiven kritisch unter die Lupe zu nehmen. Nicht nur die jährlich verpflichteten hochkarätigen Gastredner – Kreutz lehrte unter anderem als Professor an der Uni Wien, ist seit 2001 in Heidelberg gemeinsam mit seiner Frau selbstständig als Autor und in den Bereichen Beratung, Vortragsreden tätig und bereitet gerade die Initiative „Rebels at work“ vor – machen den Unternehmertag zum Höhepunkt im Jahr der Wirtschaftsförderungsgesellschaften. Auch die Möglichkeit zu netzwerken, sich über Branchen hinweg auszutauschen, sei wichtig, unterstrich die Wirtschaftsfördererin des Kreises, Miriam Heinrich. Dass dabei beide Gebietskörperschaften bei der Wirtschaftsförderung zusammenarbeiten, sei ein enormer Vorteil, unterstrich Zweibrückens Bürgermeister Christian Gauf. Der Kreis sei gut aufgestellt. Gewerbeflächen seien gut nachgefragt, sagte Heinrich. Ganster erklärte, dass der Ausbau des Highspeed-Internets im Kreis plangemäß laufe. Das seien Rahmenbedingungen, die passen oder passend gemacht werden. Dazu braucht es gutes Personal. Die hohe Lebensqualität, die der Region bescheinigt worden sei, sei ein Argument, um Führungskräfte von morgen zu rekrutieren, sagte Ganster. Aber es braucht auch Unternehmer, die erkennen, dass Mitarbeiter ganz neue Anforderungen erfüllen müssen, nahm Kreutz die Unternehmen in die Pflicht. Die Zeiten, in denen ein Unternehmenspionier wie Henry Ford noch sinngemäß beklagte, dass immer ein Gehirn mitkomme, wenn er zur Arbeit nur zwei Hände brauche, seien lange vorbei. Intelligenz und Sorgfalt seien längst wichtige Eigenschaften von Mitarbeitern. Aber um als Unternehmen in Zukunft bestehen zu können, brauche es Mitarbeiter, die Initiative und Leidenschaft mitbringen, die kreativ sind. Das werde zwar zunehmend gesucht, aber zu wenige Unternehmen seien bereit, dafür zu bezahlen. Kreutz ging auf das wichtige Thema Unternehmenskultur ein. Die müsse so sein, dass Mitarbeiter die Sicherheit haben, Dinge aufgrund ihrer Erfahrung in Frage stellen zu können. Respekt und Toleranz seien wichtige Faktoren. Gebe es in einem Unternehmen eine gute Sicherheitszone und niedrige Ziele, arbeite der Mensch in einer Komfortzone. Das reiche nicht, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Kontraproduktiv sei ein Unternehmen mit hohen Zielen und geringer Sicherheit. Dort herrsche bei den Mitarbeitern Angst. Überleben könne ein Unternehmen, wenn es gelinge, eine Zone des Lernens (hohe Ziele und hohe Sicherheit) zu etablieren. Kreutz empfahl den Unternehmern, mal einen Innovationstag im Unternehmen anzubieten. Dazu brauche es die Sicherheit für die Mitarbeiter, sich frei äußern zu können, Vertrauen in die Mitarbeiter. Sind diese Voraussetzungen gegeben, wird den Mitarbeitern die Chance eröffnet, sich 24 Stunden abseits vom Alltagsgeschäft mit dem eigenen Unternehmen auseinanderzusetzen. Dabei entwickelten diese oft die besten Ideen, berichtete Kreutz. Mit vielen Beispielen aus der Praxis belegte Kreutz seine Forderungen, warum Unternehmen aus ihrer Komfortzone kommen müssen. Es gebe keine zu verrückten Ideen, unterstrich Kreutz und nannte als Beispiel ein Londoner Krankenhaus, das seine Abläufe, zum Beispiel bei Operationen, durch eine Kooperation mit dem Ferrari-Formel-1-Serviceteam extrem verbesserte. Über den Tellerrand schauen, von anderen Branchen erfolgreiche Modelle adaptieren, sei wichtig, sagte Kreutz. Unternehmer müssten immer ins Kalkül ziehen, dass sie mit Ideen scheitern können. Das sei genau so wichtig wie zu wissen, dass es nicht nur darum gehen dürfe, ein Schiff, sprich ein Unternehmen, nicht zu versenken, sondern dass ein zukunftsorientiertes Unternehmen auch kein Schiff, keine Entwicklung verpassen dürfe. Letzteres passiere oft. Erfolgreiche Innovationen kommen oft von Branchenfremden. Vermeintliche Platzhirsche, die nicht bereit sind anders zu denken, bleiben auf der Strecke.

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