Edenkoben
Schmuck von Britta Bode und Keramik von Sebastian Scheid im Museum Edenkoben
Was haben Blattstile von Akazienblättern und graue Kieselsteine mit kunstvollen Schmuckobjekten zu tun? Oder verwitterte Baumrinden mit formschöner Keramik? Die Schmuckdesignerin Britta Bode schöpft aus solchen Gegensätzen Kraft und Inspiration für ihre Werke. In meisterlicher Handarbeit kreiert die gebürtige Hannoveranerin, die in Edenkoben heimisch wurde, unkonventionelle, tragbare Schmuckstücke in fast architektonisch anmutender Geradlinigkeit.
Urwüchsig Raues bildet den Gegensatz zu mattglänzendem Silber, flächiges Edelmetall balanciert Freiräume aus, Hell-Dunkel-Kontraste beleben die Optik. Immer wieder schafft die vom Bezirksverband Rheinland-Pfalz mit dem Lebenswerkpreis für Kunsthandwerk ausgezeichnete Goldschmiedin auch unverkäufliche „Seelenobjekte“, wie Flechtwerke aus getrockneten Blattstilen und Rebhölzern oder Schichtgebilde aus Kupfer, Papier und Baumrinden.
Einen Seelenverwandten hat Bode in Sebastian Scheid gefunden. Denn auch der 1962 geborene Spross einer bekannten Hanauer Keramiker-Familie findet Inspiration in der Natur und Spaß am Spiel mit Gegensätzen. „Wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe, betrachte ich Bäume und ihre Rinden und bekomme Ideen für meine Arbeit“, sagt Scheid und zeigt auf seine hohen Vasen, die in Form, Struktur und Farbigkeit tatsächlich an Baumstämme erinnern. Wie sie da beisammen stehen, bilden sie ein kleines Wäldchen. Ihre markante Oberflächenstruktur hat Scheid durch die Bearbeitung des Tons mit gemasertem Holz erreicht. Die Innenwände sind glatt. Bei anderen Gefäßen ist es genau umgekehrt. Öffnet man den Deckel der mattglänzend „Dosen“ wird man von ihrem wilden Innenleben überrascht.
Wie seiner Gastgeberin ist auch Scheid wichtig, dass seine Werke benutzbar und für den Besitzer auch von innerem Wert sind. Ausgangspunkt aller schlichten und doch eleganten Arbeiten ist der Ton aus dem Westerwald, der als massiver Block in der Werkstatt landet, in der früher Beate Kuhn gearbeitet hat. Die Immobilie hat Scheid 2017 übernommen, nachdem er schon seit Jugendjahren Erfahrungen bei Künstlerkollegen in England, USA und besonders Japan gesammelt hat.
Brand mit einer Prise Salz
„Die 15 bis 20 Kilo schweren Tonblockquader“, so erläutert Scheid den vielen Vernissagegästen, werden von allen Seiten mit dem Kantholz in die gewünschte Form geschlagen und nach einer Ruhezeit mit dem Konturmesser, manchmal auch mit Draht ausgehöhlt. So entsteht aus dem massiven, vollflächigen Block ein Hohlraum, meist mit glatter Innen- und rauer Gefäßaußenwand. Andere, röhrenartige Körper werden aus Tonplatten gerollt und von außen mit strukturiertem Holz beschlagen.
Farbigkeit und Feinstruktur erzeugt er durch Brand und Glasur. Auch hier lässt er die Natur walten, mischt Kaolin, Feldspat, Quarz und Aschen von Obstbäumen oder Buchen. Im Gegensatz zu den Dosen und Vasen durchlaufen seine Röhren nicht die beiden Brennvorgänge im Elektro- und Gasofen, sondern werden im Holzofen gebrannt. Dabei wird noch eine Prise Salz beigegeben, die ihren matten warmen Glanz verfeinert. In einer Vitrine präsentiert Scheid auch einige Porzellanarbeiten. Er hat sie auf der Scheibe gedreht und später mit Klingen facettiert.
Die Ausstellung
„Komplementär“ Schmuckobjekte von Britta Bode und Keramiken von Sebastian Scheid bis 23. November im Museum für Weinbau und Stadtgeschichte Edenkoben: Mi-Sa 15-18 Uhr, So 11-18 Uhr.