Rheinpfalz
Schulhäuser im Landkreis Kusel: Das alte Schulhaus in Steinbach
„Endlich ist ein jahrzehntelanger Traum der Steinbacher Wirklichkeit geworden“, schrieb der Lehrer Alfred Junker 1932 in das Schultagebuch. Nach einem längeren Kampf hatte die Gemeinde eine notwendige neue Schule erhalten, eine der modernsten im Kreis Kusel.
Ein Unterricht lässt sich in Steinbach seit dem Jahr 1580 urkundlich nachweisen. Aber erst mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht im 19. Jahrhundert entstand ein gemeinsames Gebäude für die protestantischen, katholischen und jüdischen Schüler aus Steinbach und Frutzweiler. In dem Schulhaus, das in den Jahren 1825/26 gebaut wurde, gab es im Erdgeschoss eine Lehrerwohnung und im Obergeschoss einen Lehrsaal und einen kleineren Unterrichtsraum. Für den katholischen Lehrer stand ein zusätzlicher Raum zur Verfügung.
Doch der 20 Quadratmeter große Unterrichtsraum bot von Anfang an zu wenig Platz für die 40 Schüler. Die Lage verbesserte sich 1837, als die katholischen Schüler in ein eigenes Gebäude umzogen. Ein Jahr später errichtete auch die israelische Gemeinde in der Hohlstraße ein Schulhaus für die jüdischen Schüler. In den Keller baute man 1870 eine Mikwe (Ritualbad) ein.
In den nächsten Jahrzehnten besuchten zwischen 80 und 100 Kinder die protestantische und etwa halb so viele die katholische Schule. Aber beide Schulgebäude waren im 20. Jahrhundert veraltet. Vor allem wurden die undichten Fenster und die Probleme beim Heizen beklagt. Außerdem war die Wohnung des protestantischen Lehrers feucht und mit Schimmel belastet. Die jüdische Schule wurde 1916 aufgehoben. Die Zahl der Schüler hatte sich seit 1906 von 19 auf elf Schüler verringert, von denen nur vier aus Steinbach stammten.
Hindernisse zu überwinden
Ein neues Schulhaus war also dringend erforderlich, aber für seine Verwirklichung gab es noch einige Hindernisse. Eine Verzögerung ergab sich, weil die Baupläne mehrfach geändert werden mussten. Ursprünglich sollte hinter dem Schulhaus ein eigenes Gebäude mit den Dienstwohnungen für die Lehrer gebaut werden. Außerdem hatte man für die Schule einen Turm mit einem Zwiebeldach und später an dessen Stelle einen Dachreiter vorgesehen, auf die man schließlich verzichtete.
Noch kritischer war die finanzielle Lage der Gemeinden Steinbach und Frutzweiler, denn der Kostenvoranschlag betrug 146.000 Mark. Dies war eine beträchtliche Summe in der Zeit der Weltwirtschaftskrise, die vor allem bei den Diamantschleifern und Bergleuten zu Arbeitslosigkeit geführt hatte. Aber als die Gemeinde ein Grundstück des Kaufmanns Otto Oppenheimer in der Ortsmitte günstig erwerben konnte, ließ sich der Neubau schließlich verwirklichen.
Pläne vom Bezirksbaurat
Die Pläne stammten von dem Bezirksbaurat Schröer aus Waldmohr. Bei den Bauarbeiten, die im März 1931 begannen, wurden bevorzugt Wohlfahrtsempfänger und ausgesteuerte Arbeitslose beschäftigt. Außerdem beteiligte man vor allem örtliche Handwerker, was wiederum der Gemeinde zugutekam. Am 5. Juni 1932 erfolgte die Grundsteinlegung, fünf Monate später konnten alle protestantischen, katholischen und jüdischen Schüler in das neue Schulhaus einziehen.
Das Schulhaus sollte nach den Richtlinien des Architekten „einfach, schlicht und schön“ sein. Es ist trotz einiger Veränderungen auch heute noch ein eindrucksvoller zweistöckiger Bau auf einem hohen Sockel und mit einem Walmdach. Die Vorderseite hat fünf Fensterachsen, weil der Eingang mit Vorbau und Freitreppe etwas breiter angelegt ist. Auf der Rückseite gibt es sechs, auf den anderen beiden Seiten je vier Achsen. Die Fassade ist eher schmucklos. Für den Sockel wurden sorgfältig behauene Quader verwendet, die Ecken sind ebenfalls durch Quader betont. Für den Vorbau am Eingang hatte man unterschiedlich gemusterte Ziegel verwendet.
Besonders geschickt war die Hanglage im Eingangsbereich gestaltet worden, wie man auf alten Fotos sehen kann. Ein bereits vorhandener Brunnen wurde durch eine zweiläufige Treppe eingerahmt, die dann über einen breiten Weg und weitere Stufen direkt zum Eingang führte. Im Inneren des Schulhauses gab es vier Lehrsäle, ein Lehrerzimmer und ein Zimmer für die Lehrmittel. Im Keller befanden sich die Heizung, drei Wannenbäder, eine Sammel- und eine Einzelbrause. Außerdem verfügte die Schule über eine Schulküche.
Lehrerwohnhaus nicht gebaut
Aber damit war die Geschichte des Schulhauses noch nicht zu Ende, denn von 1936 an wurden die Pläne für ein Lehrerwohnhaus wieder aufgegriffen, das hinter der Schule gebaut werden sollte. Man hatte inzwischen die beiden alten Schulhäuser verkauft, hätte aber noch Zuschüsse in Höhe von 18.000 Mark benötigt. Nach einem längeren Schriftwechsel, der im Kreisarchiv in Kusel aufbewahrt wird, verzichtete man schließlich auf den Bau und suchte für die Lehrer andere Dienstwohnungen.
Das Schulhaus werde „auf lange Jahre hinaus den Bedürfnissen entsprechen“, hieß es bei der Einweihung. Es waren aber nur 45 Jahre, denn 1977 wurde die Schule geschlossen. Inzwischen befindet sich im Erdgeschoss die Kindertagesstätte, während das Obergeschoss als Sitzungssaal für die Gemeinde dient. Für die neue Nutzung gab es mehrere bauliche Veränderungen, die vor allem den Eingangsbereich betrafen. Die Treppen des ursprünglichen Zugangs sind verschwunden, eine durchgehende Stützmauer und ein Bushäuschen begrenzen den Hang und der Brunnen bildet jetzt den Mittelpunkt des neu angelegten Vorplatzes.