Rheinpfalz Schluss nach 132 Jahren

Die Filialen des Fleischerfachgeschäfts von Familie Speyerer werden bis zum Jahreswechsel geschlossen. In der Fackelstraße sind nach der Mall-Baustelle die Kunden weggeblieben. Verändertes Kaufverhalten tat ein Übriges.
wird in Kürze um ein Fleischerfachgeschäft ärmer sein. Am 16. August, schließt die Filiale der Metzgerei Speyerer in der Fackelstraße ihre Türen. Um die Jahreswende wird das Hauptgeschäft in der Glockenstraße die Produktion und den Verkauf einstellen. „Wir haben alles versucht, uns über Wasser zu halten. Unsere Bemühungen waren vergebens“, sagt die 49-jährige Stefanie Speyerer. „Seit Karstadt geschlossen, mit dem Bau der Mall begonnen und die Verkehrsführung mehrmals geändert wurde, blieben uns die Kunden aus. Der Knackpunkt ist die Fackelstraße. Die Leute laufen hier nicht mehr vorbei. Die Laufkundschaft hat spürbar abgenommen“, bedauert die Inhaberin, die die Traditionsmetzgerei zusammen mit ihrem Ehemann Hermann Speyerer (51) in der vierten Generation betreibt, den Schritt. Überwiegend ältere Kunden hätten den Laden in der Fackelstraße aufgesucht. „Die finden wegen der geänderten Verkehrsführung den Weg nicht mehr zu uns.“ Hinzu komme die Parksituation, die Kunden belaste. Seit Karstadt geschlossen habe, habe sich der Umsatz beim Imbiss halbiert. „Hier fehlt die Laufkundschaft.“ Viele suchten den Weg zu Verbrauchermärkten auf der Grünen Wiese am Rande der Stadt. Weil die Produktion nicht von heute auf morgen beendet werden könne, Kündigungszeiten von Mitarbeitern eingehalten werden müssen und das Hauptgeschäft in der Glockenstraße noch gezielt von Kunden aus dem Wohnviertel aufgesucht werde, soll dieses noch bis zum Jahresende weitergeführt werden. Verändert habe sich auch das Kaufverhalten, sagt Stefanie Speyerer und verweist insbesondere auf die jüngere Generation. „Die Jungen gehen lieber in den Supermarkt, kochen weniger und kaufen dort lieber etwas zum Grillen.“ Essen habe nicht mehr den Stellenwert wie früher. Viele Kunden nähmen mit dem billigeren Hackfleisch im Supermarkt Vorliebe. Elke Speyerer, die Tochter von Marianne und Hermann Speyerer, der vorherigen Generation und zuständig für die Buchhaltung der Metzgerei, verweist auf die gestiegenen Kosten und EU-weiten Anforderungen an den Familienbetrieb. „Wir haben versucht, die Kosten zu reduzieren. Das ging nur bis zu einem bestimmten Punkt.“ Die Energiekosten, Kühlung und Hygiene fielen auch an, wenn die Produktion eingeschränkt wird, erläutert Elke Speyerer. Auch seien die Mietkosten gemessen am Umsatz in der Filiale Fackelstraße zu hoch. „Letztendlich legen wir drauf. Das geht betriebswirtschaftlich nicht.“ Unverständnis zeigt Elke Speyerer für Vorschriften der EU. Beispielsweise über die Beantragung einer Zulassung, die Filiale in der Fackelstraße zu beliefern, weil dort mehr verkauft wurde, als im Hauptgeschäft in der Glockenstraße. „Diese Zulassung hat uns 6000 Euro gekostet“, schüttelt die Buchhalterin den Kopf. Seit 2012 hat die Metzgerei versucht, über einen Verkaufswagen in umliegenden Orten wie Dansenberg, Stelzenberg, Schopp, Linden und Horbach den Vertriebsweg zu erweitern. Auch die Rechnung ist nicht aufgegangen. Die Konkurrenz der Verbrauchermärkte sei zu groß. 2007, als der Betrieb sein 125. Jubiläum feierte, zählte die Metzgerei Speyerer 36 Mitarbeiter. Seit zwei Jahren sind es nur noch 21. Bevor es die Mitarbeiter aus der Zeitung erfahren, hat die Familie Speyerer sie rechtzeitig über ihren Entschluss, die Metzgerei zu schließen, unterrichtet. „Wir wollen nicht in Insolvenz gehen. Wir wollen unser Geschäft mit Anstand schließen“, ergänzt Stefanie Speyerer.