Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Schottenrock-Rock: Skerryvore ist in der Region auf Tour

Schon lange unterwegs, aber immer anders: Skerryvore.
Schon lange unterwegs, aber immer anders: Skerryvore.

Die Band Skerryvore bringt Festivalbesucher zum Tanzen – Jetzt kommt sie auch nach Karlsruhe – ein echter Tipp.

Die Band hat sich nach dem Standort eines Leuchtturms benannt: Skerryvore sind acht Musiker, die mal mit instrumentalen Traditionals angefangen haben und heute keltischen Rock-Pop spielen. Das erste Album, das 2005 erschien, hieß „West Coast Life“ und enthält traditionelle Jigs, Reels und Walzer sowie einen Tanz, der in weiten Teilen Europas bereits „Schottisch“ hieß, bevor er als „Highland Schottische“ in den Norden des Vereinigten Königreichs gelangte. So heißt auch das zweite Stück des Albums, das mit Akkordeon beginnt. Geige, Gitarren und natürlich der unvermeidliche Dudelsack gehören zum Instrumentarium; Gesang gibt es auf diesem Album noch nicht. Neben den traditionellen Stücken sind bereits erste eigene Kompositionen enthalten.

Gegründet wurde die Band von den Brüdern Daniel und Martin Gillespie, die sich intensiv mit schottischer Folkloremusik befasst und bei lokal bekannten Könnern Dudelsack, Akkordeon und weitere Instrumente gelernt haben. Später stießen weitere Musikstudenten hinzu. Alle profitierten von einem Programm, das in der strukturschwachen Region Kultur und Bildung fördert – ansonsten gibt es dort vor allem reichlich Landschaft mit Meer und Felsen. Die Gillespie-Brüder stammen von der Insel Tiree, der westlichsten Insel der Inneren Hebriden; vor ihr liegt Skerryvore. Das ist ein Felsen, auf dem im 19. Jahrhundert mit großem Aufwand ein Leuchtturm errichtet wurde, der heute als bau- und kunstgeschichtliches Meisterwerk unter Denkmalschutz steht.

Musikalischer Leuchtturm

Ein musikalischer „Leuchtturm“ wollten die Gillespies und ihre Mitmusiker mit ihrer Band ebenfalls werden. Anfangs spielten sie auf verschiedenen Cèlidhs (auch: Ceilidhs), also Veranstaltungen mit keltischen Tänzen, vergleichbar mit Bal-Folk-Abenden in der Bretagne. Unter dem Namen Skerryvore nahmen sie dann das oben beschriebene Album auf. Das lief in Schottland gut, und von da an entwickelte sich die Band weiter: Bass und Fiddle kamen hinzu, später zeitweise sogar eine Horn Section. Damit spielte die Band Traditional-Stücke in eigenen, rockigeren Interpretationen.

Ihren eigenen Stil fanden Skerryvore 2010 mit dem dritten, nach der Band benannten Album. Die Horn Section ist wieder verschwunden; der Sound ist geprägt von akustischen Gitarren, Schlagzeug und Bass sowie Akkordeon, Fiddle, Tin Whistles und Dudelsack. Die Stücke sind fast alle Eigenkompositionen – nun auch mit Gesang, der häufig mehrstimmig wird. Die Rock- und Pop-Elemente treten deutlich hervor; in den härteren Songs kommen auch elektrische Gitarren hinzu. Publikum und Kritik reagierten begeistert: Es gab zahlreiche Auszeichnungen, und man verortete die Band auf Augenhöhe mit international bekannteren schottischen Acts wie Runrig.

Musikalisch interessant ist die stilistische Vielfalt der Band: In ihrer weiteren Karriere pflegen sie teils stärker traditionelle Klänge, teils experimentieren sie mit Einflüssen aus anderen Genres und Traditionen, sodass auch etwas Weltmusik mitschwingt. Einen guten Eindruck vom aktuellen Stand vermittelt das zum 20-jährigen Bestehen erschienene Livealbum „Skerryvore XX“. Mit diesem Programm ist die Band derzeit auf Tour.

Termine

Am 19. April im Frankfurter Hof in Mainz und am 25. April im Karlsruher Jazzclub.

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