Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Pilotprojekt in Pirmasens mit Erfolg: SB-Kassen im Wasgau-Markt kommen bei Kunden an

Die SB-Kassen im Wasgau-Markt in der Bitscher Straße in Pirmasens kommen gut bei den Kunden an: 14 Prozent aller Zahlungen werde
Die SB-Kassen im Wasgau-Markt in der Bitscher Straße in Pirmasens kommen gut bei den Kunden an: 14 Prozent aller Zahlungen werden über die Selbstbedienungskassen abgewickelt.

Die SB-Kassen im Wasgau in der Bitscher Straße werden gut genutzt – nicht nur von jungen Menschen. Das System funktioniert. Die nächsten Märkte sollen folgen.

Der Pirmasenser Lebensmittelkonzern hat sich etwas länger Zeit gelassen mit der Einführung der sogenannten SCOs – der Name steht für Self-Checkout-Systeme, sprich Kassen, an denen der Kunde die Waren selbst scannt und bezahlt, ohne Personal in Anspruch zu nehmen. Das gibt Milan Bucalo, Geschäftsführer der Wasgau Einzelhandels GmbH, unumwunden zu. Aber es gibt Gründe dafür: Schon vor sieben Jahren hat die Wasgau mit den Planungen für diese Kassensysteme begonnen, dann aber kam Corona – und der Einzelhandel hatte wichtigere Themen. Im vergangenen Jahr wurden die SCOs aber wieder aktuell, die „alten“ Planungen wieder aufgenommen und im Oktober das Pilotprojekt im großen Wasgau-Markt in der Bitscher Straße gestartet.

Und das mit Erfolg: Die Zahlen, die Bucalo vorlegt, können sich sehen lassen. Nach etwas mehr als einem halben Jahr laufen 21 Prozent der bargeldlosen Zahlungen über die Self-Checkout-Kassen, insgesamt ist es ein Anteil von 14 Prozent an allen Zahlungen. Dass es diesen Unterschied gibt, liegt an der (noch) fehlenden Möglichkeit, mit Bargeld zahlen zu können. Die Wasgau hat in der ersten Phase der SCO-Einführung auf die Bargeld-Möglichkeit verzichtet, weil für sie größere Investitionen notwendig sind. Nach dem erfolgreichen Start soll demnächst aber auch die Bargeldzahlung an den SB-Kassen möglich sein.

Neue Standorte ins Auge gefasst

Aber nicht nur das: Das SCO-System wird noch ausgebaut. Momentan arbeitet der Lebensmittelkonzern daran, dass zeitnah Handscanner eingesetzt werden können. Kunden können damit bei großen Einkäufen die Waren schon am Regal Einscannen, sodass an den SCO-Kassen nur noch die Bezahlung anfällt. Bucalo: „Wir befinden uns gemeinsam mit dem IT-Dienstleister schon in der Vorbereitung.“

Nachdem das SCO-Pilotprojekt „ganz klar ein Erfolg ist“, so der Geschäftsführer der Wasgau-Einzelhandelsmärkte, plant der Lebensmittelkonzern weitere Standorte damit auszurüsten. „Interessant sind natürlich Standorte mit vielen kleinen Bons und viel Laufkundschaft, größere Standorte haben wir ebenfalls im Blick“, macht Bucalo deutlich, an welchen Standorten die SB-Kassen sinnvoll sind. Denn eines ist auch klar: „Nicht jeder Wasgau-Markt wird SCO-Kassen bekommen.“ Neben der Zusammensetzung der Kundschaft spielt auch eine Rolle, ob in der Kassenzone genug Platz für die SCO-Kassen ist.

Nicht nur eine Sache für junge Kunden

Dass sich der Erfolg mit den SB-Kassen dermaßen schnell eingestellt hat, liegt vor allem an den Wasgau-Kunden, die sie seit dem ersten Tag nutzen. Anhand der Zahlen hat sich schnell gezeigt, dass sie nicht nur für den schnellen kleinen Einkauf genutzt werden. Bucalo: „Der Durchschnittskassenbon liegt über 20 Euro, der größte Bon liegt bei über 300 Euro für einen vollen Einkaufswagen.“ Und mit einem weiteren großen Vorurteil räumt der Geschäftsführer auch gleich auf: „Das ist nicht nur eine Sache junger Kunden, es gibt keine Altersgrenze an den SCO-Kassen.“

Getränkegebinde sind längst kein Problem mehr an den SB-Kassen: Im Wasgau-Markt in der Bitscher Straße in Pirmasens wird der Kun
Getränkegebinde sind längst kein Problem mehr an den SB-Kassen: Im Wasgau-Markt in der Bitscher Straße in Pirmasens wird der Kunde gefragt, ob er eine Einzelflasche oder ein Gebinde kauft.

Dass die Wasgau etwas später bei der Einführung der SCO-Kassen ist, hat auch seine Vorteile. Die „Kinderkrankheiten“ des Systems sind längst ausgemerzt. In den Anfängen der SB-Kassen waren Getränkegebinde immer einmal ein Problem: Heute kann der Kunde an den SCO-Kassen im Wasgau eine Getränkeflasche scannen und wird vom Kassensystem automatisch gefragt, ob er eine Einzelflasche oder ein Gebinde hat.

Auch die Alterskontrolle für Alkohol und Tabak wird immer wieder als Pferdefuß der SB-Kassen angesehen. Die Kontrolle findet natürlich statt, betont Bucalo, lange Wartezeiten müssen Kunden in den allermeisten Fällen aber nicht in Kauf nehmen. „Wir haben einen Leitstand an den SCO-Kassen, der bei hohem Betrieb besetzt ist und die Freigabe geben kann“, erklärt Bucalo. Ist der Leitstand bei geringerem Betrieb nicht besetzt, wird eine Freigabe-Anfrage an die Hauptkasse gesendet. Die Kassiererin schaut und erteilt die Freigabe, wenn das Alter des Kunden eindeutig ersichtlich ist, kann bei Zweifeln aber auch Personal anfordern, dass sich um die Kunden kümmert.

Die Altersfreigabe beim Kauf von Alkohol oder Tabak an den SB-Kassen im Wasgau-Markt in der Bitscher Straße in Pirmasens erfolgt
Die Altersfreigabe beim Kauf von Alkohol oder Tabak an den SB-Kassen im Wasgau-Markt in der Bitscher Straße in Pirmasens erfolgt entweder vom Leitstand aus oder vom Kassenpersonal nebenan.

Mehr Diebstähle? „Wer klauen will, der klaut.“

Dass SB-Kassen nicht von älteren Kunden genutzt werden, dass Gebinde oder Alterskontrollen zu viel Zeit kosten, sind nicht die einzigen Vorurteile, die durch die Gesellschaft geistern. Immer wieder wird auch argumentiert, dass diese Selbstbedienungskassen Arbeitsplätze gefährden. Natürlich sei diese Angst auch beim Personal in der Bitscher Straße präsent gewesen, gesteht Bucalo, weshalb die Mitarbeiter von Anfang an mitgenommen wurden, um alle Ängste und Befürchtungen auszuräumen. „Durch SCO-Kassen werden definitiv keine Arbeitsplätze gefährdet“, betont Bucalo: „Wir haben so viel Arbeit im Markt, für die wir personelle Ressourcen brauchen. Ob auf der Fläche oder in der Kassenzone, es gibt jede Menge zu tun. Wir haben gerade bei Wasgau in den Märkten viele langjährige Mitarbeiter, deren Kompetenz wir nutzen wollen.“ Indem sie vom Kassieren entlastet werden, könnten sie dort eingesetzt werden, wo die Arbeit anfällt, ergänzt der Geschäftsführer: „Arbeitsplatzabbau ist bei der Installation von SCO-Kassen niemals die Intention.“

Kritisiert wird immer wieder, dass es SB-Kassen Ladendieben leichter machen, sogar von einem Rückzug mancher Handelsunternehmen ist die Rede. Eine Haltung, die der Wasgau-Geschäftsführer nicht nachvollziehen kann. „Wer klauen will, der klaut“, sagt er kurz und bündig, das habe nichts mit SCO-Kassen zu tun: „Kleinstdiebstähle hat man immer.“ Seit der SCO-Einführung in der Bitscher Straße hat der Lebensmittelkonzern noch nicht gemerkt, dass Diebstähle ein Maß angenommen haben, das nicht akzeptabel ist. Nach dem ersten kompletten Jahr mit den SB-Kassen lasse sich genauer sagen, ob sie sich ausgewirkt haben. Bucalo: „Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass wir ehrliche Kunden haben.“

Mehr zum Thema
x