Rheinpfalz Schrecken der Weltmeister von 1990

Der schreibende Fußballfan Roland Röder mit seinem druckfrischen Buch im Waldstadion: Gerade läuft die Mannschaft ein – vorn mar
Der schreibende Fußballfan Roland Röder mit seinem druckfrischen Buch im Waldstadion: Gerade läuft die Mannschaft ein – vorn marschiert Konstantinos Neofytos, dahinter Alexander Hahn und Patrick Dulleck.

Es sei „eine Liebeserklärung an den großartigsten Fußballverein der Welt“, lautet der Untertitel des neu erschienenen Taschenbuchs „111 Gründe, den FC 08 Homburg zu lieben“. In der „111 Gründe“-Reihe des Berliner Schwarzkopf-Verlags, in der unter anderem bereits der FC Kaiserslautern, Austria Wien, Waldhof Mannheim und der FC Barcelona gewürdigt wurden, hat der FCH-Fan Roland Röder nun den Grün-Weißen aus der Saarpfalz ein kleines literarisches Denkmal gesetzt.

„Die Bücherserie kannte ich ja schon“, sagt der 54-jährige Losheimer zur RHEINPFALZ: „Im Oktober 2016 bot ich dem Verlag einen Band über den FCH an, im Februar wurde der Vertrag unterschrieben.“ Gar nicht so selbstverständlich: „Im Moment steht der FC Homburg bundesweit ja nicht gerade im Fokus. Und mir war es ganz wichtig, nicht nur die alten Kamellen der großen 70er und 80er Jahre abzuarbeiten – mit dem Pokalsieg gegen Bayern und der Kondomwerbung in der Bundesliga. Nein, ich wollte den Verein auch so abbilden, wie er heute ist. Und breiten Raum sollten die vielen verrückten Fans bekommen, die alle Auswärtsspiele mitmachen und dem Team sogar ins Trainingslager nachreisen.“ Röder wäre es zu simpel gewesen, „einfach 50 besondere Spiele, 50 Spieler und elf nette Anekdoten zusammenzustellen. Das hätte emotional nicht interessiert.“ „Was habe ich mir schon so oft geschworen, meist nach Ende der Saison, dass jetzt Schluss ist mit dem Irrsinn eines Fußballfans. Es reicht. Ich fahre diesem Verein nicht mehr hinterher. Etwa vier Wochen vor Beginn der neuen Saison geht es wieder los, regelmäßiger Klick auf die Webseite, auf das Fan-Forum, manchmal stündlich, manchmal öfter. Mich treibt die tiefsitzende Angst, ich könnte weltgeschichtlich Bedeutendes verpassen. Zum Beispiel den Königstransfer. Und dann, wenn ich zum ersten Heimspiel der Saison nach Homburg fahre, ist es mit jedweder Distanz und Abgeklärtheit dahin. Sobald ich die Flutlichtmasten sehe, zum Beispiel bei einem Freitagabendspiel, schmelze ich regelrecht dahin.“ (aus dem 63. Grund) Dabei ist der Autor gar kein Homburger. Auf Familienausflügen kam er als Kind dank Papas Transistorradio „Tiny 30“ bei samstäglichen Übertragungen erstmals mit dem FC Homburg in Berührung. Doch es brauchte erst zwei Spiele gegen den FC St. Pauli 1993 und 1995, dass Roland Röder endlich leibhaftig den Weg ins Waldstadion fand. Seinerzeit allerdings beide Male im Gästeblock, aus merkwürdigen Gründen. Seither hat ihn die Faszination Grün-Weiß nicht mehr losgelassen. Inzwischen weiß der Sportfreund, wo sich der „richtige“ Fanbereich befindet: Im Block 3 gehört er längst zum festen Inventar. Dort kann man Roland Röder oft dabei beobachten, wie er mit Stift und Notizblock seine Fan-Kameraden nach deren verrücktesten Erlebnissen und dem Geheimnis ihrer Liebe zum Verein interviewt. Auch im Bus zum Auswärtsspiel schreibt er so manche Begebenheit fleißig mit: Kein Wunder, dass der Losheimer das Material für sein Buch vergleichsweise rasch beisammen hatte. „Kurz bevor ich auf der Kaiserstraße das stillgelegte Lokal ,Am Zollbahnhof’ mit seiner stehengebliebenen Uhr erreiche, stehe ich innerlich stramm und still in einem. Vielleicht 100, vielleicht 150 Meter vor dem Lokal erreicht die Straße ihren höchsten Punkt, und ich sehe für einen kurzen Moment das Stadion.“ (aus dem 19. Grund) Ein besonderes Fleißbienchen verdient sich der Autor mit seinem Nachweis, dass „der FCH stärker war als die deutschen Weltmeister von 1990“. Wie das? Ganz klar: Egal ob Andy Brehme, Thomas Berthold, Klaus Augenthaler, Pierre Littbarski oder sonst einer der Helden von Rom: Von den 17 eingesetzten Kickern des deutschen WM-Kaders 1990 wurden 14 mit ihren Vereinen vom FC Homburg besiegt. „Nur“ ein Unentschieden gelang den Homburgern lediglich gegen Uwe Bein, Olaf Thon und Rudi Völler. Weil die Julia ihrem Pascal im Stadion den ersten Kuss gab. Weil der langjährige OB Reiner Ulmcke ab 1948 durch den Zaun ins Stadion kletterte. Weil Vereinsarzt Peter Junkes einmal Rodolfo Esteban Cardoso auf seiner Wäschetruhe behandelte. Weil keiner schöner jubelt als Kai Hesse. Weil der sachliche Herbert Eder richtig ausflippen kann. Weil ich die mitleidheischende Frage „Warum du und der FCH?“ nicht mehr hören kann (Überschriften einiger Kapitel) Manche Fans mögen ja die Theorie pflegen, dass ihr FCH längst Champions League spielen würde, hätte er nicht „so einen“ Vorstand an seiner Spitze. Umso auffälliger wirkt der versöhnliche Ton, in dem der Autor von Herbert Eder spricht: Dass Röder den Vorsitzenden als Fußballverrückten beschreibt, der den Club mit Leib und Seele lebt, setzt einen Kontrapunkt zu manch bösem Wort, das Eder zuweilen aus Block 3 entgegenschallt. Letztlich ist Roland Röders Veröffentlichung genau richtig geworden: der Schmöker eines Fans für Fans. Und schlauerweise voller knackiger Kapitel, die alle so kurz sind, dass man vorm Weglegen gerne schnell noch das nächste liest. Und das nächste und übernächste, bis das Buch zu Ende ist. Info —Am Freitag, 15. Dezember, 18.30 Uhr, stellen Roland Röder und der FCH das Buch im Homburger Waldstadion vor. Röder liest in der VIP-Lounge vor, signiert Bücher und vergräbt unter Flutlicht ein Exemplar seines Werks im Mittelkreis des Spielfelds. —Roland Röder: „111 Gründe, den FC 08 Homburg zu lieben“. Taschenbuch, 224 Seiten, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, ISBN 978-3-86265-685-1. Preis 9,99 Euro.

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