Rheinpfalz
Schlagergottesdienst in Lauterecken kommt gut an
Ein bisschen Spaß muss sein: Ein guter Rat und ein bekannter Schlagertitel, der am Sonntag in der evangelischen Kirche Lauterecken eine Rolle spielte. Pfarrer Timo Schmidt und Gemeindediakonin Annette Junkes gestalteten mit Jugendlichen einen Schlagergottesdienst. Er widmete sich dem Thema Sehnsucht unter dem Motto „Schön ist es auf der Welt zu sein“.
Bei einem Gottesdienst erwartet man eine Predigt, Fürbitten, Vaterunser und Segen. Die vertraute Liturgie fanden die zahlreichen Besucher auch beim Schlagergottesdienst. Und doch war vieles so ganz anders. Die Kirche war proppenvoll, schon am Eingang wurden die Besucher mit dem Duft von Popcorn gegrüßt, überall hing farbenfrohe Dekoration und anstelle üblicher Kirchenlieder wurden Schlager der 70er Jahre gesungen. Mit der Titelmelodie von Bonanza startete der Gottesdienst, bei dem sich Junkes an ihre Kindheit und Jugend in den 70er Jahren erinnerte. An unvergessliche Erlebnisse mit Freunden, aber auch die kleinen Dinge wie Raider (heute Twix) oder den Wackeldackel auf der Hutablage und vor allem die Musik, die geprägt war vom Schlager.
„Du kannst nicht immer 17 sein“
Nach „Du kannst nicht immer 17 sein“ von Chris Roberts erklärte Junkes, dass sie sich gerne zurückerinnere, aber auch ein wenig wehmütig sei, da sie sich nach der Leichtigkeit der Kindheit sehne, doch für immer 17 bleiben – das wolle sie auch nicht. Pfarrer Timo Schmidt erklärte, dass das Sehnen nach dem, was war und was komme, eben Leben sei. Er hoffe, dass Gott die Lebensgeister wecke, damit jeder wie Roy Black und Anita singen kann: „Schön ist es auf der Welt zu sein“. Die Sehnsucht nach einer besseren Welt ist auch in der Bibel zu finden, beispielsweise in der Offenbarung des Johannes, wo eine Überleitung zu Jürgen Drews „Ein Bett im Kornfeld“ gefunden wurde.
Die Predigt war ein unterhaltsames Zwiegespräch von Junkes und Schmidt, bei dem Junkes sich an das Gute erinnern wollte, aber befürchtete, vom Pfarrer auf der Kanzel mit dessen „Firlefanz“ unterbrochen zu werden, wenn dieser zum Thema Sehnsucht „auf tiefsinnig mache“. Schlager seien fröhlich und frei und forderten dazu auf, das Leben nicht so schwer zu nehmen.
„Wunder gibt es immer wieder“
Das Schwere gehöre jedoch dazu, entgegnete der Pfarrer, und man brauche Worte, um sich mitzuteilen. Junkes war sicher, nicht irgendwelche, sondern fröhliche Worte zu brauchen – doch Worte zu finden, die fromm und locker zugleich sind, fällt auch einem Pfarrer nicht immer leicht. Aber „Wunder gibt es immer wieder“, wusste schon Katja Ebstein. Die Fürbitten der Jugendlichen baten um eine Sehnsucht, die nach Geborgenheit strebt und diese in die Welt trägt, die Veränderung für eine bessere Welt wünscht und anstrebt oder auch so zu leben, dass überall erfahrbar ist: „Schön ist es auf der Welt zu sein“.
Mitsingen war ausdrücklich erwünscht. „Die einen treffen die Töne, die anderen werden von den Tönen getroffen“, sagte Schmidt und erntete zahlreiche Lacher. Trotzdem sang kaum ein Besucher nicht mit. Unterstützt wurde die Gemeinde dabei nicht nur von Stefanie Ludes am Klavier, sondern auch von Mitgliedern des Chors „Crossover“, die mittendrin verteilt saßen, um den Gottesdienstbesuchern die Hemmung zu nehmen und ihnen durch die teils nicht ganz so leichten Strophen zu helfen. Was jedoch immer saß, war der Refrain. Das wusste schon Roberto Blanco, dessen „Ein bisschen Spaß muss sein“ den offiziellen Teil des Gottesdienstes beendete.
„Ein bisschen Spaß muss sein“
Ein Lauterecker Ehepaar, das auch sonst die Gottesdienste besucht, zeigte sich begeistert vom Zuspruch, der „lockeren, leichten“ Umsetzung und auch der Beteiligung der Jugendmitarbeiter. „So gut besucht ist es sonst nur an Heiligabend“ und „vielleicht ist sowas die Zukunft, dass Gottesdienste so attraktiver auch für junge Leute gestaltet werden“, meinten sie.