Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Schweinebauch, Wildgarnele, Grumbeersupp: Das bieten die neuen Pfälzer Sterne-Lokale

Führen seit 2014 den „Admiral“ in Weisenheim am Berg: Martina Kraemer-Stehr und Holger Stehr.
Führen seit 2014 den »Admiral« in Weisenheim am Berg: Martina Kraemer-Stehr und Holger Stehr. Foto: Franck

Am Pfälzer Feinschmecker-Himmel erstrahlen zwei neue Sterne: Diese Auszeichnung des „Guide Michelin“ bekamen jetzt auch das Restaurant „Admiral“ (Weisenheim am Berg) und die Weinbar „The Izakaya“ (Wachenheim).

In der Pfalz gibt es damit jetzt insgesamt neun Lokale mit einem „Michelin“-Stern. Behalten haben diese Auszeichnung: „L.A. Jordan“ (Deidesheim), „Intense“ (Kallstadt), „Schwarz Gourmet“ (Kirchheim), „Alte Pfarrey“ (Neuleiningen), „Urgestein“ im Steinhäuser Hof (Neustadt), „Die Brasserie“ (Pirmasens) und das von Kerstin und Faycal Bettioui geführte Restaurant „Zur Krone“ (Neupotz), das erst vergangenes Jahr in die Liga der Feinschmecker-Adressen aufgestiegen war.

„Schwarzer Hahn“ jetzt ohne Stern

Verloren hat seinen bisherigen „Michelin“-Stern dagegen der „Schwarze Hahn“ in Deidesheim. Das Restaurant, das zum Deidesheimer Hof gehört, hatte diese Auszeichnung zuvor 30 Jahre lang inne.

Belobigt wird mit einem „Michelin“-Stern „eine Küche voller Finesse“, die den Testern zufolge „einen Stopp wert ist“. Der neue „Guide Michelin Deutschland 2020“ wurde am Dienstag vorgestellt.

„Wir sind noch in Schockstarre“

Riesengroß war die Freude über den Stern bei Martina Kraemer-Stehr (36) und Holger Stehr (53), die seit 2014 den „Admiral“ in Weisenheim am Berg (Kreis Bad Dürkheim) führen. „Wir sind noch in Schockstarre“, sagte die Restaurant-Chefin lachend. Das Ehepaar macht gerade ein paar Tage Urlaub in Tirol und hatte eigentlich geplant, die Kurzferien für einen Abstecher nach Hamburg zu unterbrechen. Dort wollte Michelin ursprünglich am Dienstag die Bekanntgabe der neuen Sterne-Lokale feierlich zelebrieren, die Veranstaltung wurde jedoch mit Blick auf das Coronavirus abgesagt. Stattdessen gab es im Internet einen Livestream zu sehen. „Das haben wir natürlich verfolgt, so etwas Tolles glaubt man ja erst, wenn man es Schwarz auf Weiß sieht“, meinte Martina Kraemer-Stehr danach im RHEINPFALZ-Gespräch.

Keine Festlegung auf eine bestimmte Küche

Das Restaurant des Ehepaars bietet 25 Plätze und an den Öffnungstagen zwei Menüs zu Preisen zwischen 54 (drei Gänge) und 93 Euro (sieben Gänge). Den Stil ihres Mannes beschreibt Martina Kraemer-Stehr als „Crossover-Küche“ ohne eine Festlegung auf deutsche, klassisch-französische oder mediterrane Gerichte: „Er kocht mit allem, was ihm vor die Nase kommt und worauf er Lust hat.“ Zuletzt war dies beispielsweise „Skrei von den Lofoten, dazu belgische Endivie in Sobrasada confiert, Datteln, cremiger Mais und Champagner-Nage“ oder „Schweinebauch & Rote Wildgarnele, dazu Rettich, Garnelen- Dim Sum, Rosa Grapefruit, Avocado“.

Holger Stehr ist gelernter Konditor aus Kaiserslautern, seine Partnerin Restaurantfachfrau und Sommelière, beide waren vor der Übernahme des „Admirals“ im „Ketschauer Hof“ in Deidesheim tätig.

Stern für den Sternekoch

Quasi einen Doppel-Stern hat sich der junge Pfälzer Küchenchef Benjamin Peifer (33) jetzt erkocht. Bereits mit einem „Michelin“-Stern ausgezeichnet ist sein 2017 eröffnetes Restaurant „Intense“ in Kallstadt (Kreis Bad Dürkheim). Zuvor hatte er im Neustadter Spitzenrestaurant „Urgestein“ gekocht, das 2013 erstmals mit einem Stern im „Guide Michelin“ ausgezeichnet wurde. 2018 eröffnete Peifer dann zusätzlich zum „Intense“ zusammen mit dem Weinfachhändler und Winzer Johannes Lochner in Wachenheim (Kreis Bad Dürkheim) die Weinbar „The Izakaya“ – was im Japanischen sinngemäß „sitzen und trinken“ bedeutet.

Die Gäste lieben es gemütlich

Das mit dem „Sitzen“ ist bei den Gästen offenbar willkommen. „The Izakaya“ sei ursprünglich als Weinbar geplant gewesen, habe sich mit der Zeit aber zum Restaurant entwickelt, sagt Peifer. Die Nachfrage bestehe offenbar eher nach gutem Essen beim gemütlichen Sitzen und weniger nach einem barmäßigen Aufenthalt mit Getränken und nur Kleinigkeiten zum Snacken. Im „The Izakaya“ gibt es jeweils ein Fünf-Gänge-Menü des Tages für 75 Euro, aktuell beispielsweise mit „Tataki vom Saibling, dazu Spitzkohl und Dashiessig mit Kujio Negi“ und Grumbeersupp „Izakaya Style“.

Große Weinhandlung inclusive

Wie Peifer das schafft, an zwei Orten eine Sterne-Küche zu bieten? Im „Intense“ gibt es vier Köche, in der Restaurant-Bar zwei; vorbereitet und geplant wird aber alles in Kallstadt. „Wir schauen dann, dass alles passt“, sagt der gebürtige Speyerer. „The Izakaya“ angeschlossen ist die von Lochner geführte Weinhandlung „Rohstoff“, die mit ihrem großen Sortiment zunächst in Neustadt war und dann nach Wachenheim übersiedelte.

Das einzige Haus mit drei Michelin-Sternen in Rheinland-Pfalz ist weiterhin das Waldhotel „Sonnora“ in Dreis (Kreis Bernkastel-Wittlich). Dazu gibt es vier Zwei-Sterne-Lokale in Bad Neuenahr-Ahrweiler, Piesport, Andernach und Trier sowie 21 Restaurants mit einem Stern.

Info

Der Guide Michelin Deutschland 2020 ist ab 6. März für 29,95 Euro im Buchhandel erhältlich. Er empfiehlt auf 756 Seiten insgesamt 1579 Restaurants und 524 Hotels.

Erfolgreich mit ihrem Gemeinschaftsprojekt in Wachenheim: Benjamin Peifer (links) und Johannes Lochner.
Erfolgreich mit ihrem Gemeinschaftsprojekt in Wachenheim: Benjamin Peifer (links) und Johannes Lochner. Foto: Lepthien
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