Rheinpfalz Schmankerl für Geist und Gaumen

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Es war schon ein illustres Völkchen, das da an diesem nasskalt-trüben Abend – zum Teil in historische Gewänder gekleidet – durch die Straßen Hauensteins zog: „Schlemmen, Schuhe, Straßenkehrer“ – unter diesem Motto beleuchteten Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) Gästeführer Südwestpfalz die Geschichte des Schuhdorfs Hauenstein, facettenreich und spannend, mit vielen Details und mit feinen Schmankerln für Geist und Gaumen.

An verschiedenen Stationen im Dorf gaben Ellen Cabrera, Claudia Metzger, Anke Vogel, Karl Kling und Uwe Schumacher mal mit szenischem Spiel, mal als dialogische Einsprengsel, mal als mit vielen Anekdoten gewürzten Vortrag Einblicke in die Hauensteiner Geschichte. An der Katharinenkapelle etwa spielten Vogel und Cabrera die Sage von deren Entstehung, am Schusterdenkmal auf dem Lorenz-Wingerter-Platz wurde jenes Geschehen ins Szene gesetzt, als sich Anton und Karl-August Seibel, die als Bilderhändler im fernen Bayern unterwegs waren, entschlossen, es den Pirmasensern nachzutun und eine Schuhfabrik zu gründen. Dass die aufkommende Schuhindustrie dem Ort wohl einiges an Wohlstand brachte, andererseits aber die Arbeit in einer der Schuhfabriken alles andere als ein Zuckerschlecken war, machte Metzger exemplarisch deutlich, als sie in der Gartenstraße das beschwerliche Leben einer Schuhfabrikarbeiterin aus Hinterweidenthal nachzeichnete, die nach dem Fußmarsch in die Nachbargemeinde und neun oder zehn Stunden Arbeit in „de Fawwrick“ wieder zu Fuß nach Hause laufen und anschließend die Hausarbeit erledigen musste. An der Christkönigskirche berichtete Karl Kling – auch mit kritischen Anmerkungen – über das Wirken des Prälaten Georg Sommer, der Hauenstein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich prägte, der dem Nationalsozialismus den Glauben und die Gemeinschaft der Kirche entgegenhielt und mit dafür sorgte, dass die Hauensteiner bei den letzten einigermaßen freien Wahlen im März 1933 den Nazis gerade mal 4,8 Prozent (73 Stimmen) der insgesamt 1500 Stimmen gaben. Sommer war auch Bauherr der 1933 eingeweihten Christkönigskirche. Vogel erinnerte unterhalb des früheren Steinbruchs am Rauschloch an das Steinbruchunglück. Dort sollten Steine für den Bau der „Burg Gottes im Wasgau“ gebrochen werden. Eine Sprengladung explodierte verzögert und begrub fünf Arbeiter und Helfer unter sich – übrigens fast auf den Tag genau 85 Jahre vor der Führung, die das Geschehen am 9. November 1931 ins Gedächtnis rief. Es ging um Hauenstein im Zweiten Weltkrieg, die hausierenden Bilderhändler, die Millenniumsäule und Sagen rund um Hauenstein und Mundartgedichte aus der Pfalz. Und es gab Kulinarisches. Im „Dorfstübel“ wurden die leckere Vorspeise – Garnelen im Kartoffelstroh auf Rahmzwiebeln etwa – und als Dessert zweierlei Mousse mit Beerentörtchen an Apfelragout serviert, zum Hauptgang wanderte man – unterbrochen durch die Stationen – zum Restaurant „Felsentor“, wo man sich in der „Krämerstube“ an einer Roulade von der Poulardenbrust, gefüllt mit Kürbiscreme, und an Steinpilzrisotto und einer Zimtjus labte. Aus Rodalben und Fehrbach, aus Bottenbach und dem Raum Kusel waren die zehn Teilnehmer angereist. Die Akteure verstanden es, die Gäste einzubinden und Historisches lebendig und spannend aufzubereiten, wobei Uwe Schumacher, der den „Straßenkehrer“ gab, der alles hört, alles sieht und vieles mitkriegt, Ausführungen und Spiel mit seinen spitzen Kommentaren garnierte. „Uns liegt daran zu zeigen, wie wunderschön es in unserer Region ist und wie spannend auch unsere Lokalgeschichte sein kann“, beschreibt Vogel die Motivation der Gästeführer. Und: „Wenn man an der Geschichte kratzt, dann kommt so viel Interessantes und Neues heraus. Das macht einfach Spaß“, sagt sie. In Hauenstein sei die Teilnahme noch etwas spärlich gewesen, in Rodalben dagegen sei die Führung „Rodalber Schokoladenseite“ stets ausgebucht: Einheimische nähmen dort die Führung ebenso wahr wie Gäste, die eigens anreisten. Vogel weist darauf hin, dass Führungen auch für Gruppen buchbar sind: „Speziell als Betriebs-, Geburtstags- und Weihnachtsfeier ist diese kulinarische Führung eine unterhaltsame Alternative zu den üblichen herkömmlichen Feiern.“ Info Das Programm der IG Gästeführer gibt es auf der Homepage g-ig.de/.

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