Fußball
Sieg vor 1200 Zuschauern gegen SC Stambach: FV Münchweiler steigt in A-Klasse auf
Da saß er ganz alleine auf dem Rasen des FK Clausen, der Spieler mit der Nummer 19 auf dem Trikot. Seine Augen waren feucht, und ab und zu rollte eine Träne die Wange runter. Für ihn, er heißt Julian Kölsch, war es besonders emotional am Samstag um 18.58 Uhr, als Schiedsrichter Julian Haßler auf dem Rasenplatz am Hanauer Ring in Clausen zum letzten Mal in diesem Match seine Pfeife benutzte. Seine FV Münchweiler hatte nach zwei Kölsch-Toren das dritte und entscheidende Spiel gegen den SC Stambach um den Aufstieg in die Fußball-A-Klasse vor 1200 Zuschauern mit 2:1 gewonnen.
Insgesamt sechs Stunden und etliche Nachspielminuten hatten die in Grau spielenden Grünen aus dem Rodalbtal um den Aufstieg gekämpft. Erst schlugen sie im Hauensteiner Stadion am Neding den punktgleichen SC Busenberg im Entscheidungsspiel um Platz zwei in der B-Klasse Ost. Es folgte eine 2:3-Heimniederlage im ersten Match gegen Stambach, den Vizemeister der B-Klasse West. Dann siegte Münchweiler mit 4:0 in Stambach und erzwang so ein drittes Match, in dem ein 2:1-Sieg gelang. Insgesamt fast 4000 Zuschauer hatten diese vier Partien.
„Ein harter Weg“
„Das war ein harter Weg. Wir haben das beste Publikum der Welt“, sagte der strahlende FVM-Vorsitzende Andreas Bischoff, der mit seiner blauen Trompete im Laufe der Partie immer und immer wieder zur Attacke geblasen hatte. Kölsch, der nun zum FC Rodalben zurückkehrt, schwärmte vom Klima bei der Fußballvereinigung. „Hier ist alles intakt. Jeder ist immer gut gelaunt und positiv. Das ist ein Riesenerfolg für uns“, betonte der 31-jährige Stürmer. FVM-Spielmacher Felix Lapot feierte ausgerechnet auf dem Rasen des FK Clausen, bei dem er in der kommenden Saison als Spielertrainer tätig sein wird, den Aufstieg. Sein Fazit: „Das war einfach super heute. Ab der 40. Minute haben wir die hinten reingedrängt. Jetzt trinken wir noch 83 Bier.“ Ihren Anteil am Aufstieg habe auch Physiotherapeutin Paula Klein, die das Team „bestens unterstützt“ habe.
„Wir wollten es alle unbedingt. Die waren am Schluss k. o.“, sagte der im FVM-Trikot verletzt zuschauende Marvin Thürling, der anmerkte. „Ich bin 31 Jahre und froh, so was noch einmal erleben zu dürfen,“
Unermüdlicher Hörner
Enttäuschung pur indes bei den Stambachern, die sich als ungemein faire Verlierer zeigten, allen voran der unermüdlich rackernde Spielertrainer Steven Hörner. „Wir hatten in der Schlussphase zwei dicke Möglichkeiten, um uns in die Verlängerung zu retten. Das haben wir nicht geschafft. Wir greifen kommende Saison mit fünf teils jüngeren Spielern wieder an“, sagte Hörner, der wenige Minuten nach dem Schlusspfiff der einzige Stambacher auf dem Rasen war.
In der ersten Spielhälfte boten die Aufstiegskandidaten keinesfalls Fußball zum Zungenschnalzen. Verbissen wurde um jeden Meter Rasen gekämpft. Eine Aktion ragte heraus: Hörner spielte den perfekten Pass auf den schnellen Tim Leßmeister, der cool den SCS in Führung brachte (29.).
Herrliches Freistoßtor
Dann krempelten die Münchweilerer die Ärmel hoch, setzten Stambach unter Druck und kamen in der 63. Minute zum Ausgleich, als Kölsch den Ball bei einem Freistoß aus 20 Metern in den Torwinkel platzierte. Münchweiler blieb am Drücker. Die Anteile am Siegtreffer teilen sich Linksaußen Jonas Schwinzer und Julian Kölsch. Schwinzer eroberte im linken Mittelfeld den Ball, spurtete an die Grundlinie und passte perfekt auf Kölsch, dessen linker Fuß von Stambach nicht zu verteidigen war – 2:1 (77.). Der Rest des Wegs in die A-Klasse war Willenssache.
Den Akteuren beider Teams war die Belastung der letzten beiden Wochen anzumerken. Nach sechs langen Nachspielminuten und dem Schlusspfiff des guten Schiris gab es bei der FVM kein Halten mehr.