Rheinpfalz Schmiede in alter Schuhfabrik

Thomas Edrich schätzt kunsthandwerkliches Arbeiten wie bei diesem geschmiedeten Grabkreuz.
Thomas Edrich schätzt kunsthandwerkliches Arbeiten wie bei diesem geschmiedeten Grabkreuz.

«RODALBEN.» Noch ein Jahr dauert der Umbau, mindestens. Bis dahin bleibt seine jetzige Schlosserei in der Haustelstraße sein Arbeitsplatz. Der 48-Jährige arbeitet als Bauschlosser, fertigt zum Beispiel Fenstergitter und Geländer, geschmiedet und verzinkt, aber „nie industriell vorgefertigt aus Edelstahlteilen“, wie er betont. Als „internationaler Schweißerfachmann“ bekommt er Aufträge am Brückenbau wie an der B 10 bei Hinterweidenthal oder im Fahrzeugbau, wenn es etwa zum Lkw-Aufbauten oder um Reparaturen geht. Am liebsten fertigt der Schlossermeister Kunstgegenstände. Deshalb hat er auch die Ausbildung zum Restaurator durchlaufen, hier ist nur die Abschlussarbeit noch einzureichen. Restaurierungen gehören jetzt schon zur Alltagspraxis. Da sind an einem alten Forsthaus Türschlösser und Fenster wiederherzustellen, an einem denkmalgeschützten Gebäude das Vordach und Gusspfeiler. An kunsthandwerklichen Gegenständen hat er zuletzt ein verschnörkeltes Grabkreuz geschmiedet und Türschilder mit den Motiven eines Mofas und eines Wanderschuhs, jeweils nachgebaut als symbolische Zeichen für den Fachhandel. Die bisherige Schmiede erstreckte sich über kaum 40 Quadratmeter, glich eher einer Hobby- als einer Fachwerkstatt. „Wir haben vier Jahre lang nach einem geeigneten Gebäude gesucht“, sagen Thomas und Alexandra Edrich, die sich im Betrieb um die Büroarbeit kümmert. Mit der alten Schuhfabrik in der Bruderfelsstraße, die sich noch „durch historischen Charme“ (Alexandra Edrich) auszeichnet, sind sie fündig geworden. Hohes Lob zollen die Beiden der Bauabteilung bei der Kreisverwaltung, die mit Rat und Tat dazu beigetragen habe, die Lärmschutzauflagen im Wohngebiet zu erfüllen. „Es ist uns nun ein Anliegen, die einstige Schuhfabrik, wenngleich durch andere Nutzung, wiederzubeleben“, sagt Thomas Edrich. Zugleich soll der Renovierungsstau im angrenzenden Wohnhaus zur späteren Vermietung beseitigt werden. Bis zu 70 Mitarbeiter soll Max Edrich – übrigens nicht verwandt mit Thomas Edrich – in den 60er Jahren in der Glanzzeit der Schuhfabrik beschäftigt haben. In der Tat vermag der langgestreckte Bau Erinnerungen an die früheren Arbeitsplätze von Zuschneidern, Stepperinnen und Zwickern zu wecken. Übrig geblieben aus dieser Zeit sind ein paar Leisten und Zuschneidemesser, die einmal in einem Glaskasten hinter dem Eingangsraum als nostalgische Stücke ausgestellt werden sollen. 400 Quadratmeter misst die einstige Fabrikationshalle, dazu kommen 100 Quadratmeter der Nebenhalle, die für Garagen genutzt werden soll. Aktuell sieht die künftige Werkstatt noch wie ein Rohbau aus. Vor allem Dach, Fenster und Tore sind zu erneuern. Nur vereinzelt stehen hier und da schon einmal ein paar Maschinen: ein Amboss, die große Abkantbank zum Bleche-Biegen oder in der Ecke eine mobile Feldschmiede zum Spalten. Kernstück soll einmal das Schmiedefeuer werden, zwei auf einen Meter groß, ausgestattet mit zwei Feuerschalen. Es kann mittels Schmiedekoks und Luftgebläse eine Temperatur von bis zu 1400 Grad erreichen, um das Eisen zu schmelzen mit dem Formhammer zu bearbeiten. Nach und nach sollen weitere Geräte wie Lufthammer, Federhammer oder Schweißapparate den Maschinenpark erweitern. Computergesteuerte Maschinen schließt Thomas Edrich aus, er baue seine Arbeit auf Tradition auf. Der älteste Hammer stammt aus dem Jahr 1895. Für den neuen Eigentümer der alten Rodalber Schuhfabrik gibt es noch viel zu tun. Edrich hat damit angefangen, das ehrgeizige Werk anzupacken.

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