Kultur Südpfalz Schicht um Schicht
Einblick in 21 Jahre Kunstschaffen gewährt eine Ausstellung im Rheinzaberner „Artelier 21“: Galeristin Doris Schneider holte die Künstlerin Lydia Oermann in die Pfalz, die sie in Mainz kennengelernt hat.
Oermann lebt seit diesem Jahr in Köln, vorher in Trier. Deshalb nutzte die Künstlerin die Gelegenheit, weit abseits ihres sonstigen Wirkungskreises nicht nur aktuelle Arbeiten zu präsentieren. Sie ergriff die Chance für einen „Parcours“ durch „zwei Kunst-volle Dekaden“, wie sie selbst die Ausstellung beschreibt. Eine Zeitspanne, in der Oermann ihre Techniken perfektionierte, sich an neue Arbeitsweisen und Materialien wagte und mit neuem Blick Altbewährtes frisch umsetzte. Besucher begegnen auf zwei Etagen Gemälden, Grafiken und Objekten, denen eine gewisse, fein abgestimmte Grundfarbigkeit gemein ist. Sicherlich die stärkste Wirkung auf den Raum strahlen die Acrylglas-Würfel und Blöcke aus, die trotz ihres massiven Körpers leicht, filigran und transparent wirken. Quader mit Durchmessern bis zu zehn Zentimeter bedruckt die Künstlerin auf allen vier Seiten, oft lagert sie mehrere Farbschichten übereinander, lässt dazwischen aber Spalten und Freiräume, durch die Licht fließen kann. Verblüffende Licht- und Schatteneffekte entstehen, jede Seite der Objekte zeigt andere Muster oder Farbflächen. Immer häufiger setzt Lydia Oermann Graffiti-Technik ein, besprüht das Acrylglas, denn von den Farben aus der Dose ist die Malerin begeistert. Als einen „Meilenstein“ ihrer künstlerischen Entwicklung ordnet sie das Werk „Boites Vertes“ aus dem Jahr 1996 ein. Es ist unverkäuflich, denn es war ihre erste Arbeit mit Siebdruck-Technik, die sie bis heute regelmäßig verwendet. „Ich hätte das Bild schon oft verkaufen können“, erinnert sie sich. Ihm folgten viele weitere Siebdrucke, in denen die Malerin ihrer Leidenschaft für „Schichten, Ebenen, Überlagerungen frönte“. Ein Werk, das sie zum ersten Mal öffentlich zeigt, besteht aus fast 100 Druckebenen. „Holy Summer“ ist der Titel des Bildes, das in einen wahren Rausch aus blauen, grünen und verwandten Zwischentönen versetzt. „Ich durchlief schon mehrere gestalterische Phasen“, erklärte Lydia Oermann am Rande der Vernissage. Lange bevorzugte sie das Aquarellmalen. Da ihr die Farben auf Dauer zu blass erschienen, entwickelte sie bereits vollendete Aquarelle weiter, legte Druck-Schichten mit kräftigeren Farben darüber. Es gab eine puristische Phase, Beispiele dafür sind ihre stark grafisch wirkenden Punkte-Bilder, die auch dafür stehen, dass sie immer Strukturen in ihrer Arbeit brauche. Neue Techniken finden sich unter den 52 ausgestellten Werken, wie Digitaldrucke oder Videostills. Bei den neuen Arbeiten aus diesem Jahr fällt auf, dass Oermann, wie sie selbst sagt, wieder zu Pinsel und Tusche zurück gekehrt ist. Sie malt noch reduzierter, flächiger, kombiniert unscharfe geometrische Formen mit kräftigen Farben von Neon-Gelb bis hin zu einem satten, dominanten Schwarz. Diese Farben finden sich auf korrespondierenden Glasobjekten wieder, lassen ein Wechselspiel zwischen Bild und Objekt entstehen. Info Die Ausstellung ist bis 16. September zu sehen im „Artelier 21“, Rappengasse 21, Rheinzabern, donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr oder nach Vereinbarung.